Gelesen im August 2020

 

Michaela Karl: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“. Drothy Parker – Eine Biografie. btb Verlag 2015. – Eine rasante Biografie eines noch rasanteren Lebens. Die Autorin, Buch- und Theaterrezensentin sowie Kolumnistin Dorothy Parker war waschechter New Yorkerin und eine Ikone der 1920er-Jahre. Scharfer Sinn, scharfe Zunge, Kreativität, viel Alkohol und Geselligkeit prägten ihr Leben.

Elizabeth Gilbert: City of Girls. S. Fischer, 2020. – New York, die 40-er Jahre, ein heruntergekommenes Revue-Theater, ein Mädchen vom Land, das Leben … mit unglaublichem Sog und einer spannenden Story habe ich „City of Girls“ in wenigen Tagen weggesuchtet. So ein spannendes, inspirierendes und überraschendes Buch!

 

Gelesen im Juli 2020

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Fantastic Stories für fearless Girls. Nacherzählt von Anita Ganeri, illustriert von Khoa Le. Ullmann Medien, 2020. – Abenteuerliche und Mut machende Geschichtenklassiker aus aller Welt, in denen es um Mädchen und Frauen geht. Die Illustrationen sind so wunderschön, dass ich am liebsten jede zweite Seite rausreißen würde, um damit unsere Wohnzimmerwand zu tapezieren … #Leseexemplar

Mirna Funk: Winternähe. Fischer Taschenbuch, 2015. – Rasanter Roman einer Jüdin der „Dritten Generation“ über eine Protagonistin, die sich mit ihrer Herkunft, ihren Wurzeln und dem aktuellen Leben als Jüdin in Deutschland auseinandersetzt.

Valentine Gianella: Mein Name ist Greta. Das Manifest einer neuen Generation. Illustriert von Manuela Marazzi, übersetzt von Claudia Koch und Kathrin Lichtenberg. Midas Verlag, 2019. – Eigentlich ein Buch für Jugendliche geschrieben, aber auch für Erwachsene gefüllt mit vielen tollen Anstößen. Kompakt zusammengestellte Hintergrundinfos zum Thema „Klimawandel“, verbunden mit einem positiven Blick in die Zukunft: Was kann jede einzelne Person gegen den Klimawandel tun? Und wie können sich die Länder präventiv verhalten, um mit den Klimaveränderungen umzugehen? Ein Mut machendes Buch, das Anstöße dazu gibt, selbst, im Kleinen, ins Handeln zu kommen.  #Leseexemplar

Heidemarie Brosche: Hätte ich netter schimpfen sollen? Wie eine wertschätzende Erziehung gelingen kann. mgv Verlag, 2020. – Das Buch ist ein Erziehungsratgeber, der erfrischenderweise keine Ratschläge gibt. Mit viel Herzenswärme, Lebenserfahrung, Fachkompetenz, Neugierde und nicht zuletzt mit Wertschätzung und Verständnis wirft Heidemarie Brosche einen Rundumblick auf Kindererziehung (historisch, aktuell, kontextuell usw.) und auf die Herausforderungen, die damit einhergehen. Statt Rezepten und Anleitungen für konkrete Situationen bekommt man hier praktische Anregungen zur Reflexion und zum Perspektivwechsel. Das hat mir geholfen, individuelle Lösungen für Situationen zu finden. Besonders gut gefallen haben mir die O-Töne (von denen ich auch einige beisteuern durfte), die Einblicke in die Sichtweisen von Eltern und Noch-nicht-Eltern geben. Andere Lebenssituationen, unterschiedliche kulturelle Herkunft und die sehr verschiedenen Lebenssituationen haben meinen Blick weit gemacht. Links und rechts zu schauen, ist doch ab und an sinnvoll.
Eltern, die sich manchmal gebeutelt fühlen, tut das Verständnis dafür, dass Kinderhaben einfach eine Achterbahn ist, wahnsinnig gut, genau wie der ermunternde Blick nach vorn. Ich bin mit dem sechsten Kapitel in die Lektüre eingestiegen. Die kleine Anleitung am Anfang des Buches habe ich deshalb erst spät entdeckt. Erst dann habe ich gelesen, dass Heidemarie Brosche dieses Kapitel den Eltern als Erstes ans Herz legt, die das Gefühl haben, den eigenen Ansprüchen (mal wieder) nicht zu genügen. Hachja … ertappt! Beim Querblättern im Buch bin ich wegen der vielen Zwischenüberschriften und Schlagworte immer wieder bei einzelnen Passagen hängengeblieben und habe mal hier mal da gelesen, wo ich mich angesprochen gefühlt habe. Das kann ich sehr empfehlen!

