Gelesen im Oktober 2019

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Herbstlese

J. K. Rowling: Harry Potter und der Feuerkelch. Übersetzt von Klaus Fritz, Carlsen 2000.

Dagny Juel: Flügel in Flammen. Gesammelte Werke. Aus dem Norwegischen und mit einem Essay von Lary Brandt. Weidle Verlag, 2019. – Wenn die Wartezeit nicht lang genug dauern kann … Ich wollte nicht den schweren „Harry Potter und der Orden des Phönix“ mit ins Wartezimmer schleppen und habe willkürlich nach einem dünnen Buch im SUB gegriffen. Ein Glücksgriff! Die fragmentarischen Texte der Norwegerin Dagny Juel, die schon vor knapp 120 Jahren starb, sind so aktuell, so klug, so eindrücklich, so emotional und messerscharf. „Radikal“ steht im Klappentext. Liebe, Schuld(-gefühle), Zweifel, Eifersucht, vernichtende Kraft … Ich bin entflammt!

J.K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix. Übersetzt von Klaus Fritz, Carlsen 2000.

 

 

Gelesen im September 2019

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Karen Köhler: Miroloi. Hanser, 2019. Ein schmerzvoller Roman, der mich mit einer unglaublichen Sogkraft gepackt hat. Auf einer fiktiven und ortlosen Insel (die man als Leser dennoch in Griechenland verortet) lebt eine in sich geschlossene Dorf-Gesellschaft mit eigenen Göttern, eigenen rückwärtgewandte Regeln, ohne Strom und ohne die Annehmlichkeiten moderner Technik. Aus Perspektive einer geduldeten Außenseiterin steigt der Leser in diese eigenartige Welt ein, entdeckt zahlreiche Parallelen zu historischen Ereignissen, leidet, hasst, liebt, ist fassungslos und vergießt vielleicht die ein oder andere Träne. In vielen Rezensionen verrissen, aus Gründen, die ich durchaus nachvollziehen kann, bin ich dennoch gefangen von diesem großartigen Buch und empfehle die Lektüre!

Mercé Rodoreda: Der Garten über dem Meer. Übersetzt von Kirsten Brandt, Berlin Verlag, 2016. – Das Buch habe ich mit „Marias Lesekreis“ auf Instagram gelesen, einem online Lesekreis, den die Berliner Buchhändlerin Maria Piwowarski gegründet hat. Der in den 1960ern geschriebene Roman der spanischen Schriftstellerin spielt in den 1920er-Jahren in einem Küstenort, nicht weit entfernt von Barcelona. Gemeinsam mit dem Ich-Erzähler, dem Gärtner eines herrschaftlichen Sommerhauses, beobachtet der Leser über sechs Sommer hinweg das Leben kleinen Kreis wohlhabender junger Menschen. Es werden Vergleiche mit der Welt des großen Gatsbys herangezogen. – Ich muss die Leseerfahrung noch sacken lassen. Die sanft dahinplätschernde Handlung (ist es überhaupt eine?), die leichten Verwicklungen und Mutmaßungen, die sanften Andeutungen, die verbergend-beobachtende, behutsame Sprache … So richtig hatte mich der Roman nicht gepackt, aber ich habe die leise Ahnung, dass er mich so schnell nicht wieder loslassen wird …

J. K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban. Übersetzt von Klaus Fritz, Carlsen Verlag 1999. – Der Herbst ist Harry-Potter-Lesezeit!

Tomas Espedal: Wider die Natur. Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel, Matthes & Seitz Berlin 2014.  – Zur Vorbereitung auf das diesjährige Buchmessen-Gastland Norwegen habe ich dieses Bich gelesen, das treffenderweise den Untertitel „Die Notizbücher“ trägt. Ich habe keinen rechten ZUgang gefunden zu diesen wohformulierten Worten. Vielleicht war es einfach dre falsche Zeitpunkt für mich, zu diesem Büchlein zu greifen. Ich lege es ins Regal und werde voraussichtlich zu einem späteresn Zeitpunkt noch mal einen Versuch starten.

 

 

 

 

 

Gelesen im August 2019

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Caroline Rosales: Sexuell verfügbar. Ullstein 2019. – Ein feministisches, autobiografisches Bild einer ganzen Generation. Wunderbar geschrieben mit vielen klugen Gedanken, Impulsen und Wutmomenten!

Hélène Delforge und Quentin Gréban: Mama. Ars Edition 2019. – In einer der beiden kleinen Buchhandlungen in Worpswede bin ich über dieses unglaublich berührende und mit einfühlsam-lebendigen Aquarellen illustrierte Bilderbuch gestolpert, das mich (in meinem starken Mama-Gefühl) gleich so sehr rührte, dass ich es sofort besitzen wollte. Was ist Muttersein? In Europa, Asien, Afrika, Amerika … alleinerziehend, mit Zwillingen, beruflich eingespannt …. die poetischen Texte zeigen Ausschnitte mitten aus dem Leben und sind mit so liebevollen, weichen, manchmal schmerzhaft erschöpften, glücklichen, zweifelnden, wütenden … Mütterdarstellungen treffgenau illustriert. Ich könnte derzeit jeden Tag hindurchblättern.

