Gelesen im März 2021

Sophie Passmann: Komplett Gänsehaut. Kiepenheuer & Witsch 2021. – Ein unterhaltsames Generationenportät mit vielen entlarvenden Momenten. Auch wenn ich fast 15 Jahre älter als Passmann bin, finde ich mich in Teilen wieder.

Daniel Schreiber: Susan Sontag. Geist und Glamour. Aufbau Verlag 2007. – Noch eine mitgeschleppte Lektüre aus dem Dezember. (Die letzten Seiten waren hartnäckig.) Eine wahnsinnig tolle Biografie über die amerikanische Intellektuelle Susan Sontag. Eine umfassende und tiefgehende Einführung in Sontags Leben und Werk. Unglaublich beeindruckend – beides. Eingestiegen war ich im Dezember mit „Sempre Susan“ von Sigrid Nunez und hatte mich dann begleitend durch „Wie wir jetzt leben“ und einige Essaybände gelesen bis dann diese Biografie folgte.

Lann Hornscheidt & Ja’n Sammla: Wie schreibe ich divers? Wie spreche ich gendergerecht? Ein Praxis-Handbuch zu Gender und Sprache. w_orten & meer, 2021. – Ein Handbuch, das sich auf die Fahne geschrieben hat, zu ermutigen und zu inspirieren, respektvoll und inklusiv miteinander zu kommunizieren. Ein gestalterisch wahnsinnig schönes und inhaltlich sehr spannend! Vor allem der Ansatz, genderfrei zu formulieren hat mich interessiert. Denn dieses Buch legt den Fokus auf die Personenstandskategorie divers. Eine kurz pointierte Einführung holt alle uns ab und liefert viel Hintergrundwissen. Über Gender, über die rechtliche Situation der Personenstandskategorien, über Sprache und über Diskriminierung. Es folgen klug aufgebaute Übersichten und Tabellen, die Vergleiche zwischen Sprachformen ermöglichen, genderinklusive Sprachveränderungen erläutern und immer wieder Alternativen aufzeigen. Genderfreie Formen werden vorgestellt und erläutert. Besonders hilfreich finde ich die praxisorientierten Kapitel über Alltagskommunikation, über berufliche und offizielle Kommunikation und die vielen Beispiele genderfrei, genderdivers und genderinklusiv zu formulieren. – Ich habe mich sehr gefreut, dass ich ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Joni Sager: Der Frauenatlas. Ungleichheit verstehen – 164 Infografiken und Zahlen. Übersetzt von Renate Weitbrecht und Gabriele Würdiger. Hanser Verlag 2020. – Von Lebenserwartung über Brustkrebsrisiko, Abtreibungsquoten, Bildungschancen bis hin zu Wahlrecht, Militärdienst und noch viel weiter sprechen hier klare Zahlen über die aktuelle Situation von Frauen auf der ganzen Welt. Sehr interessant, oft entmutigend, aber auch ermutigend.

Tove Ditlevsen: Jugend. Zweiter Teil der Kopenhagen-Trilogie. Übersetzt von Ursel Allenstein, Aufbau-Verlag 2021. – Auch der zweite Band der autobiografischen Trilogie hat mich durch die schnörkellose Sprache gleich in seinen Bann gezogen.

Tove Ditlevsen: Abhängigkeit. Dritter Teil der Kopenhagen-Trilogie. Übersetzt von Ursel Allenstein, Aufbau-Verlag 2021. – Ein überraschender Abschluss der Trilogie. Heftig und schmerzhaft – ähnlich wie der erste Band. Erzählerisch großartig mit einer starken Sogwirkung,

Gelesen im Februar 2021

Tove Ditlevsen: Kindheit. Übersetzt von Ursel Allenstein, Aufbau-Verlag, 2021.
In der Badewanne hatte ich es angefangen und fast gleich ausgelesen. Eine autobiografische Erinnerung aus dem Arbeitermilieu Kopenhagens vor etwa hundert Jahren. Detailreich und berührend. Ich fühle mich auf eine Weise an Irmgard Keuns „Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“ erinnert, über das ich vor Ewigkeiten meine Magisterarbeit geschrieben habe. Ich kann gar nicht recht greifen, weshalb. Berührend ist es, mit einer sehr widrigen Lebenswelt.

Liv Strömquist: I’m every woman. Übersetzt von Katharina Erben, Avant Verlag, 2019.
Eine kluge Graphic Novel über den Mythos des männlichen Genies und wie die Frauen dabei wegkommen. Liv Strömqvist ist witzig, pointiert und legt ihren Finger genau dorthin, wo es wehtut.

