Hörgeschichte: Kalle und Opa machen Unordnung

Hier könnt ihr euch die Geschichte anhören: Katia Simon · Kalle und Opa machen Unordnung

Gelesen im Mai 2021

Mareice Kaiser: Das Unwohlsein der modernen Mutter. Rowohlt Polaris, 2021.

Bedrückend und auf den Punkt. Die meisten Dinge, kannte und wusste ich schon. Dennoch: Mareice Kaisers Blick auf die Situation der Mütter bringt mit seiner Messerschärfe viele Aspekte noch ein deutlicher ans Licht und es gelingt ihr ein Solidaritäts- und Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Große Leseempfehlung von mir: nicht nur für Mütter. Vielleicht gerade für die anderen, um verständlicher zu machen, was uns so umtreibt.

Nina Kunz: Ich denk, ich denk zu viel. Kein und Aber, 2021.

Die Titelformulierung hatte mich schon überzeugt, die Klappentexte auf der U4 haben das nur unterstrichen. Auch ich grüble viel und denke nach und das zu den verschiedensten Themen. Deshalb haben mich die Gedankenschnipsel, Stories und essayartigen Texte tief im Herzen erreicht und berührt. Die Geschichten haben mich inspiriert, mich dazu gebracht, heftig zu nicken, auch mal kräftig zu schlucken oder zu lachen.

Peter Hunt: Die Erfindung von Alice im Wunderland. Wie alles begann. wbg/Theiss, 2021.

„Alice’s Adventures Under ground“ – ein handgeschriebenes und illustriertes Buch war es, in dem sich das Mädchen Alice sich selbst dargestellt wiederfand. Es war der Beginn des großen Kinderbucherfolgs „Alice im Wunderland“. Der Autor Charles Lutwidge Dodgson , der unter seinem Künstlernamen Lewis Caroll bekannt wurde, war eigentlich Mathematiker. Er ließ sich für die Protagonistin inspirieren von der Tochter eines Kollegen: Alice Liddel. Die Entstehungsgeschichte ist komplex, so schreibt Peter Hunt. Es blieben einige Leerstellen und vieles im Dunkeln. Fest steht: Es handelt sich um einen so komplexen und dichten Text voller Witz, Anspielungen in jedem Satz, dass er auch über 150 Jahre nach seinem Erscheinen Erwachsene und Kinder fasziniert. Peter Hunts Buch ermöglicht einen Einblick in die (Entstehungs-)Geschichte des Buches. Viele Fotos, Zeichnungen, Anekdoten und spannendes Hintergrundwissen haben mich begeistert darin schmökern lassen. #Leseexemplar

Kalle und sein Opa

Die Geschichten um Kalle und seinen Opa waren eines Tages plötzlich in meinem Kopf und mussten auf Papier. Kalle und sein Opa erleben kleine Alltagsabenteuer und stehen dabei vor so mancher Herausforderung. Mit dabei ist immer Opas Hund Fritzi. Eigentlich sollten es noch viele mehr werden.

Ich schickte die Geschichten auf die Reise in verschiedene Verlage. Sie lagen auf einigen Schreibtischen und wanderten durch Programmkonferenzen. Mehrmals hieß es: „Die wollen wir machen!“ Am Ende wurde dann doch nichts daraus. Dann lagen sie in meiner virtueller Schublade. Eine Kalle-Geschichte schenkte ich dem Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur zum 40. Jubiläum für die Jubiläumsbroschüre.

Und nun hat die Sprecherin Silke Schorra die Geschichten eingesprochen und wir haben uns Folgendes überlegt: An jedem Sonntag im Juni kommt am Sonntag zur besten Langes-Frühstück-Zeit – um 10 Uhr – eine neue Geschichte zum Anhören mit der ganzen Familie hier auf dem Blog online. Viel Spaß beim Anhören!

Gelesen im April 2021

Rachel Cusk: Danach. Über Ehe und Trennung. Übersetzt von Eva Bonné, Suhrkamp, 2020.
Eine autobiografisch gefärbte, literarische Verarbeitung vom Auseinanderbrechen einer Beziehung mit Kindern.

