Gelesen im Juli

… in der Rückschau betrachtet: nicht sehr viel. Auch wenn der gut 1000-Seiten-Schmöker „Der Distelfink“ dabei war.
Mein Kopf war einfach zu voll mit anderen Dingen, aber auch das kann ja mal passieren, ne?

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Und jetzt die Liste mit meinen Kurzeinschätzungen:

Michele Serra: Die Liegenden. -> Monolog des 50-jährigen Vaters eines 18-Jährigen und Kritik an dessen Lebensstil … Die Frage bleibt nur: Bin ich zu alt oder zu jung? :-D

Donna Tartt: Der Distelfink. -> Grandios! Lesen! Und sich nicht von den über 1000 Seiten Umfang abschrecken lassen.

Barry Jonsberg: Das Blubbern von Glück. -> Hach, wunderschön! Nicht unbedingt leichte Themen für ein Buch für 10-jährige Kinder (Autismus, Tod …), aber wunderbar umgesetzt. Mit Recht preisgekrönt. Lesen!

David Leviathan: Letztendlich sind wir dem Universum egal. –> Wow! Schwer zu beschreiben … Ein Junge (?) wacht jeden Tag im Körper eines anderen Jugendlichen auf und verliebt sich plötzlich. Er kann allerdings nicht bleiben, sondern muss weiter reisen. Entgegen aller Erwartungen kein kitschiges Ende. Traurig, aber glücklich traurig.

Lori Nelson Spielman: Morgen kommt ein neuer Himmel. -> Puh! Vorhersehbar, kitschig … Ich habe es trotzdem zu Ende gelesen.

Stefan Casta: Am Anfang war das Ende. -> Ganz anders als erwartet, am Anfang etwas wirr … ziemlich spannend.

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Ein Monstertag

Immer dann, wenns besonders voll ist auf dem Tisch, die Arbeitsberge nur noch in die Höhe zu schnellen scheinen und auch sonst kaum irgendwas zu bewältigen ist … genau dann ist die  richtige Zeit für einen Ausbruch! Einfach mal heimlich einen Tag verschwinden, die Brocken fallen lassen und den Krempel Krempel sein lassen!

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Kein „Aber, ich muss doch …!“ – Nein! Lass doch mal los!

Und so wirds gut:
Man nehme die Landkarte des am schnellsten zu erreichenden Lieblingslandes und fahre mit dem Finger die Küste entlang. Bei welchem Ortsnamen macht dein Herz einen Hüpfer?

Meins ist wild gehopst, als meine Augen MONSTER an der niederländischen Küste entdeckten. Noch nie gehört, klingt spannend und toll. Wie großartig! Kurz entschlossen habe ich die 3 wichtigen Bs* eingepackt und los gings.

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Alles, was mit Arbeit zu tun hat, wurde nicht mitgenommen. Dabei hat mich sogar mein Drucker unterstützt, der in der Nacht davor die Seiten meines aktuellen Manuskripts einfach nur noch halb bedruckt hat. Guter Kerl!

Kaum in Monster angekommen, wusste ich, wie gut die Entscheidung war: kleine schnuckelige Gassen und Häuschen, alte Bäume, ein paar Kirchen, ein gut sortierter Supermarkt und richtige Dünen!

Ab zum Strand!

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Weil es ja ein vernünftiger Ausflug werden sollte, habe ich den Tag mit einem ausgewogenen Frühstück begonnen.

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Und dann gings ins Meer. Gefühlt stundenlang stand ich einfach im schulterhohen Wasser, den Blick gen Horizont gerichtet und habe mich dem Rhythmus der entgegenkommenden Wellen überlassen.

Der Schreibtisch rückte immer weiter weg und auch alles andere spielte keine Rolle mehr. Nur ich und die Wellen.

Als Ausgleich ein paar Seiten lesen … und wieder ins Meer. Stundenlang. Nicht auf die Uhr gucken. Herrlich!

Zum Abschied gab es noch ein isotonisches Getränk und die obligatorischen Fritjes.

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Und dann hieß es auch schon  „Tschüs, Monster! Es war schön mit Dir.
Ich komme bald wieder!“

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*Bikini, Buch und Bier.

Geister der Vergangenheit

Sie tauchen immer dann auf, wenn du am wenigsten damit rechnest und sie auch absolut nicht gebrauchen kannst.

Sie erscheinen wie die unkontrollierbaren Pop-up-Fenster auf deinem Rechner, wenn du gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt bist: Die Erinnerungen an vergangene Tage, die so schön waren, dass du alleine schon beim sachtesten Gedanken daran auf der Stelle losheulen könntest wie ein Schlosshund, und es nur deshalb lässt, weil du nicht alleine bist.
Und sich die anderen sonst nur um dich sorgen würden.

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Situationen, in denen du merkst: Einer fehlt! Es ist nicht vollständig, so wie es ist.

Aber es ist nichts dran zu ändern, denn die Lebensuhr hat sich weitergedreht und ein jeder hat nun einen anderen Platz gefunden.
Das ist auch gut so. Trotzdem darf es manchmal weh tun. So wie eine längst verheilte Verletzung, die sich dann und wann doch noch mal meldet. Als würde eine kleine Stimme in dir hauchen: „Vergiss nicht, dass es war!“

Denn die Vergangenheit ist ein Teil von dir.

Kati bloggt von Sommerliebe!!!