Liv Strömquist: Ich fühl’s nicht. Übersetzt von Katharina Erben, Avant Verlag, 2020.
Zum zweiten Mal gelesen: Eine messerscharfe Graphic Novel über die Liebe und die Möglichkeiten, sie von den konsumgesellschaftlichen Zwängen zu befreien. Großartig und schmerzhaft.

Gelesen im Januar 2021

Jacinta Nandi: Die schlechteste Hausfrau der Welt. Nautilus Flugschrift 2021. – Die taz- und Missy-Kolumnistin hat selbstreflektierte, ungeschönt ehrliche Texte über Paarbeziehungen, Haushaltsstruggle und Mutterschaft geschrieben.

PATU/ Antje Schrupp: Kleine Geschichte des Feminismus um euro-amerikanischen Kontext. UNRAST-Verlag 2019. – Eine kurzweilige, unterhaltsame, wahnsinnig dichte und informative Graphic Novel, die auf 85 Seiten mal eben einen Abriss des Feminismus in Europa und in Amerika abliefert. Anhand von zentralen Ereignissen und Personen werden die Wellen des Feminismus, die Wege dorthin und die Veränderungen über die Zeit vermittelt. Ich finde ja, dieses Buch sollte jede*r lesen.

Gelesen im Dezember 2020

Glennon Doyle: Ungezähmt. Übersetzt von Sabine Längsfeld. Rowohlt, 2020.
Eine Inspiration zur Reflexion, ein Mutmacher, das eigene Leben auf den Kopf zu stellen und Glaubenssätze zu hinterfragen. Ein Buch, das Lust macht, aufzubrechen.

Sigrid Nunez: Sempre Susan. Übersetzt von Anette Grube. Erinnerungen an Susan Sontag. Aufbau, 2020.
Sigrid Nunez lebte Mitte der 1970er-Jahre einige Zeit mit Susan und deren Sohn David zusammen. Vor allem über diese Zeit schreibt sie in kurzweiligen Episoden und Anekdoten über Susan Sontag und gestaltet so ein authentisches und nahes, manchmal kontradiktisches Bild der Autorin. 120 kurze Seiten, die auf der Zunge zergehen wie Nougatschokolade. Ich habe Lust bekommen, mehr von Sigrid Nunez zu lesen.

Kea von Garnier: Die Vögel singen auch bei Regen. Das Leben lieben trotz psychischer Erkrankungen. Eden Books, 2020.

Susan Sontag: Wie wir jetzt leben. Carl Hanser Verlag, 2020.

Gelesen im November 2020

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Heidemarie Brosche: Und trotzdem habe ich dich immer lieb. illustriert von Jana Moskito. mgv Verlag, 2020.

Eltern schimpfen manchmal, Eltern schreien ab und an. Eltern sorgen sich und sie sind auch mal genervt. – Haben die mich überhaupt noch lieb? Das fragt sich auch der kleine Biber, der beim Spielen die Zeit vergisst und viel zu spät nach Hause kommt, wo ihn die schimpfende Biber-Mama erwartet. Gemeinsam lösen sie die Situation. Sie sprechen über alle möglichen Situationen, die dicke Luft zwischen den beiden verursachen, über die Ängste des Biber-Kindes und (kindgerecht) auch über die Sorgen und Reaktionen der Biber-Mama. So verstehen die beiden einander ein bisschen besser, kommen sich noch näher und der kleine Biber lernt, dass er trotzdem immer lieb gehabt wird. Ein tolles Bilderbuch für Kinder ab 3, das zur gemeinsamen Reflexion anregt und für Verständnis auf beiden Seiten wirbt. Die sanften und detailreichen Illustrationen von Jana Moskito fangen die besondere Stimmung zwischen Biber-Kind und Biber-Mama toll ein.

Linus Giese: Ich bin Linus. Rowohlt, 2020.

Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war. Rowohlt Polaris 2020. – Ein sehr offenes, ergreifendes und berührendes Buch über den trans Mann Linus, der wie ich in der Buchbranche zuhause ist. Ein lehrreiches Buch, das zum Nachdenken anregt, und lange nachhallt.

Heidemarie Brosche: Schuhhimmel mit Turbulenzen. 26 books, 2020.