Melodie Michelberger: Body Politics. Rowohlt, 2021.
Melodie Michelberger ist in meinem Alter. Ihre Sozialisation unterscheidet sich in vielen Punkten, aber in mindestens genauso vielen Aspekten ihres Adoleszenzerlebens fand ich mich wieder. Eine schmerzhafte Analyse, eine autobiografische Beschreibung vom Umgang mit dem eigenen Körper und vor allem der Wahrnehmung dessen. Von Fremdurteilen, Bodyshaming, gesellschaftlichem Druck und dem Gefühl, nicht genug zu sein – mit einem versöhnlichen Ende.

Jutta Allmendinger: Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen. Ullstein, 2021.
Von der ersten Seite an habe ich mich von der bildhaften, Sprache dieses autobiografischen, soziologischen, politischen und vor allem scharfsinnigen Buches umarmen lassen. Es ist eine Analyse der Lebens- und Arbeitssituation von Familien über die letzten hundert Jahre hinweg mit Blick auf Veränderungen, Hintergründe und auch mit Ausblicken und Optionen. Unheimlich klug, unaufgeregt und unfassbar sympathisch.

Gelesen im März 2021

Sophie Passmann: Komplett Gänsehaut. Kiepenheuer & Witsch 2021. – Ein unterhaltsames Generationenportät mit vielen entlarvenden Momenten. Auch wenn ich fast 15 Jahre älter als Passmann bin, finde ich mich in Teilen wieder.

Daniel Schreiber: Susan Sontag. Geist und Glamour. Aufbau Verlag 2007. – Noch eine mitgeschleppte Lektüre aus dem Dezember. (Die letzten Seiten waren hartnäckig.) Eine wahnsinnig tolle Biografie über die amerikanische Intellektuelle Susan Sontag. Eine umfassende und tiefgehende Einführung in Sontags Leben und Werk. Unglaublich beeindruckend – beides. Eingestiegen war ich im Dezember mit „Sempre Susan“ von Sigrid Nunez und hatte mich dann begleitend durch „Wie wir jetzt leben“ und einige Essaybände gelesen bis dann diese Biografie folgte.

Lann Hornscheidt & Ja’n Sammla: Wie schreibe ich divers? Wie spreche ich gendergerecht? Ein Praxis-Handbuch zu Gender und Sprache. w_orten & meer, 2021. – Ein Handbuch, das sich auf die Fahne geschrieben hat, zu ermutigen und zu inspirieren, respektvoll und inklusiv miteinander zu kommunizieren. Ein gestalterisch wahnsinnig schönes und inhaltlich sehr spannend! Vor allem der Ansatz, genderfrei zu formulieren hat mich interessiert. Denn dieses Buch legt den Fokus auf die Personenstandskategorie divers. Eine kurz pointierte Einführung holt alle uns ab und liefert viel Hintergrundwissen. Über Gender, über die rechtliche Situation der Personenstandskategorien, über Sprache und über Diskriminierung. Es folgen klug aufgebaute Übersichten und Tabellen, die Vergleiche zwischen Sprachformen ermöglichen, genderinklusive Sprachveränderungen erläutern und immer wieder Alternativen aufzeigen. Genderfreie Formen werden vorgestellt und erläutert. Besonders hilfreich finde ich die praxisorientierten Kapitel über Alltagskommunikation, über berufliche und offizielle Kommunikation und die vielen Beispiele genderfrei, genderdivers und genderinklusiv zu formulieren. – Ich habe mich sehr gefreut, dass ich ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Joni Sager: Der Frauenatlas. Ungleichheit verstehen – 164 Infografiken und Zahlen. Übersetzt von Renate Weitbrecht und Gabriele Würdiger. Hanser Verlag 2020. – Von Lebenserwartung über Brustkrebsrisiko, Abtreibungsquoten, Bildungschancen bis hin zu Wahlrecht, Militärdienst und noch viel weiter sprechen hier klare Zahlen über die aktuelle Situation von Frauen auf der ganzen Welt. Sehr interessant, oft entmutigend, aber auch ermutigend.