Kristen Roupenian: Cat Person. Blumenbar 2019. – Schmerzhaft berührende Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen und deren alltägliche Abgründe. Oft erst auf den zweiten Blick wirklich erfassbar. Einige davon trage ich auch Tage nach der Lektüre mit mir herum. Kein „schönes“ Buch, aber ein sehr gutes.

J.K. Rowling: Harry Potter und der Stein der Weisen. Carlsen 2018. – Nach etwa 20 Jahren lese ich Harry Potter ein zweites Mal, in den schönen Jubiläumsausgaben. Es macht Spaß!

J.K. Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Carlsen 2018.

 

Gelesen im Juli 2019

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Öffentliche Bibliothek in Amsterdam

Chimanda Ngozi Adichie: Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories. S. Fischer Verlag 2016. – Ein dünnes Bändchen mit schwergewichtigem Inhalt. Oberflächlich sind es autobiografische Alltagsbeschreibungen und -begegnungen mit Frauen – Müttern, Tanten, Kindern … , die bei genauerem Hinsehen von zutiefst menschlichen Gefühlen durchdrungen und oft schockierend sind.

Maria Sveland: Immer noch Bitterfotze. Kiepenheuer & Witsch 2019. – Die Fortsetzung von Bitterfotze. Es ist etwa zehn Jahre später und inzwischen sind Sara und Johan geschieden. Die inzwischen drei Kinder leben im Wechselmodell und wechseln wochenweise zwischen den elterlichen Wohnungen hin und her. Sara hat ein sicheres Netz aus Freundinnen – jungen, alten, Singles, Verheirateten, Müttern, Nicht-Müttern, Heteros, Homos … -, das sie hält. Und sir ordnet ihr Leben neu: zwischen dem obligatorischen schlechten Gewissen, das Müttern gesellschaftlich aufgedrückt wird, wenn sie sich und ihre Bedürfnisse priorisieren, der Sehnsucht nach einer heilen Familie und einer Konstruktion aus verschiedenen Liebhabern, der Arbeit als freiberufliche Journalistin und dem sommerlichen Leben in Stockholm. Mir hat es ausgesprochen gut gefallen.

Sabine Rennefanz: Mutter to go. Zwischen Baby und Beruf. btb Verlag 2019. – Eine Bestandsaufnahme der frischgebackenen Mütter in der heutigen Zeit.

Gelesen im Juni 2019

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Alexa Hennig von Lange & Marcus Jauer: Stresst ihr noch oder liebt ihr schon. Gütersloher Verlagshaus, 2016. – Ein liebevoll ehrlicher Blick auf die Beziehung und die gelingende Patchwork-Familie der Autorin Alexa Hennig von Lange und des Journalisten Marcus Jauer. Kurzweilig geschrieben und sehr inspirierend.

Kein Monat mit Zeit zum Lesen. Stattdessen gab es viele durchgearbeitete Nächte.

Gelesen im Mai 2019

Women in battle - Rebellische Frauen

Gunda Windmüller: Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht. Eine Streitschrift. Rowohlt 2019.

Ich bin so unfassbar begeistert von diesem klugen, sprachlich herausragenden und einfach nur großartigen Buch der fabelhaften Gunda Windmüller, dass ich es nur schwer ausdrücken kann! – Und es passt auch prima zu meinem Kopfkissen. – Aber ganz im Ernst: Gunda benennt und beleuchtet die Strukturen, Rollen, Klischees und Lebensrealitäten, in denen wir alle (Frauen wie Männer!) feststecken und an denen wir Frauen uns messen. Ihr Blick ist dabei klar – sezierend, möchte ich fast sagen -, aufschlüsselnd soziologisch-historisch-psychologisch-literarisch … gleichzeitig sehr lebensnah und sprachlich so lebendig und fließend, dass ich möchte, dass das Buch niemals zu Ende ist.
Mit der Titelformulierung und dem Klappentext hingegen kann ich mich nicht anfreunden (oder ich versteh den Humor nicht): Er schreit nach Ratgeberregal und nach Bridget Jones (gegen die ich bekanntlich nichts habe, und die Gunda auch als Klischee mehrfach zitiert), aber hat für mich mit dem tatsächlichen Inhalt des Buches nur sehr marginal zu tun und wird ihm auch nicht gerecht.