Ein geschickt komponierter Roman aus drei verschiedenen Perspektiven mit Überkreuzungen, Verschachtelungen und Begegnungen. Ansonsten: eine ganz besondere Schuhboutique mit ausgefallenem und sorgsam kuratiertem Sortiment, zwei junge Beziehungen und eine gereifte sowie mehrere Freundschaften in verschiedenen Stadien und eine gute Portion Humor. Nicht zu vergessen, den heimlichen Star des Covers und auch wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Story: der Dackel Tilo. Diese Mischung macht viel Freude und hat mir ein bisschen Leichtigkeit und Licht in einen dunklen November gebracht. Ein richtiger Schmöker zum schnell „Durchsuchten“.

Laura Miller (Hg.): Wonderlands. Die fantastischen Welten von Lewis Caroll, j. K. Rowling, Stephen King, J. R. R Tolkien, Haruki Murakami u.v.a. Aus dem Englischenvon Hanne Henninger, Susanne Kolbert und Madeleine Kaiser. wbg Theiss, 2020.

Man könnte sagen eine Geschichte der fantastischen Literatur in hundert Essays, von Homer bis Salman Rushdie. Oder: ein Bilderbuch mit vielen Informationen für alle, die Geschichte mögen, die in erfundenen Welten spielen. In fünf chronologisch strukturierten Kapiteln blättert man hier vorbei an Autor*innenfotos, fiktiven Karten, Handschriften, Fotos, Zeichnungen, erfährt etwas über die Autor*innen, über die Entstehungsgeschichte der Bücher, die Einordnung in die Zeit und eine knappe Zusammenfassung des Inhalts. Gullivers Reisen, Alice im Wunderland, die Mumins, Fahrenheit 451, 1984, Der kleine Prinz, Tintenherz … beim Blättern und bin ich immer wieder alten Bekannten begegnet, habe mich festgelesen, wieder erinnert und Neues erfahren. #leseexemplar

Gelesen im August 2020

 

Michaela Karl: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“. Drothy Parker – Eine Biografie. btb Verlag 2015. – Eine rasante Biografie eines noch rasanteren Lebens. Die Autorin, Buch- und Theaterrezensentin sowie Kolumnistin Dorothy Parker war waschechter New Yorkerin und eine Ikone der 1920er-Jahre. Scharfer Sinn, scharfe Zunge, Kreativität, viel Alkohol und Geselligkeit prägten ihr Leben.

Elizabeth Gilbert: City of Girls. S. Fischer, 2020. – New York, die 40-er Jahre, ein heruntergekommenes Revue-Theater, ein Mädchen vom Land, das Leben … mit unglaublichem Sog und einer spannenden Story habe ich „City of Girls“ in wenigen Tagen weggesuchtet. So ein spannendes, inspirierendes und überraschendes Buch!

 

Gelesen im Juli 2020

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Fantastic Stories für fearless Girls. Nacherzählt von Anita Ganeri, illustriert von Khoa Le. Ullmann Medien, 2020. – Abenteuerliche und Mut machende Geschichtenklassiker aus aller Welt, in denen es um Mädchen und Frauen geht. Die Illustrationen sind so wunderschön, dass ich am liebsten jede zweite Seite rausreißen würde, um damit unsere Wohnzimmerwand zu tapezieren … #Leseexemplar

Mirna Funk: Winternähe. Fischer Taschenbuch, 2015. – Rasanter Roman einer Jüdin der „Dritten Generation“ über eine Protagonistin, die sich mit ihrer Herkunft, ihren Wurzeln und dem aktuellen Leben als Jüdin in Deutschland auseinandersetzt.

Valentine Gianella: Mein Name ist Greta. Das Manifest einer neuen Generation. Illustriert von Manuela Marazzi, übersetzt von Claudia Koch und Kathrin Lichtenberg. Midas Verlag, 2019. – Eigentlich ein Buch für Jugendliche geschrieben, aber auch für Erwachsene gefüllt mit vielen tollen Anstößen. Kompakt zusammengestellte Hintergrundinfos zum Thema „Klimawandel“, verbunden mit einem positiven Blick in die Zukunft: Was kann jede einzelne Person gegen den Klimawandel tun? Und wie können sich die Länder präventiv verhalten, um mit den Klimaveränderungen umzugehen? Ein Mut machendes Buch, das Anstöße dazu gibt, selbst, im Kleinen, ins Handeln zu kommen.  #Leseexemplar

