Gelesen im Dezember 2014

So, noch ein Rückblick, aber nicht einer von den Wirhabenzusammengelittengefeiertundunsgefreutdankedasseseuchallegibt-Jahresrückblicken, sondern der letzte Lesemonatsrückblick für dieses Jahr und ein klitzekleines Jahresfazit.

Wie vor 4 Wochen schon angekündigt, darf ich über die meisten Bücher leider noch gaaaaar nichts sagen. Pssssst!
Aber schon so viel: Es war sehr Vielversprechendes dabei! :-) Freut euch auf das Lesejahr 2015!
Ein einziges (ich hab es heute zwischen einkaufen und Badewanne eben fix verschlungen) Buch auf meiner Liste liegt und steht aber schon in den Buchhandlungen. Dazu habe ich dann auch meinen Senf abgegeben. Das lass ich mir ja nicht nehmen.

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Doris Knecht: Wald. Erscheint 27.02.2015

Catherine Chanter: Die Quelle. Erscheint 19.02.2015

Julia Jessen: Alles wird hell. Erscheint: 11.2.2015

Tim Parks: Der ehrgeizige Mr. Duckworth. Erscheint: 27.5.2015

Rachel Kushner: Flammenwerfer. Erscheint: 27.2.2015

Lena Dunham: Not that Kind of Girl. Amüsant, ehrlich und leicht lesbar. Aber für einen bekennenden Lena- und Girls-Fan ist das ja auch nicht verwunderlich, so zu empfinden. Sehr hübsche Illustrationen zu jedem Kapitel! Zwar fragt man sich nach der Lektüre, was das Buch so ganz genau ist – weder Biografie noch Roman – recht wenig Struktur. Man hat irgendwie das Gefühl, in einem fremden Tagebuch zu schmökern und mit einer guten Freundin zu quatschen. Das ist aber ja auch nicht das Schlechteste!

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Schlimme Lese- und Geschichtensucht:

Ein kurzes Jahresfazit darf nicht fehlen: In den letzten 12 Monaten habe ich insgesamt 96 Bücher gelesen. Das sind 1,8 Bücher pro Woche. Spitzenmonat war der Februar mit 13 Büchern und Losermonat der August mit nur 5.

Es macht Spaß, sich nochmal durch die letzten Monate zu scrollen, und sich zu wundern, an welche Bücher man sich noch sehr plastisch erinnert (Donna Tartt, Justin Go …) und welche man schon wieder total vergessen hat. Sagt das was über mich aus oder über die Bücher?

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10 Gründe

Immer montags und immer 10 Gründe, nicht 9, auch nicht 11 und immer zu Themen, die mich bewegen und berühren.

Heute: 10 Gründe …

…, warum es so bombe ist, im Einzelhandel zu arbeiten.

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Ja, ein bisschen aus aktuellem Anlass. Und nochmal ja: Diese Woche sind die 10 Gründe ein klitzekleines bisschen jammerig … Trotzdem lesen!

1. Alle brüllen: „Hurra, ein Brückentag!“ – Du nicht, denn an diesen Tagen macht ihr die höchsten Umsätze, und an frei ist nicht zu denken.

2. Deine Freunde sagen: „Lass uns zwischen den Jahren, wenn wir alle frei haben, mal was Schönes zusammen machen.“ Du musst mit dem Kopf schütteln, Gutscheine entgegen nehmen und ungewollte Geschenke umtauschen.

3. „Wir fahren übers Wochenende mal wieder weg!“, schlägt der Liebste vor. Du verweist auf Deine Freitagsschicht, die erst um 24 Uhr endet, und auf die vom Samstag, die Dich erst um 20 Uhr ins Privatleben entlässt.

4. Du hast gelernt: Wer mit einem Kunden streitet, verliert immer! – Deshalb hörst Du Dir die absurdesten Geschichten an und versuchst für (fast) alle seltsamen Probleme eine Lösung zu finden.

5. Du musst auch selbst dann noch freundlich bleiben, wenn Dir ein Kunde entgegenschmettert: „Hätten Sie in der Schule mal aufgepasst, müssten Sie hier jetzt nicht stehen!“, auch wenn Du am liebsten zurückbrüllen würdest: „Ich habe sogar an der Uni gut aufgepasst, Du Arsch!“

6. Du lächelst selbst dann noch, wenn Dir ein Kunde sagt: „So schön wie Sie möchte ich es auch mal haben: Den ganzen Tag nur lesen und über Bücher reden!“

7. Wie ist das Wetter draußen? – Keine Ahnung! Das Einkaufscenter hat schließlich keine Fenster.

8. Gleitzeit, mal früher gehen … all das kennst Du nur vom Hörensagen …

9. Wenn Deine geschwollenen Füße abends vom vielen Stehen schmerzen, humpelst Du nur noch aufs Sofa.

10. Und ja: Irgendwie hast Du Dir das Ganze ja irgendwann mal ausgesucht und so tatsächlich selber eingebrockt. Da machste nix! Aber manchmal meistens macht der Job ja auch Spaß!

