Gelesen im August 2021

Carole Fives: Kleine Fluchten. Übersetzt von Anne Braun, Paul Zsolnay Verlag 2021.

Ein beklemmender Roman über eine alleinerziehende Frau und ihr Leben mit ihrem kleinen Sohn. Die reduzierte schnörkellose Sprache, die unmittelbare Darstellung von Innen- und Außenwelt und das Element der Internetrecherche, wodurch die Stimmen anderer, unbeteiligter Personen als Sprachrohr der Gesellschaft zu Wort kommen und allzu oft ver- und beurteilen erzeugen eine beklemmende Szenerie.

Judith Poznan: Prima Aussicht. Dumont Verlag 2021.

Ein anrührender, berührender und dann und wann lustiger Text über Mutterschaft, Beziehung, Camperfreuden und über das Scheitern.

Max Küng: Fremde Freunde. Kein & Aber 2021.

Ein kammerspielähnlicher Roman über eine Handvoll Bekannte, die ein paar Tage Ferien auf dem Land in Frankreich verbringen, die ganz anders enden als geplant. Kurzweilig und amüsant.

Matze Hielscher: Die Schule meines Lebens. Weisheiten und Lebenstricks von ziemlich außergewöhnlichen Menschen, Pieper 2020.

Sehr kurzweilige und inspirierende Essenz aus interessanten Interviews mit spannenden Persönlichkeiten aus dem kreativen Bereich.

Katharina Volckmer: Der Termin. Kanon Verlag 2021.

Eine junge Deutsche, ein Monolog und ein zuhörender Dr. Seligman. Faszinierend und anstrengend zugleich, den Gedankensprüngen zu folgen. Ich muss das Leseerlebnis noch sacken lassen.

Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten. Gelesen von Lars Eidinger, der Hörverlag 2019.

Das war schön!

Frisch erschienen: Die Kita-Bande ist nicht zu bremsen

Vor einem Jahr habe ich die Geschichten rund um die Kita-Bande geschrieben und jetzt ist mein neues Buch endlich im Kaufmann-Verlag erschienen. Jutta Berend hat meinen Protagonistinnen und Protagonisten die Gesichter gegeben. Einen Hund gibt es natürlich auch. – Den Dackel Heinz sieht man auf dem Buchcover und auf vielen Seiten im Innenteil. Seine Antagonistin ist die eigenwillige Katze Serafina.

Die sechs Kinder erleben in zwölf Geschichten aufregende, bewegende, zusammenschweißende und lustige Abenteuer. Es geht um alle Themen, die bewegen. Es geht um Toleranz, um Konflikte, um Verluste, um Angst, um Mut, um Fürsorge, um Zusammenhalt, um Neugier. Und es geht auch um Demenz, Umweltschutz, Tierschutz, Freundschaft, Nachbarschaft, Kita-Alltag und vieles, vieles mehr.

Es lag mir sehr am Herzen, mitten aus dem Leben zu erzählen und die unterschiedlichsten Geschichten zu zeigen, die der Alltag eben so bieten kann. Mir ist es wichtig, Kinder durch meine Geschichten zu (be-)stärken, zu ermutigen und zu unterhalten.

Ab sofort ist die Kita-Bande überall zu bekommen bzw. zu bestellen, wo es Bücher gibt. Besorgt es euch gern bei der kleinen Buchhandlung bei euch um die Ecke.

Gelesen im Juli 2021

Emilie Pine: Botschaften an mich selbst. übersetzt von Cornelia Röser, btb, 2019

Die Essaysammlung der Professorin am University College Dublin hat mich sehr berührt. Die sehr persönlichen Texte befassen sich mit Themen wie Fehlgeburt, Adoleszenz, Krankheit, Such, persönliche Beziehungen usw. Es geht um Selbstzweifel und Einsamkeit, um Sehnsüchte, um Angst und um Anstrengung. Es geht um die vulnerablen Momente des Lebens.

Juli Zeh: Über Menschen. Luchterhand, 2021.

Gelesen im Mai 2021

Mareice Kaiser: Das Unwohlsein der modernen Mutter. Rowohlt Polaris, 2021.

Bedrückend und auf den Punkt. Die meisten Dinge, kannte und wusste ich schon. Dennoch: Mareice Kaisers Blick auf die Situation der Mütter bringt mit seiner Messerschärfe viele Aspekte noch ein deutlicher ans Licht und es gelingt ihr ein Solidaritäts- und Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Große Leseempfehlung von mir: nicht nur für Mütter. Vielleicht gerade für die anderen, um verständlicher zu machen, was uns so umtreibt.