Nach den eher melancholischen Tönen der letzten Zeit, ist es mal Zeit für ein bisschen positiven Schwung. Und den bringt meine Gastbloggerin Kati in die Bude.

UND JA: Es ist genau die Kati, an die ihr gerade denkt, kein Witz! :-)

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Es ist Sommer.

Der tut mir gut.
Es ist warm, man kann endlich flatternde Kleidchen tragen und schwimmen gehen.
Das macht mich glücklich.

Man fährt spontan ans Meer oder nach Feierabend einfach nur für ein Stündchen ins Freibad und kommt heim mit verbrannter Haut und freudestrahlend wie nach einer Woche Urlaub. Es gibt spontane Grillfeste und in jedem noch so kleinen Gärtchen stehen Planschbecken.

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Lange Abende mit Freunden am See oder im Park  bringen mehr Ausgeglichenheit als 100 Stunden Yoga.

Warum sind diese Tage so selten? Diese Tage, an denen man abends trunken vor Sonnenenergie nach Hause taumelt, dann vor lauter Wärme nicht schlafen kann und trotzdem am nächsten Morgen problemlos aus dem Bett hüpft und sich auf den Tag freut?

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So geht es nicht nur mir! Alle scheinen viel freundlicher und fröhlicher an diesen ECHTEN Sommertagen. Auch die Menschen, denen es schnell zu warm ist, und die die Sonne eigentlich nicht mögen.
Hab ich noch Wunschpunkte? Mehr Sommertage, BITTE!

P.S. Auch wenn mir klar ist, dass es höchstens noch halb so toll wäre, wenn es IMMER Sommer wäre ….

Im Supermarkt der Liebe

Wir haben den Glauben an die eine große Liebe verloren und gehen pragmatisch in die nächste Runde, die vermutlich nicht die letzte ist.

Wir nehmen dabei Kollateralschäden in Kauf, panzern unser Herz und stürzen uns kopfüber in den Supermarkt der Liebe, auf der Suche nach etwas Neuem, Besserem.

Wir geben gewünschtes Alter, Wohnort und Schulabschluss unserer Zielperson vor.
Und: Wir optimieren uns selbst – zumindest virtuell. Denken uns aus, wie dünn, wie alt und wie groß wir gerne wären und laden das Foto aus dem letzten Jahrzehnt hoch, auf dem wir uns so gut gefallen.
Und dann wundern wir uns beim ersten Treffen, wenn das Gegenüber sich selbst ebenso gepimpt hat und der Prüfung in der Realität nicht standhält.

Wenn wir einander dann in die Augen schauen, müssen wir uns entscheiden, ob wir mit dem Material arbeiten möchten oder den Buzzerknopf drücken und zurück auf Start gehen.

Für gewisse Zeit tun wir uns vielleicht zusammen, formieren uns zu einer Einheit, buchen Pauschalurlaub, bummeln durchs Möbelhaus des Lebens und wählen eine Lebensgarnitur aus. Unsere Bilder einer schönen heilen Welt kaufen wir im Baumarkt.

Das alles lassen wir hübsch in das Reihenhaus im Vorort liefern, in dem es doch so kinderfreundlich und praktisch ist.

Ein paar Jahre später … das vielleicht immer noch leere Kinderzimmer als Indiz unserer Inkompatibilität, bedrückend triste Vorstadthölle, Streit mit den Nachbarn, die Sofagarnitur durchgesessen, am Gegenüber satt gesehen, suchen wir frustriert das Weite und das Neue … graben erneut in unserer verstaubten Fotokiste, träumen uns ein neues Leben und suchen dafür ein neues Gegenüber mit möglichst wenig Altlasten.

Geplatzte Seifenblasen

Es gab eine Zeit, in der wir zu wissen glaubten, wie der Hase läuft.

Unsere Eltern hatten auf jede Frage eine Antwort, für jedes Problem eine Lösung. Im Sommer gab es Erdbeeren, Badestrand und Sommerferien. Im Winter hatten wir Schnee und gingen auf den Weihnachtsmarkt. Unser Kanzler hieß Kohl und Deutschland war Weltmeister.

Wir freuten uns auf den Geburtstag und auf Weihnachten. Schrieben Wunschzettel, schnitten Herzenswünsche aus dem Playmobilkatalog aus und wünschten uns Ponys mit abschließbarem Geheimfach.

Wir träumten vom Großsein. Ersponnen uns Pferde, Hunde, Häuser, Ehemänner und Kinder. Wollten endlich selbst entscheiden, immer das Richtige tun und auf jede Frage die Antwort kennen.

Unsere großen Dramen bestanden aus verlorenen Goldmedaillen vom Skifahren, zu kurz geschnittenen Ponys, zerrissenen Strumpfhosen und blutenden Knien.

Unsere Eltern lernten sich kennen, als sie noch halbe Kinder waren und blieben für immer zusammen. Heute brechen Herzen und Beziehungen reihenweise. Unsere Freunde sind geschieden und formieren sich zu neuen Patchworkfamilien mit Kinderwochenenden, geteilten Ferien und kalenderbestimmtem Leben.

Wir wissen noch immer nicht, was richtig und falsch ist und kennen weniger Antworten auf die Fragen des Lebens als je zuvor. Die Haare auf dem Kopf werden grauer, die am Kinn zahlreicher.

Wir haben vielleicht mehr denn je eine Sehnsucht nach einem guten Leben. Versuchen, uns selbst zu optimieren, um unsere Chancen darauf zu erhöhen und suchen nach der Wunderformel für das Glück.