Gelesen im September

Vor ein paar Tagen wachte ich auf und dachte: Du hast noch gar nichts gelesen in diesem Monat. Nicht ein einziges Buch! Das fühlte sich ganz komisch an, denn es ist in den letzten schätzungsweise zwanzig Jahren nie vorgekommen. (Damals hatte ich als Teenager mal eine lesefaule Zeit.) Seit über drei Jahren gibt es hier auf dem Blog die Kategorie „Gelesen im …“ Diesen Monat würde sie also das erste Man ungefüllt bleiben. Ein fremdes Gefühl. – Und dann habe ich gemerkt, dass es gar nicht stimmt! Es gab wohl schon Bücher in diesem Monat. Ich hatte nur vergessen, was ich Anfang des Monats gelesen hatte … Das ist echt wahr! Wie gut, dass ich das immer dokumentiere.

Es ist aber auch viel passiert in den letzten Wochen und Monaten. Vor fast genau fünf Monaten habe ich ein Baby bekommen, wie manche von Euch ja wissen. Und dann sind wir jetzt gerade mit (einer ganzen Menge) Sack und Pack auch noch umgezogen. Der Schreibtisch ist als Letzter leergemacht und als Erster wieder aufgebaut worden, denn „natürlich“ hatten gleich mehrere Projekte ihre heiße Phase. Wie das immer so ist. Und bei all dem kann man doch schonmal den Leseüberblick verlieren, oder?!

img_5694

Und hier jetzt wie gewohnt der Leseüberblick des letzten Monats gewürzt mit meiner ganz subjektiven Lesermeinung:

Anne Donath: Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann, Piper

Ein etwas wilder Mix aus autobiografischem Bericht und lyrisch inspiriertem Reisebericht.
Anne Donath hatte alles: Eine Familie, ein großes Haus, mehrmals im Jahr ein großer Familienurlaub. – Dann kam es zur Trennung vom Mann, die Kinder wurden flügge, und Anne wollte sich kleiner setzen. Sie trennte sich vom „Krempel“, kaufte eine Wiese und ließ eine Blockhütte bauen, die sie rasch abbezahlte. Anschließend arbeitete sie noch einen Tag in der Woche. Das reicht zum Leben und zum Reisen.
Achtsam, liebevoll und sehr reflektiert schreibt sie über genau das und über die Begegnungen, die sie hat. Ein schönes Büchlein, nicht nur für Menschen, die vom Aussteigen träumen.

Alain Grée: Mein erstes Buch Tiere, Ravensburger

Dieses Pappbilderbuch ist eine Art erstes Tierlexikon für Kleine. Die Kategorien sind die klassischen: Auf dem Bauernhof entdecken wir die Kuh, das Schwein und Co. Es folgen Haustiere, Waldtiere, Vögel, Insekten, Meeres- und Zootiere. Das Besondere an diesem Buch – und auch der Grund, aus dem ich auf es aufmerksam wurde – sind die wunderschönen, unverwechselbaren und charmanten Illustrationen des französischen Kinderbuchautors und -illustrators Alain Grée im Stil der 60er-Jahre. Ich glaubte zuerst, dass die ganze Reihe einfach neu aufgelegt wurde, aber tatsächlich sind die Bände 2012 zum ersten Mal erschienen.
Grée hat die Tiere charmant eingefangen und gibt ihnen ein Gesicht, ohne die arttypischen Merkmale dadurch zu verwässern. Klare Farben und Formen lassen die Kleinsten schon eindeutig erkennen, welches Tier sie gerade betrachten und manche Tiere, wie das Pferd oder der Hund bekommen sogar eine eigene kleine Szene, zu der man spontan eine kleine Geschichte erfinden kann. Einen kleinen Wehmutstropfen gibt es jedoch: Die Kategorie Zootiere gefällt mir persönlich gar nicht, denn sie passt so gar nicht zu den anderen, die den natürlichen Lebensraum der Tiere zeigen. Die Tiere sind alle hinter Gittern dargestellt und vermitteln den Kindern den Eindruck, das Löwen, Tiger, Giraffen und Co. den Zoo als natürlichen Lebensraum hätten. Das hätte man besser lösen können.
Der Verlag empfiehlt das Buch ab 2, aber auch Kleinere haben schon Freude daran.

Komako Sakai/Nakawaki Hatsue: Warte, warte – wo wollst du hin?, Moritz-Verlag

Ich bin ein Freund japanischer Kinderbücher. Einfühlsam, mit dem Blick für das Kleine und ganz besondere Illustrationen sind hier häufig anzutreffen. Bei diesem Pappbilderbuch auch. Die Geschichte ist schnell erzählt. Das kleine Kind – es ist vielleicht 1 oder 2 Jahre alt – entdeckt draußen kleine Tierchen, wie den Schmetterling, den Salamander oder die Taube, und stellt fest, dass sie alle weglaufen oder –fliegen, wenn man ihnen zu nahe kommt. „Wo willst du hin?“, fragt das Kind jedes Mal. Auf der letzten Seite ist das Kind dasjenige, das gefragt wird: „Wo willst du hin.“ Die Arme des Vaters greifen nach ihm und heben es auf die Schultern. Eine innige Szene.
Die zarten Illustrationen in dezenten Farben zeigen die Geschehnisse auf Augenhöhe eines etwa 1 oder 2 Jahre alten Kindes. Das ist toll. Körperhaltung und Mimik des Kindes stehen im Mittelpunkt und das jeweilige Tier. Nichts lenkt von diesem Wesentlichen ab. Obwohl wenig zu sehen ist, gibt es viel zu entdecken. Das Buch ist ab einem Jahr empfehlenswert.