P.S. Natürlich gibts noch viel schlimmere Jobs unter wirklich schlechten Bedingungen und mit Arbeitszeiten, die sich gewaschen haben. Jammern darf man doch wohl trotzdem, oder?

Kunst aus der Küche

Meine Kunst aus Büchern ist ja mittlerweile fast schon ein alter Hut. Deshalb gibt es heute mal was anderes: Kunst gelöffelt. Und so kam das.
Ich bin ja bekanntermaßen eine alte Flohmarkt- und Trödeltante, die ihren Wein am liebsten aus Kristallgläsern schlürft und den Käsekuchen von Goldrandtellern nascht. Eine besondere Vorliebe habe ich für altmodische (und alte) Teelöffel und Kuchengabeln. Und Schnäppchen mach ich auch gerne.

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So kam es, dass ich eines Tages wunderschöne und megamäßige Schnäppchen-Billo-Teelöffel erstand. Dass es da irgendwo einen Pferdefuß geben muss, wäre vermutlich jedem klar gewesen, nur mir nicht … Nunja …
Die Löffelchen haben nämlich blöderweise ein Gedächtnis. Sie merken sich ziemlich gut, was man mit ihnen getan hat – auch trotz Spülens.
So hatte ich dann köstliches Knoblaucharoma auf der Zunge, als ich meinen Vanillequark mit Joghurt löffelte oder verpasste meiner Salatsauce eine kräftige Zimtnote … So geht’s ja nicht! Und die Löffel wurden deshalb mit Dabastelichmawasdraus-Gemurmel als unbrauchbar beiseite gelegt.

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Was für ein groooßes Glück, dass das Schwesterchen das hörte und sich gut merkte und mir Heiligabend deshalb ein sehr damenhaftes Präsent unters Bäumchen legte: Eine Heißklebepistole Einen Gluepen! Klar, dass ich den heute gleich mal ausprobieren musste …. Hach, die drei Löffelchen waren viel zu schnell fertiggeklebt, sodass ich jetzt auf der Suche bin nach weiteren Gluepen-Projekten. Ma gucken, was sich so in meiner Butze findet, dass man gut irgendwo festkleben kann.
Ich gehe schon mit diversen Ideen schwanger und bin ziemlich froh, dass der ganze Krempel hier meiner ist, und ich mit ihm tun kann, was ich will … :-DIMAG1325

Und für die Feierlichkeit heute am 2.- Weihnachtsfeiertag noch ein Poem:

Herr Löffel und Frau Gabel,
die stritten sich einmal.
Der Löffel sprach zur Gabel:
„Frau Gabel, halt den Schnabel,
du bist ja bloß aus Stahl!“

Frau Gabel sprach: „Herr Löffel,
Ihr seid ein großer Töffel
mit Eurem Gesicht aus Zinn,
und wenn ich Euch zerkratze
mit meiner Katzentatze,
so ist Eure Schönheit hin!“

Das Messer lag daneben
und lachte: „Gut gegeben!“
Der Löffel aber fand:
mit Herr’n und Frau’n aus Eisen
ist nicht gut Kirschen speisen,
und küsste Frau Gabel galant –
die Hand.

Christian Morgenstern

Einsiedlers Heiliger Abend

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Ich hab‘ in den Weihnachtstagen –
Ich weiß auch, warum –
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abends noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsensuppe mit Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat’s an die Türe gepocht,

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: „Herein!“

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Joachim Ringelnatz

10 Gründe

Immer montags und immer 10 Gründe, nicht 9, auch nicht 11 und immer zu Themen, die mich bewegen und berühren.

Heute: 10 Gründe …

…, warum ich altmodische Cafés so liebe.

1. In ihnen lebt die Geschichte vieler Jahrzehnte und vergangener Zeiten.

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2. Das Interior ist großartig altmodisch und doch irgendwie zeitlos.

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3. Es gibt fantastischen Kuchen!

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4. Kuchen bestellt man an der Theke und man bekommt ein nummeriertes Zettelchen, das man beim Serviermädchen abgibt.

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5. Apropos: Die Serviermädchen sind keine anorektischen Hipster, die am liebsten mit ihren Freunden sprechen, die offenbar den ganzen Tag im Café abhängen, sondern echte Serviermädchen gekleidet in schwarz-weiß.

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6. Wenn man eine heiße Zitrone bestellt, bekommt man nicht nur ein Glas mit heißer Zitrone, sondern ein Kännchen mit heißem Wasser, ein Glas mit Zitrone und ein leeres Glas zum Mischen – auf einem Tablett. Ist das nicht toll?

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7. Es gibt aber auch Milchkaffee in toll großen Tassen. (Und nicht nur Kaffee Hag im Kännchen).

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8. Ich liebe besonders diese großartigen Lampen an den Säulen, die einfach unfassbar perfekt in meinen büchertapezierten Flur passen würden … Vielleicht passieren ja noch Zeichen und Wunder …

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9. Toleranz und Offenheit: Alleine kann man hier gut sitzen, denn man ist nicht der einzige Gast ohne Begleitung. Auch das Alter spielt keine Rolle. Es ist ein toller Ort zum Ausruhen nach dem Shoppen, für den Besuch mit der besten Freundin, um die Omi auszuführen, aber auch erste Dates oder geschäftliche Besprechungen sind hier nicht fehl am Platz.