 

Gelesen im Januar 2020

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Sally Rooney: Gespräche mit Freunden. übersetzt von Zoe Beck. Luchterhand 2019. | Zutiefst (Zwischen-)Menschliches. Die Suche nach Liebe, der Wunsch nach Anerkennung und Zuwendung. Härte und Hintergehen. Unehrlichkeit, Geheimisse. Freundschaft. Heuchelei.

Rachel Cusk: Lebenswerk. Über das Mutterwerden. übersetzt von Eva Bonné. Suhrkamp 2019. | Ein echter, authentischer, aber auch sehr literarischer Einblick in die Gefühle rund um das Mutterwerden und Muttersein. Ohne Euphemismen. Besonders reizvoll fand ich die Lektüre anschließend an Rachel Cusks andere Bücher, z. B. Transit.

Miralda Colombo: Helden-Atlas. 101 Frauen und Männer, die die Welt verändert haben. Illustriert von Ilaria Faccioli, übersetzt von Dr. Ulrike Schimming und Eva Baumgart-Catania. Midas Verlag 2019. | Rezensionsexemplar | Der Helden-Atlas ist ein wunderschönes Bilderbuch im Großformat mit farbenfrohen, tollen Illustrationen und vielen kurzweiligen und unterhaltsamen Textschnipseln (Ich bin …, Mein Motto, Meine Geschichte) über 101 bedeutenden Personen der Weltgeschichte. Die Titelformulierung finde ich etwas naja … Es drängt sich die Frage auf, was denn überhaupt Helden sind, und ob wirklich alle vorgestellten Personen diesen Kriterien entsprechen … Aber das mal beiseite gelassen ist es ein richtig schönes Schmökerbuch für Kinder ab dem Vorschulalter bis zur weiterführenden Schule und auch als Erwachsene*r lernt man noch eine Menge! Und auch die Dreieinhalbjährige hat schon viel Spaß an dem Buch. Frida Kahlo hat sie gleich erkannt (siehe oben).
Der Inhalt ist strukturiert in sechs Kapitel: Künstler, Genies, Schriftsteller, Vordenker, Mutige und Visionäre. Als Auftakt der Kapitel gibt es immer eine Weltkarte mit Porträts, auf der sich ablesen lässt, woher die Porträtierten stammen. Richtig gut gefällt mir, wie viele Frauen hier proträtiert werden! – Auch wenn das eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Tupoka Ogette: exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen. Unrast Verlag 2019. | Eine absolute Leseempfehlung! Rassismus ist kein Einzelfall. Rassismus ist gesellschaftlich und anerzogen. Ihn zu sehen und sich bewusst und sensibel dagegen zu positionieren ist eine große Herausforderung. Wer will schon gern rassistisch handeln? Dass wir alle es viel zu oft tun, weiß man spätestens nach der Lektüre dieses Buches. Mit vielen Weiterlese- und Video-Tipps.

 

 

 

Gelesen im Dezember 2019

Emma: The Mental Load. A Feministic Comic. Seven Stories, 2017. – Leicht zugängliche Lektüre zu einem schwergewichtigen Thema, die in reduzierten Comicstrips unseren Alltag spiegelt und entlarvt. Was bedeutet 50:50-Aufteilung zwischen Mann und Frau wirklich? Wie erleben Frauen den Spagat zwischen Job und Familie? Und wie geht es den Männern? Althergebrachte Muster kommen auf den Prüfstand. Neben Mental Load werden in den Comics Themen wie Diskriminierung, Rassismus, Gaslighting, Gewalt unter der Geburt usw. aufgegriffen. Große Leseempfehlung – vor allem an die, die meinen, das Buch nicht lesen zu müssen …

Cornelia Scheel: Mildred Scheel. Erinnerungen an meine Mutter. Rowohlt, 2015. – Interessanter biografischer Einblick in das spannende Leben der Ärztin, Alleinerziehenden, Begründerin der Deutschen Krebshilfe und Frau des Bundespräsidenten Walter Scheel.

Christina Horsten und Felix Zeltner: Stadtnomaden. Wie wir in New York eine Wohnung suchten und ein neues Leben fanden. Benevento Verlag, 2019. #Leseexemplar – Ein Journalistenpaar mit kleiner Tochter in New York verliert durch eine Mieterhöhung seine Wohnung und entschließt sich spontan zu einem Projekt, das sie in Buchform dokumentieren: 12 Monate und 12 verschiedene Wohnungen in 12 verschiedenen Vierteln von Big Apple. Was als fixe Idee beginnt wird zu einer spannenden, manchmal aufreibenden Reise voller Überraschungen. Über Craigstlist, AirbnB und Mundpropaganda gelingt es Christina und Felix immer wieder eine Wohnung zur Zwischenmiete zu organisieren. Sie installieren jeweils ein Neighborhood Dinner, zu dem sie interessante Personen, Zufallsbekanntschaften und Netzwerkkontakte aus der Gegend einladen. Eine gut geschriebene, spannende und ehrliche Lektüre, finde ich. Überraschende Insights, interessante Lebenswege, unfassbar hohe Mieten für zum Teil beklemmend winzigen Wohnraum und bewegende Begegnungen.