Marta Breen (Text), Jenny Jordahl (Illustration): Women In Battle – Rebellische Frauen. 150 Jahre Kampf für Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit. Elisabeth Sandmann Verlag 2019.

Eine kraftvolle Graphic Novel, die den Wandel der Rechte der Frau vom 19. Jahrhundert bis heute zeigt – und den gab es nur, weil sich mutige und unerschrockene Frauen zusammentaten und für die Rechte der Frauen kämpften und immer noch kämpfen. Aus einer Situation der materiellen und sozialen Abhängigkeit und der politischen Unmündigkeit in ein selbstbestimmtes Leben mit politischer Stimme, mit der Freiheit, das eigene Leben selbst zu gestalten und zu lieben, wen man möchte. All das, was (uns) jungen Frauen heute so selbstverständlich ist, sind im Grunde noch ganz junge Errungenschaften. Das Buch halte ich für Frauen wie Männer, Alte wie (ganz) Junge für eine sehr gute Sache!

Louisa Dellert: Mein Herz schlägt grün. Weltverbessern für Anfänger. Komplettmedia 2018.

Schön gestalteter Ratgeber mit vielen praktisch schnell umsetzbaren Tipps und Rezepten sowie Hintergrundinformationen. Bei vielem kratzt er natürlich an der Oberfläche, aber animiert zum Weiterlesen Mich hat am meisten „beeindruckt“ (im negativen Sinne), dass einen SUV zu fahren noch umweltschädlicher ist als für dieselbe Strecke ein Flugzeug zu benutzen.

Barbara Berckhan: Genug geschuftet! Wie Sie weniger tun und mehr erreichen. Scorpio Verlag 2016.

Alexa von Heyden: Meine Sonne. Mein Mond. Meine Sterne. Das Leben nach der großen Liebe. Eden Books 2014.

Patti Smith: Hingabe. Kiepenheuer & Witsch 2019.

Eine kleine feine Sammlung von typischen Patti-Smith-Texten. Essayistisch, lyrisch, autobiografisch, beschreibend, die Einblick in ihre Welt und ihre kreative Arbeit geben.  Leider ist das Büchlein für den Preis sehr dünn geraten. Man merkt, dass hier „Seiten geschunden“ wurden (sehr viele Fotos von handschriftlichen Notizen, Kapiteleinstiegsseiten, drei einseitig bedruckte Werbeseiten usw.)

 

Gelesen im April 2019

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Sarah Kuttner: Kurt. S. Fischer, 2019. – Ich bin in dieses Buch, in diese unglaubliche Sprache eines Nachts um 1:30 Uhr hineingefallen und konnte kaum wieder auftauchen. Ich habe es ganz wie in alten Zeiten innerhalb von knapp 24 Stunden durchgesuchtet – im Alltag mit Kleinkind ist das wirklich eine Kunst! Ich gebe zu, dass ich erst unsicher war, ob ich das Thema aushalte. Als Mutter ist man ja plötzlich um ein Vielfaches dünnhäutiger und kämpft schon mit den Tränen bei rührseligen Werbespots usw. Schließlich geht es in „Kurt“ darum, dass ein Kind stirbt. Ja, es geht um den Tod des kleinen Kurt. Zurück bleiben der große Kurt, dessen Freundin und Ich-Erzählerin Lena sowie Kurts Mutter Jana und eine große dunkle Wolke aus Schmerz, Hilflosigkeit, Einsamkeit und Leere. Was tun mit diesem Leben, das in der brandenburgischen Pampa extra auf die Wechselmodell-Patchworkfamilie ausgerichtet wurde?! Wie können die Erwachsenen diese Lücke aushalten? Was macht der Tod des Protagonisten mit denen, die ihr Leben um ihn gestrickt haben? Einfühlsam, klug, berührend und mit vielen Sätzen, die man einfach nur anstreichen und sich eintätowieren lassen möchte, ist Sarah Kuttner hier ein Buch gelungen, dass ich einfach nur weiterempfehlen kann! Mehr gibt es nicht zu sagen.

Isabelle Lehn: Frühlingserwachen. S. Fischer, 2019. – Ein dramaturgisch geschickt gestrickter Roman der Schriftstellerin Isabelle Lehn über die Schriftstellerin Isabelle Lehn. Darüber, dass ihr Leben gut ist, solange sie es nicht daran misst, wie sie es sich vorgestellt hat. – sagt der Klappentext. Nur eine von vielen Passagen, wo Fiktion und Realität nicht zu unterscheiden sind. Isabelle Lehn schreibt über Erwartungen, über einen Kinderwunsch, der noch nicht weiß, welches Gewicht er hat, über Liebe, Sehnsucht, Verlust, Hoffnung und immer wieder über das Scheitern – an sich selbst, am Leben und dem großen Warum. Selten habe ich mich von einem Buch so verstanden und umarmt, darin so Zuhause gefühlt.