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10. Die Weihnachtsdeko auf den Tischen ist so unfassbar hässlich, dass sie schon wieder großartig ist. (Zuhause will ich sie trotzdem nicht haben!)

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Leider steht mein Lieblingscafé – glaubt man den Medienberichten und dem Getuschel – kurz vor dem Aus. Nach 76 Jahren. Man spricht über Insolvenz und über Denkmalschutz, der Probleme mache. Andere mutmaßen, dass die Pappbecherplörre-Ketten mit überhöhten Preisen, aber hippem Image schuld am Niedergang seien. Ich weiß es nicht. Bin aber unfassbar traurig und kann nicht glauben, dass der gestrige Sonntagsbesuch der letzte gewesen sein soll.
Dieser Post sei ein Denkmal und eine Huldigung.

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Heimat

Dicht an dicht drängen sich die Häuser hinter der Schallschutzmauer,
dicht an dicht rollen die Autos nacheinander auf dem glühenden Asphalt.
Dicht an dicht schieben sich die 40-Tonner über die städtischen Bundesstraßen,
dicht an dicht quetschen sich die Blechbüchsen an den Straßenrand jenseits von legal.

Dicht an dicht stehen die Männer am zeitungsbewehrten Büdchen mit dem Bier in der Hand,
dicht an dicht sitzen sie kniffelnd mit schwieligen Händen in der Eckkneipe.
Dicht an dicht harren sie hintereinander in der Schlange vor dem Jobcenter aus.
Dicht an dicht drücken sie sich am Sonderangebotstag im Discounter-Eingang.

Dicht an dicht liegen die geduckten Zechenhäuser in der alten Siedlung,
dicht an dicht drängen sich die verklinkerten Neubau-Reihenhäuser auf dem alten Feld.
Dicht an dicht schmiegen sich die großen Städte aneinander ohne eine Lücke.
Dicht an dicht liegen die Bahnschienen zwischen den Schrebergärten, oder ist es andersrum?

Dicht an dicht – das ist das Ruhrgebiet.

Wenn Lucia kommt …

Mittlerweile im dritten Jahr stieg bei mir in der Butze am 13. Dezember eine fette Sause mit Glögg, jeder Menge Zimtschnecken und nem Haufen Freunde – das inzwischen legendäre Luciafest. Legendär nicht nur, weil ich mich jedes Mal im Nachthemd und mit Lichterkrone zum Horst mache.

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Das Luciafest ist eine ursprünglich schwedische Tradition, die mittlerweile auch in in Dänemark, Norwegen, im schwedischen Teil von Finnland und im dänischen Südschleswig gefeiert wird – und mitten im Pott! Seine Wurzeln hat das Fest wohl im heidnischen Wintersonnenwendefest, aber gefeiert wird die heilige Lucia. Mit der Kirche hat die Feierei aber nix mehr zu tun. Hauptsächlich gehts um Licht, weiße Nachthemden, süßes Gebäck und ganz viel Freude. Und da bin ich dabei!

Ich liebe es einfach, wenn meine Küche aus allen Nähten platzt, weil auf Bänken, Hockern und Stühlen dicht gedrängt meine Herzensmenschen sitzen und lachen und essen und trinken.

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In den Tagen vor meinem Luciafest stehen zwischen all meinen Alltagsbaustellen deshalb auch stundenlange Vorbereitungen an.
Da backe ich Zimschneckenkekse und schleppe an den staunenden Arschkrampen kistenweise Wein, Wodka, Saft und Gewürze für den Glögg vorbei

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Am Tag selbst werden Hefe, Mehl, Butter und Milch zusammengerührt, stundenlang voller Hingabe geknetet, gehen gelassen und wieder geknetet … auch Hefeteig braucht Liebe!

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Und nur so bekommt man locker-luftiges Zimt-Zupfbrot und die weltbesten Zimtschnecken (jaja, ich weiß: Eigenlob stinkt …)!

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Wenn dann all die harte Arbeit getan ist, und sich die Arschkrampen noch mal ordentlich augeruht haben, …

IMAG1014… verwandel ich mich in Lucia ….

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… und meine Butze in ein Lichtermeer!

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Und die Gäste können kommen.

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Ruckzuck ist die ganze Butze erfüllt von Lachen, Licht und jeder Menge Liebe.

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Sooo schön!

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Und schneller als ich gucken kann, ist es plötzlich mitten in der Nacht – die Glöggtöpfe sind leer bis auf den letzten Tropfen, das Buffett restlos geplündert …

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… und ich sitze alleine, beseelt, mit nem Bierchen in der Hand und Lichterkrone auf dem Kopf in meiner Küche und lächle. Denn ich weiß, im nächsten Jahr feiern wir das Leben weiter!