 

 

Gelesen im November 2019

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Gabriela Kasperski: Einfach Yeshi. Auf der Suche nach Turnschuhen und einer neuen Heimat. Arisverlag, 2019. – Rezensionsexemplar – Ein rasanter, fantasievoller und ein bisschen verrückter Kinderroman, der viele Themen aufgreift: Rassismuss, Geflüchtete, Trennung der Eltern, Freundschaft usw. Yeshi ist ein kreatives und herzliches Mädchen, voller verrükter Einfälle, das mutig und unerschrocken in ein großes Chaos gerät, bei dem sie alle und alles in Aufruhr versetzt. Ein rasantes Buch, das Spaß macht, zu lesen.

Madeleine Alizadeh/dariadaria: Starkes weiches Herz. Ullstein, 2019.

Jonathan Safran Foer: Hier bin ich. Kiepenheuer & Witsch, 2016. – Fesselnder vielschichtiger, dichter Roman über eine Trennung, eine Familienkrise, über Religion … Im zweiten Anlauf erst habe ich den Einstieg geschafft. Ich tat mich auch dieses Mal auf den ersten Seiten schwer und war dann aber voll eingesogen in die Sprache und die Detailbeschreibungen.

Toni Morrison: Gnade. Rowohlt, 2011. – Im Rahmen eines Online-Lesekreises ist dieser Titel auf meiner Leseliste gelandet. Am Anfang hatte ich ordentlich zu kämpfen, um reinzukommen und dann hat es mich auf S. 30 ca. richtig gepackt. Die Lektüre ist nicht ohne und das Lesen war oft schmerzhaft. Die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt und setzt sich wie ein (psychologisches) Gesamtbild aus Rückblicken und Handlung zusammen. Sie spielt Ende des 17. Jahrhundert in Amerika. Ungeschönt und schmerzhaft brutal. Es geht um Themen wie Rassismus, Sexismus, Sklaverei, Unterdrückung, Gewalt – psychisch und sexuell – … Die Lektüre empfand ich als brutal und schmerzhaft – aber unfassbar wichtig.

Alexa Hennig von Lange: Kampfsterne. Dumont, 2018. – Als kleine, leichte Zwischenlektüre gedacht, zog mich Kampfsterne schnell in die bedrückend-schmerzhafte Welt der kleinen Siedlung voller Einfamilienhäuser. Aus Versatzstücken vieler Perspektiven setzt sich ein Mosaik zusammen, das ein Abbild der Menschen ist, die dort leben. Junge wie Alte. Männer wie Frauen. Gerade die unterschiedlichen Perspektiven auf dieselben Situationen, Vorkommnisse und Beziehungen, macht das Buch so reizvoll. Kleine Dramen, das oft beschriebene eigene Päckchen, das ein jeder mit sich trägt, viele Verletzungen, Eigenarten und Gefühle jeglicher Coleur lassen es richtig brodeln. Ich fühle mich strukturell ein bisschen an Juli Zehs Unterleuten erinnert.

Gelesen im Oktober 2019

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Herbstlese

J. K. Rowling: Harry Potter und der Feuerkelch. Übersetzt von Klaus Fritz, Carlsen 2000.

Dagny Juel: Flügel in Flammen. Gesammelte Werke. Aus dem Norwegischen und mit einem Essay von Lary Brandt. Weidle Verlag, 2019. – Wenn die Wartezeit nicht lang genug dauern kann … Ich wollte nicht den schweren „Harry Potter und der Orden des Phönix“ mit ins Wartezimmer schleppen und habe willkürlich nach einem dünnen Buch im SUB gegriffen. Ein Glücksgriff! Die fragmentarischen Texte der Norwegerin Dagny Juel, die schon vor knapp 120 Jahren starb, sind so aktuell, so klug, so eindrücklich, so emotional und messerscharf. „Radikal“ steht im Klappentext. Liebe, Schuld(-gefühle), Zweifel, Eifersucht, vernichtende Kraft … Ich bin entflammt!

J.K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix. Übersetzt von Klaus Fritz, Carlsen 2000.