Nina Kunz: Ich denk, ich denk zu viel. Kein und Aber, 2021.

Die Titelformulierung hatte mich schon überzeugt, die Klappentexte auf der U4 haben das nur unterstrichen. Auch ich grüble viel und denke nach und das zu den verschiedensten Themen. Deshalb haben mich die Gedankenschnipsel, Stories und essayartigen Texte tief im Herzen erreicht und berührt. Die Geschichten haben mich inspiriert, mich dazu gebracht, heftig zu nicken, auch mal kräftig zu schlucken oder zu lachen.

Peter Hunt: Die Erfindung von Alice im Wunderland. Wie alles begann. wbg/Theiss, 2021.

„Alice’s Adventures Under ground“ – ein handgeschriebenes und illustriertes Buch war es, in dem sich das Mädchen Alice sich selbst dargestellt wiederfand. Es war der Beginn des großen Kinderbucherfolgs „Alice im Wunderland“. Der Autor Charles Lutwidge Dodgson , der unter seinem Künstlernamen Lewis Caroll bekannt wurde, war eigentlich Mathematiker. Er ließ sich für die Protagonistin inspirieren von der Tochter eines Kollegen: Alice Liddel. Die Entstehungsgeschichte ist komplex, so schreibt Peter Hunt. Es blieben einige Leerstellen und vieles im Dunkeln. Fest steht: Es handelt sich um einen so komplexen und dichten Text voller Witz, Anspielungen in jedem Satz, dass er auch über 150 Jahre nach seinem Erscheinen Erwachsene und Kinder fasziniert. Peter Hunts Buch ermöglicht einen Einblick in die (Entstehungs-)Geschichte des Buches. Viele Fotos, Zeichnungen, Anekdoten und spannendes Hintergrundwissen haben mich begeistert darin schmökern lassen. #Leseexemplar

Kalle und sein Opa

Die Geschichten um Kalle und seinen Opa waren eines Tages plötzlich in meinem Kopf und mussten auf Papier. Kalle und sein Opa erleben kleine Alltagsabenteuer und stehen dabei vor so mancher Herausforderung. Mit dabei ist immer Opas Hund Fritzi. Eigentlich sollten es noch viele mehr werden.

Ich schickte die Geschichten auf die Reise in verschiedene Verlage. Sie lagen auf einigen Schreibtischen und wanderten durch Programmkonferenzen. Mehrmals hieß es: „Die wollen wir machen!“ Am Ende wurde dann doch nichts daraus. Dann lagen sie in meiner virtueller Schublade. Eine Kalle-Geschichte schenkte ich dem Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur zum 40. Jubiläum für die Jubiläumsbroschüre.

Und nun hat die Sprecherin Silke Schorra die Geschichten eingesprochen und wir haben uns Folgendes überlegt: An jedem Sonntag im Juni kommt am Sonntag zur besten Langes-Frühstück-Zeit – um 10 Uhr – eine neue Geschichte zum Anhören mit der ganzen Familie hier auf dem Blog online. Viel Spaß beim Anhören!

Gelesen im April 2021

Rachel Cusk: Danach. Über Ehe und Trennung. Übersetzt von Eva Bonné, Suhrkamp, 2020.
Eine autobiografisch gefärbte, literarische Verarbeitung vom Auseinanderbrechen einer Beziehung mit Kindern.

Melodie Michelberger: Body Politics. Rowohlt, 2021.
Melodie Michelberger ist in meinem Alter. Ihre Sozialisation unterscheidet sich in vielen Punkten, aber in mindestens genauso vielen Aspekten ihres Adoleszenzerlebens fand ich mich wieder. Eine schmerzhafte Analyse, eine autobiografische Beschreibung vom Umgang mit dem eigenen Körper und vor allem der Wahrnehmung dessen. Von Fremdurteilen, Bodyshaming, gesellschaftlichem Druck und dem Gefühl, nicht genug zu sein – mit einem versöhnlichen Ende.

Jutta Allmendinger: Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen. Ullstein, 2021.
Von der ersten Seite an habe ich mich von der bildhaften, Sprache dieses autobiografischen, soziologischen, politischen und vor allem scharfsinnigen Buches umarmen lassen. Es ist eine Analyse der Lebens- und Arbeitssituation von Familien über die letzten hundert Jahre hinweg mit Blick auf Veränderungen, Hintergründe und auch mit Ausblicken und Optionen. Unheimlich klug, unaufgeregt und unfassbar sympathisch.