Tove Ditlevsen: Jugend. Zweiter Teil der Kopenhagen-Trilogie. Übersetzt von Ursel Allenstein, Aufbau-Verlag 2021. – Auch der zweite Band der autobiografischen Trilogie hat mich durch die schnörkellose Sprache gleich in seinen Bann gezogen.

Tove Ditlevsen: Abhängigkeit. Dritter Teil der Kopenhagen-Trilogie. Übersetzt von Ursel Allenstein, Aufbau-Verlag 2021. – Ein überraschender Abschluss der Trilogie. Heftig und schmerzhaft – ähnlich wie der erste Band. Erzählerisch großartig mit einer starken Sogwirkung,

Gelesen im Februar 2021

Tove Ditlevsen: Kindheit. Übersetzt von Ursel Allenstein, Aufbau-Verlag, 2021.
In der Badewanne hatte ich es angefangen und fast gleich ausgelesen. Eine autobiografische Erinnerung aus dem Arbeitermilieu Kopenhagens vor etwa hundert Jahren. Detailreich und berührend. Ich fühle mich auf eine Weise an Irmgard Keuns „Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“ erinnert, über das ich vor Ewigkeiten meine Magisterarbeit geschrieben habe. Ich kann gar nicht recht greifen, weshalb. Berührend ist es, mit einer sehr widrigen Lebenswelt.

Liv Strömquist: I’m every woman. Übersetzt von Katharina Erben, Avant Verlag, 2019.
Eine kluge Graphic Novel über den Mythos des männlichen Genies und wie die Frauen dabei wegkommen. Liv Strömqvist ist witzig, pointiert und legt ihren Finger genau dorthin, wo es wehtut.

Liv Strömquist: Ich fühl’s nicht. Übersetzt von Katharina Erben, Avant Verlag, 2020.
Zum zweiten Mal gelesen: Eine messerscharfe Graphic Novel über die Liebe und die Möglichkeiten, sie von den konsumgesellschaftlichen Zwängen zu befreien. Großartig und schmerzhaft.

Gelesen im Januar 2021

Jacinta Nandi: Die schlechteste Hausfrau der Welt. Nautilus Flugschrift 2021. – Die taz- und Missy-Kolumnistin hat selbstreflektierte, ungeschönt ehrliche Texte über Paarbeziehungen, Haushaltsstruggle und Mutterschaft geschrieben.

PATU/ Antje Schrupp: Kleine Geschichte des Feminismus um euro-amerikanischen Kontext. UNRAST-Verlag 2019. – Eine kurzweilige, unterhaltsame, wahnsinnig dichte und informative Graphic Novel, die auf 85 Seiten mal eben einen Abriss des Feminismus in Europa und in Amerika abliefert. Anhand von zentralen Ereignissen und Personen werden die Wellen des Feminismus, die Wege dorthin und die Veränderungen über die Zeit vermittelt. Ich finde ja, dieses Buch sollte jede*r lesen.

Gelesen im Dezember 2020

Glennon Doyle: Ungezähmt. Übersetzt von Sabine Längsfeld. Rowohlt, 2020.
Eine Inspiration zur Reflexion, ein Mutmacher, das eigene Leben auf den Kopf zu stellen und Glaubenssätze zu hinterfragen. Ein Buch, das Lust macht, aufzubrechen.

Sigrid Nunez: Sempre Susan. Übersetzt von Anette Grube. Erinnerungen an Susan Sontag. Aufbau, 2020.
Sigrid Nunez lebte Mitte der 1970er-Jahre einige Zeit mit Susan und deren Sohn David zusammen. Vor allem über diese Zeit schreibt sie in kurzweiligen Episoden und Anekdoten über Susan Sontag und gestaltet so ein authentisches und nahes, manchmal kontradiktisches Bild der Autorin. 120 kurze Seiten, die auf der Zunge zergehen wie Nougatschokolade. Ich habe Lust bekommen, mehr von Sigrid Nunez zu lesen.