 

 

Gelesen im September 2019

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Karen Köhler: Miroloi. Hanser, 2019. Ein schmerzvoller Roman, der mich mit einer unglaublichen Sogkraft gepackt hat. Auf einer fiktiven und ortlosen Insel (die man als Leser dennoch in Griechenland verortet) lebt eine in sich geschlossene Dorf-Gesellschaft mit eigenen Göttern, eigenen rückwärtgewandte Regeln, ohne Strom und ohne die Annehmlichkeiten moderner Technik. Aus Perspektive einer geduldeten Außenseiterin steigt der Leser in diese eigenartige Welt ein, entdeckt zahlreiche Parallelen zu historischen Ereignissen, leidet, hasst, liebt, ist fassungslos und vergießt vielleicht die ein oder andere Träne. In vielen Rezensionen verrissen, aus Gründen, die ich durchaus nachvollziehen kann, bin ich dennoch gefangen von diesem großartigen Buch und empfehle die Lektüre!

Mercé Rodoreda: Der Garten über dem Meer. Übersetzt von Kirsten Brandt, Berlin Verlag, 2016. – Das Buch habe ich mit „Marias Lesekreis“ auf Instagram gelesen, einem online Lesekreis, den die Berliner Buchhändlerin Maria Piwowarski gegründet hat. Der in den 1960ern geschriebene Roman der spanischen Schriftstellerin spielt in den 1920er-Jahren in einem Küstenort, nicht weit entfernt von Barcelona. Gemeinsam mit dem Ich-Erzähler, dem Gärtner eines herrschaftlichen Sommerhauses, beobachtet der Leser über sechs Sommer hinweg das Leben kleinen Kreis wohlhabender junger Menschen. Es werden Vergleiche mit der Welt des großen Gatsbys herangezogen. – Ich muss die Leseerfahrung noch sacken lassen. Die sanft dahinplätschernde Handlung (ist es überhaupt eine?), die leichten Verwicklungen und Mutmaßungen, die sanften Andeutungen, die verbergend-beobachtende, behutsame Sprache … So richtig hatte mich der Roman nicht gepackt, aber ich habe die leise Ahnung, dass er mich so schnell nicht wieder loslassen wird …

J. K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban. Übersetzt von Klaus Fritz, Carlsen Verlag 1999. – Der Herbst ist Harry-Potter-Lesezeit!

Tomas Espedal: Wider die Natur. Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel, Matthes & Seitz Berlin 2014.  – Zur Vorbereitung auf das diesjährige Buchmessen-Gastland Norwegen habe ich dieses Bich gelesen, das treffenderweise den Untertitel „Die Notizbücher“ trägt. Ich habe keinen rechten ZUgang gefunden zu diesen wohformulierten Worten. Vielleicht war es einfach dre falsche Zeitpunkt für mich, zu diesem Büchlein zu greifen. Ich lege es ins Regal und werde voraussichtlich zu einem späteresn Zeitpunkt noch mal einen Versuch starten.

 

 

 

 

 

Gelesen im August 2019

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Caroline Rosales: Sexuell verfügbar. Ullstein 2019. – Ein feministisches, autobiografisches Bild einer ganzen Generation. Wunderbar geschrieben mit vielen klugen Gedanken, Impulsen und Wutmomenten!

Hélène Delforge und Quentin Gréban: Mama. Ars Edition 2019. – In einer der beiden kleinen Buchhandlungen in Worpswede bin ich über dieses unglaublich berührende und mit einfühlsam-lebendigen Aquarellen illustrierte Bilderbuch gestolpert, das mich (in meinem starken Mama-Gefühl) gleich so sehr rührte, dass ich es sofort besitzen wollte. Was ist Muttersein? In Europa, Asien, Afrika, Amerika … alleinerziehend, mit Zwillingen, beruflich eingespannt …. die poetischen Texte zeigen Ausschnitte mitten aus dem Leben und sind mit so liebevollen, weichen, manchmal schmerzhaft erschöpften, glücklichen, zweifelnden, wütenden … Mütterdarstellungen treffgenau illustriert. Ich könnte derzeit jeden Tag hindurchblättern.

Kristen Roupenian: Cat Person. Blumenbar 2019. – Schmerzhaft berührende Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen und deren alltägliche Abgründe. Oft erst auf den zweiten Blick wirklich erfassbar. Einige davon trage ich auch Tage nach der Lektüre mit mir herum. Kein „schönes“ Buch, aber ein sehr gutes.

J.K. Rowling: Harry Potter und der Stein der Weisen. Carlsen 2018. – Nach etwa 20 Jahren lese ich Harry Potter ein zweites Mal, in den schönen Jubiläumsausgaben. Es macht Spaß!

J.K. Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Carlsen 2018.