Anna Gavalda: Ab morgen wird alles anders

gavalda

Aus meiner kleinen Lesepause bin ich wieder aufgewacht und habe mir für den „Wiedereinstieg“ (darf man nach über zwei Monaten ohne Buch wohl sagen, oder?) was besonders Feines ausgesucht: „Ab morgen wird alles anders“ von Anna Gavalda.
Es ist eine mitteldicke (298 Seiten) Sammlung mit Erzählungen (fünf an der Zahl).

Ich liebe Anna Gavalda und die großartige Übersetzung von Ina Kronenberger alleine schon wegen der leichtfüßigen, manchmal derben Sprache. Die ist wirklich etwas Besonderes! Manche Zeilen murmeln wie kleine Bäche, andere sind eher schroff und abgehackt und dann wieder findet Anna Gavalda für alltägliche Befindlichkeiten die richtigen Worte. Ich habe extra nicht so schnell geselen, um mehr davon zu haben und um es mir auf der Zunge zergehen zu lassen.

Die Erzählungen selbst handeln von sehr verschiedenen Protagonisten und unterschiedlichen Lebenssituationen. Viele von Ihnen sind irgendwie gestrandet und verloren. Zwischendurch blitzt immer wieder ein Fünkchen Hoffnung in aller Tristesse auf. Auch wenn ich nicht alle Figuren wirklich mochte, so gibt es eine Nebenfigut in der Erzählung „Yann“, in die mich mich Hals über Kopf verliebt habe. (Nein, es ist nicht Yann.) Allein deshalb schon werde ich die Erzählungen sicher noch ein weiteres Mal lesen und genießen.

Wie so oft habe ich Zitate markiert, die mich berührt und beeindruckt haben. Einige davon möchte ich als kleine Appetizer gern teilen:

Ich lernte, ohne Anrufe, ohne SMS, ohne Nachrichten und ohne Mailbox zu leben.
Ohne dieses Schmusetuch, das bei der geringsten Kleinigkeit gedrückt werden will.
[S. 65]

 

Fröhlichkeit ist ein Akt der Höflichkeit, wie es so schön heißt, aber heute habe ich keine Lust mehr, höflich zu sein.
[S. 104]

 

Heute verkrieche ich mich, halte den Mittelfinger hoch und ziehe den Stecker.
[S. 104]

 

Denn was bleibt den Leuten, die aufgehört haben zu trinken, wenn nur die Höflichkeit der Verzweiflung sie dazu bewogen hat?
Die Verzweiflung.
[S. 107]

 

Alle … wir alle fliegen die meiste Zeit unseres Lebens unter dem Radar. Von fern, von nah, von vorn, im Profil, von schräg oben erkennt kein Mensch was …
[S. 116]

 

Leiden bei guter Gesundheit ist doch was Herrliches. Das ist ein Privileg! Nur die Toten leiden nicht! Freu dich, meine Liebe! Lauf, renn, flieg, hoffe, greif daneben blute oder feiere, aber lebe!
[S. 117]

 

Solange sie den frischen Morgen genoss, gehörte ihr die Welt.
[S. 126]

 

Was konnte nach einer solchen Kindheit für sie noch kommen?, fragte ich mich. Ein Leben voller Langeweile oder die ständige Lust auf Partys? Eine depressive Krankheit oder tollkühner Übermut?
[S. 198]

 

 

 

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