Peggy Rathmann: Gute Nacht Gorilla, Moritz-Verlag

Eine Gute-Nacht-Geschichte mit viel Witz und wenig Text und vielen, vielen Tieren. Der Zoowärter wünscht dem Gorilla Gute Nacht und bemerkt nicht, wie dieser ihm den Schlüssel klaut und sich selbst befreit. Der Gorilla lässt nach und nach alle Zootiere frei, die in einer langen Karawane den Zoowärter bis in sein Schlafzimmer verfolgen. Seine Frau bringt dann alle Tiere wieder zurück und wünscht ihnen eine gute Nacht. Doch zwei schaffen es doch, sich wieder unter die Zoowärter-Bettdecke zu schleichen. Eine witzige Geschichte mit vielen Tieren für Kinder ab ca. einem Jahr.

Austin Kleon: SHOW YOUR WORK!, Mosaik

Im Juli habe ich das erste Buch von Austin Kleon gelesen: “Alles nur geklaut”. Darin geht es um kreative Arbeit und wie man seine eigene Kreativität ans Fließen bringt. Das Folgebuch handelt nun davon, wie man seine Arbeit zeigt. Der Untertitel verspricht: „10 Wege, auf sich aufmerksam zu machen“. Den finde ich allerdings absolut nicht passend und total irritierend. Kleon geht es darum, sich wirklich zu vernetzen, und nicht nur Networking zu betreiben. Echte Kontakte zu knüpfen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen, statt sie vollzuspammen, indem man ohne Punkt und Komma über sich selbst und über seine Arbeit spricht. Insbesondere in den sozialen Medien kann man es ja so oder so handhaben. Kleon scheint ein wahnsinnig sympathischer und kreativer Mensch zu sein. Ich mag das Buch! Und ich werde es wieder lesen, weil es sehr inspirierend ist.

Advertisements

Nix los hier!

Ja, hier wirkt es in der Tat seit einiger Zeit ziemlich eingeschlafen und die Rate der gelesenen Bücher sinkt auch kontinuierlich. Aber das bleibt nicht so. Versprochen.

Dafür gibt es heute mal ein Foto von den Arschkrampen im neuen Wohnzimmer. Ja, wir sind tatsächlich umgezogen und haben jetzt endlich alle genug Platz. Das ist so schön!

img_5483

Gelesen im August 2016

Dieser August war ein aufregender Monat und der September wird nicht minder spannend. Ich tippe diese Worte in Umzugskartonsschluchten sitzend. Die aufgetürmten Kisten beinhalten vor allem Bücher – und ich habe noch nicht fertig gepackt. In wenigen Tagen ziehen wir ein paar Kilometer weiter  in den übernächsten Stadtteil. Dort erwartet uns eine große Altbauwohnung mit doppelt so vielen Zimmern wie bisher und mit gleich zwei Balkonen. Endlich genug Platz für alles!

Deshalb ist die aktuelle Leseausbeute auch echt mau.

IMG_5026

Rose Tremain: Und damit fing es an

Ganz frisch erschienen Anfang August ist dieser wunderbare Roman von Rose Tremain. Wie auch die anderen Romane, die ich von ihr gelesen habe – ich kann gerade nicht nachschauen, welche es sind, weil ein Großteil meiner Bücherregal-Inhalte schon in Kisten verpackt um mich herum aufgetürmt steht – ist es hier auch gar keine laute und Aufsehen erregende Geschichte. Man wird hineingeworfen in die Schweiz der 1940er-Jahre, landet im Leben des Jungen Gustav Perle, der bei seiner alleinerziehenden, gefühlsarmen Mutter in auch finanziell ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Das Leben ist nicht leicht. Gustav hat von allem zu wenig: Zu wenig Geld, zu wenig Liebe und zu wenige Freunde. Gustav ist leise und fleißig. Dann kommt Anton in seine Vorschulklasse, ein Junge aus einer reichen Familie, der seine Gefühle laut herausweint. Gegensätzlicher könnten die beiden Jungen nicht sein. Und trotzdem sind sie vom ersten Moment an befreundet und über Jahre engstens verbunden.

Frau Perle gefällt die enge Verbindung zu der jüdischstämmigen Familie gar nicht, die Gründe dafür enthält sie Gustav aber vor, genau wie alles, was mit seinem verstorbenen Vater in Verbindung steht. Gustav muss erst erwachsen werden, bevor er sich selbst auf die Suche macht.
Ein richtig toll durchkomponierter Roman und wunderbar übersetzt!

Julia Claiborne Johnson: Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning. Aufbau TB, erscheint am 17. Oktober 2016

Mein Senf dazu folgt im Oktober.