Endlich! Jane Gardams „Ein untadeliger Mann“ ist heute erschienen.

Ich bin ja im Allgemeinen schon ziemlich buchversessen. Aber nach manchen Büchern bin ich noch verückter als nach anderen … Das hier ist so ein Fall. Ich habe es schon vor Monaten als Vorabexemplar lesen dürfen und war sowas von den Socken, aber lest selbst:

Ein untadeliger Mann

Jane Gardam, Ein untadeliger Mann, Hanser. ET 24. August 2015
Was für ein literarisches Kleinod! Der Roman umfasst knapp ein ganzes Jahrhundert und beschäftigt sich mit der Kolonialzeit Englands und den Schicksalen der sogenannten Raj-Waisen.
Jane Gardam ist in England eine literarische Sensation und veröffentlicht seit über 30 Jahren erfolgreiche Bücher, die vielfach ausgezeichnet wurden. Warum bereichern ihre Bücher erst jetzt den deutschen Markt?
Protagonist und gleichzeitig titelgebend ist der untadelige Mann Edward Feathers, ehemaliger Kronanwalt in Hongkong und selbst Raj-Waise. Am Anfang erschaudert der Leser noch vor der emotionalen Kälte, die vorherrscht – überall! – Schritt für Schritt, Seite für Seite beginnt er aber, zu verstehen … Ein wunderbarer Schmöker. Leicht lesbar, mit viel Input und großem Sog!

Ich hoffe sehr, dass bald noch mehr Romane von Jane Gardam übersetzt werden …

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Die Meise

Der kleine Körper liegt regungslos auf dem staubigen Boden.
Die abgespreizten Flügel sind ungesund abgewinkelt. Die Augen leere Höhlen.
Überall liegen Federn. Ein paar davon lugen aus dem Maul des struppigen Grauen. Er scheint stolz.
Abgemagert und von Krankheit gezeichnet, ist ihm gelungen, in der Küche eine Kohlmeise zu erlegen.

Blaubären

Das Klingeln riss sie von ganz unten heraus. Sie brauchte keine Sekunde, um sich zu sammeln und loszustürmen.
„Ja!“, rief sie atemlos in den Hörer, den sie nach dem zweiten Klingeln in der Hand hielt.
„Du bist aber schnell heute Morgen“, wunderte sich der Mann am anderen Ende.
„Kein Wunder“, schnaufte sie. „Ich bin einfach weitergerannt. Weißt du, ich war gerade sowieso auf der Jagd nach Blaubären.“