Kea von Garnier: Die Vögel singen auch bei Regen. Das Leben lieben trotz psychischer Erkrankungen. Eden Books, 2020.

Susan Sontag: Wie wir jetzt leben. Carl Hanser Verlag, 2020.

Gelesen im November 2020

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Heidemarie Brosche: Und trotzdem habe ich dich immer lieb. illustriert von Jana Moskito. mgv Verlag, 2020.

Eltern schimpfen manchmal, Eltern schreien ab und an. Eltern sorgen sich und sie sind auch mal genervt. – Haben die mich überhaupt noch lieb? Das fragt sich auch der kleine Biber, der beim Spielen die Zeit vergisst und viel zu spät nach Hause kommt, wo ihn die schimpfende Biber-Mama erwartet. Gemeinsam lösen sie die Situation. Sie sprechen über alle möglichen Situationen, die dicke Luft zwischen den beiden verursachen, über die Ängste des Biber-Kindes und (kindgerecht) auch über die Sorgen und Reaktionen der Biber-Mama. So verstehen die beiden einander ein bisschen besser, kommen sich noch näher und der kleine Biber lernt, dass er trotzdem immer lieb gehabt wird. Ein tolles Bilderbuch für Kinder ab 3, das zur gemeinsamen Reflexion anregt und für Verständnis auf beiden Seiten wirbt. Die sanften und detailreichen Illustrationen von Jana Moskito fangen die besondere Stimmung zwischen Biber-Kind und Biber-Mama toll ein.

Linus Giese: Ich bin Linus. Rowohlt, 2020.

Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war. Rowohlt Polaris 2020. – Ein sehr offenes, ergreifendes und berührendes Buch über den trans Mann Linus, der wie ich in der Buchbranche zuhause ist. Ein lehrreiches Buch, das zum Nachdenken anregt, und lange nachhallt.

Heidemarie Brosche: Schuhhimmel mit Turbulenzen. 26 books, 2020.

Ein geschickt komponierter Roman aus drei verschiedenen Perspektiven mit Überkreuzungen, Verschachtelungen und Begegnungen. Ansonsten: eine ganz besondere Schuhboutique mit ausgefallenem und sorgsam kuratiertem Sortiment, zwei junge Beziehungen und eine gereifte sowie mehrere Freundschaften in verschiedenen Stadien und eine gute Portion Humor. Nicht zu vergessen, den heimlichen Star des Covers und auch wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Story: der Dackel Tilo. Diese Mischung macht viel Freude und hat mir ein bisschen Leichtigkeit und Licht in einen dunklen November gebracht. Ein richtiger Schmöker zum schnell „Durchsuchten“.

Laura Miller (Hg.): Wonderlands. Die fantastischen Welten von Lewis Caroll, j. K. Rowling, Stephen King, J. R. R Tolkien, Haruki Murakami u.v.a. Aus dem Englischenvon Hanne Henninger, Susanne Kolbert und Madeleine Kaiser. wbg Theiss, 2020.

Man könnte sagen eine Geschichte der fantastischen Literatur in hundert Essays, von Homer bis Salman Rushdie. Oder: ein Bilderbuch mit vielen Informationen für alle, die Geschichte mögen, die in erfundenen Welten spielen. In fünf chronologisch strukturierten Kapiteln blättert man hier vorbei an Autor*innenfotos, fiktiven Karten, Handschriften, Fotos, Zeichnungen, erfährt etwas über die Autor*innen, über die Entstehungsgeschichte der Bücher, die Einordnung in die Zeit und eine knappe Zusammenfassung des Inhalts. Gullivers Reisen, Alice im Wunderland, die Mumins, Fahrenheit 451, 1984, Der kleine Prinz, Tintenherz … beim Blättern und bin ich immer wieder alten Bekannten begegnet, habe mich festgelesen, wieder erinnert und Neues erfahren. #leseexemplar