Heidemarie Brosche: Hätte ich netter schimpfen sollen? Wie eine wertschätzende Erziehung gelingen kann. mgv Verlag, 2020. – Das Buch ist ein Erziehungsratgeber, der erfrischenderweise keine Ratschläge gibt. Mit viel Herzenswärme, Lebenserfahrung, Fachkompetenz, Neugierde und nicht zuletzt mit Wertschätzung und Verständnis wirft Heidemarie Brosche einen Rundumblick auf Kindererziehung (historisch, aktuell, kontextuell usw.) und auf die Herausforderungen, die damit einhergehen. Statt Rezepten und Anleitungen für konkrete Situationen bekommt man hier praktische Anregungen zur Reflexion und zum Perspektivwechsel. Das hat mir geholfen, individuelle Lösungen für Situationen zu finden. Besonders gut gefallen haben mir die O-Töne (von denen ich auch einige beisteuern durfte), die Einblicke in die Sichtweisen von Eltern und Noch-nicht-Eltern geben. Andere Lebenssituationen, unterschiedliche kulturelle Herkunft und die sehr verschiedenen Lebenssituationen haben meinen Blick weit gemacht. Links und rechts zu schauen, ist doch ab und an sinnvoll.
Eltern, die sich manchmal gebeutelt fühlen, tut das Verständnis dafür, dass Kinderhaben einfach eine Achterbahn ist, wahnsinnig gut, genau wie der ermunternde Blick nach vorn. Ich bin mit dem sechsten Kapitel in die Lektüre eingestiegen. Die kleine Anleitung am Anfang des Buches habe ich deshalb erst spät entdeckt. Erst dann habe ich gelesen, dass Heidemarie Brosche dieses Kapitel den Eltern als Erstes ans Herz legt, die das Gefühl haben, den eigenen Ansprüchen (mal wieder) nicht zu genügen. Hachja … ertappt! Beim Querblättern im Buch bin ich wegen der vielen Zwischenüberschriften und Schlagworte immer wieder bei einzelnen Passagen hängengeblieben und habe mal hier mal da gelesen, wo ich mich angesprochen gefühlt habe. Das kann ich sehr empfehlen!

 

Gelesen im Januar 2020

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Sally Rooney: Gespräche mit Freunden. übersetzt von Zoe Beck. Luchterhand 2019. | Zutiefst (Zwischen-)Menschliches. Die Suche nach Liebe, der Wunsch nach Anerkennung und Zuwendung. Härte und Hintergehen. Unehrlichkeit, Geheimisse. Freundschaft. Heuchelei.

Rachel Cusk: Lebenswerk. Über das Mutterwerden. übersetzt von Eva Bonné. Suhrkamp 2019. | Ein echter, authentischer, aber auch sehr literarischer Einblick in die Gefühle rund um das Mutterwerden und Muttersein. Ohne Euphemismen. Besonders reizvoll fand ich die Lektüre anschließend an Rachel Cusks andere Bücher, z. B. Transit.

Miralda Colombo: Helden-Atlas. 101 Frauen und Männer, die die Welt verändert haben. Illustriert von Ilaria Faccioli, übersetzt von Dr. Ulrike Schimming und Eva Baumgart-Catania. Midas Verlag 2019. | Rezensionsexemplar | Der Helden-Atlas ist ein wunderschönes Bilderbuch im Großformat mit farbenfrohen, tollen Illustrationen und vielen kurzweiligen und unterhaltsamen Textschnipseln (Ich bin …, Mein Motto, Meine Geschichte) über 101 bedeutenden Personen der Weltgeschichte. Die Titelformulierung finde ich etwas naja … Es drängt sich die Frage auf, was denn überhaupt Helden sind, und ob wirklich alle vorgestellten Personen diesen Kriterien entsprechen … Aber das mal beiseite gelassen ist es ein richtig schönes Schmökerbuch für Kinder ab dem Vorschulalter bis zur weiterführenden Schule und auch als Erwachsene*r lernt man noch eine Menge! Und auch die Dreieinhalbjährige hat schon viel Spaß an dem Buch. Frida Kahlo hat sie gleich erkannt (siehe oben).
Der Inhalt ist strukturiert in sechs Kapitel: Künstler, Genies, Schriftsteller, Vordenker, Mutige und Visionäre. Als Auftakt der Kapitel gibt es immer eine Weltkarte mit Porträts, auf der sich ablesen lässt, woher die Porträtierten stammen. Richtig gut gefällt mir, wie viele Frauen hier proträtiert werden! – Auch wenn das eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Tupoka Ogette: exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen. Unrast Verlag 2019. | Eine absolute Leseempfehlung! Rassismus ist kein Einzelfall. Rassismus ist gesellschaftlich und anerzogen. Ihn zu sehen und sich bewusst und sensibel dagegen zu positionieren ist eine große Herausforderung. Wer will schon gern rassistisch handeln? Dass wir alle es viel zu oft tun, weiß man spätestens nach der Lektüre dieses Buches. Mit vielen Weiterlese- und Video-Tipps.