Ich habe mein Herz verloren …

… und von dort, wo es nun ist, möchte ich es nicht wegholen, denn ich will doch so unbedingt wieder dorthin zurückkehren. Dabei bin ich gerade erst wiedergekommen. Aus Stockholm.

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Und haaach, war das schön! Bestes Herbstwetter mit ordentlich Sonne in einer traumhaften Stadt – was könnte es Besseres geben?! Vielleicht, ein paar Idole zu treffen bzw. sich doof grinsend neben deren Standbilder zu stellen …

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Die lustigen Gesellen, die mir hier und hier schon begegneten, sind mir im schwedischen Kinderbuchmuseum Junibacken über den Weg gelaufen.

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Besser gesagt bin ich einfach in ihr Haus gelatscht … Das kann man da nämlich ziemlich gut machen! Ich habe mich Stunden in dem Museum aufgehalten und hätte dort sicher gut und gern den ganzen Urlaub verbringen können.

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Aber ich wollte ja mehr sehen, zum Beispiel so schnuckelig-gemütliche Häuschen. Die findet man in Skansen. So ein schönes Freilichtmuseum, das gleichzeitig Freizeitpark und Zoo ist und dabei so unprätentiös, habe ich noch nie gesehen!

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Und fischen war ich auch noch – oder so ähnlich zumindest. Gekauft hab ich den Fisch dann aber lieber nicht …

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Mehr davon? – Ja, gibt’s. Bald!

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Der wichtigste Tag im Jahr

Heute vor 11 Jahren haben die Arschkrampen das Licht der Welt erblickt!
Damals noch blind, winzig und hilflos haben sie sich zur stattlichen Katern gemausert, die jede normalgroße Katze wie eine Bonsaimieze aussehen lassen.

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Mindestens so groß wie ihre Pranken ist ihre Liebe zu Menschen. Je mehr und je fremder desto besser. Besuch MUSS kuscheln, da kennen sie kein Pardon. Und mir folgen sie in der Wohnung auch überall hin und machen alles mit.

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Yoga mögen sie sehr – diese Asana heißt „umgefallener Kater“.

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Wenn ich am Schreibtisch sitze, können sie mich natürlich nicht im Stich lassen.

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Und auch beim Baden sind sie immer am Start. Da fällt mir ein, dass schon lange keiner mehr in die gefüllte Wanne geplumpst ist … Altersweisheit, oder so.

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Irgendwann haben sie aufgehört, unsere Umzüge zu zählen. Sie finden sich sowieso überall zurecht und finden alles toll! Haaach!

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Auch wenn ich gestehen muss, dass sie immer wieder für Ärger und Chaos sorgen und ich ohne sie sicher mehr Schlaf bekäme, möchte ich die beiden nicht missen. Happy birthday, Smurphymurph und Jerrycat!

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Identitätskrise und neue Bücher!

Hach ja, ich hab es echt schwer! So jammer ich gern mal vor mich hin. Was mir gerade besonders auf der Seele liegt ist die Frage nach meiner Identität – meiner beruflichen Identität.

Seit bald 17 Jahren führe ich eine leidenschaftliche Arbeitsbeziehung mit der Buchbranche. Und fast immer war der Buchhandel dabei – zumindest mit wenigen Stunden in der Woche parallel zu allem anderen. Das ist jetzt seit einigen Monaten nicht mehr so. Ich habe das so gewollt und selbst entschieden, denn es hätte ja anders und intensiver weitergehen können. Aber es gab und gibt gute Gründe für den Schritt und ich habe mich komplett für den Schreibtisch ausgesprochen. Da gibt’s für mich (eigentlich) auch keinen Weg zurück.

Ich bin leidenschaftlich Buchhändlerin und mache den Job gar nicht schlecht ziemlich gut. Wenn ich jetzt eine Buchhandlung betrete, muss ich mich deshalb auch dolle zusammenreißen, nicht die ganze Zeit Bücherstapel geradezurücken, Tische umzudekorieren und unschlüssig dreinschauende Kunden zu beraten. Ich muss zugeben: Es fehlt mir! Der Duft der frischen Bücher, das Geplauder mit den Kunden und vor allem:  immer als Erste zu wissen, was an Novis kommt, und die auch als Erste lesen zu dürfen.

Ich verkläre da jetzt nichts, denn es gibt auch genug Dinge, die ich NICHT vermisse: das lange Stehen, die doofen Arbeitszeiten, Kunden die einen wie den letzten Lappen behandeln …Spontan fällt mir da ein Herr ein, der an der Kasse sagte: „Hätten Sie mal was Anständiges gelernt, müssten Sie jetzt hier nicht stehen!“ … Von sowas gab’s ja auch mehr als genug. Und das hat mich oft geärgert.

Ärgern mag ich mich gerade aber nicht. Deshalb noch ein paar schöne Nachwirkungen: In meinen letzten Buchhandelsmonaten hab ich so einiges gelesen, das erst jetzt erschienen ist. Auf meinen „Gelesen im …“-Listen tauchten nur die Titel auf. Jetzt dann auch mal der entsprechende Senf dazu! Diesmal hab ich die Bücher doch noch als Erste gelesen! ;-)

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David Foenkinos: Charlotte (ET 31. August 2015)
Haaaach! Ich bin ganz begeistert! Ungewöhnliche, kurzgefasste, dadurch distanzierte Sprache und dennoch ganz nah dran. Die Geschichte der Jüdischen Malerin Charlotte Salomos, die 1943 in Auschwitz vergast wurde. Die tragisch-einsame Lebensgeschichte der jungen Frau, die sich einmal verliebt. In Alfred, den jungen Gesangslehrer ihrer Stiefmutter Paula. Die kurze Liason prägen Charlotte und ihre Arbeit. Obwohl sie Jüdin ist, wird sie auf der Berliner Kunstakademie angenommen. Preise, die sie gewinnt, werden ihr verwehrt. Sie bricht das Studium ab, flüchtet nach Frankreich, findet eine Mäzenin malt wie verrückt – und wird interniert. Ein kurzes, intensives Leben. Toller Roman!

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Caitlin Moran: All about a Girl. (ET 8. September 2015)
Noch ein großartiges Buch. Ein Coming of Age-Roman, Mischung aus Nick Hornby und Lola Betsky von Lily Brett. Autobiografisch angehaucht erzählt die Autorin die Geschichte eines Mädchens, das in den frühen 1990er Jahren seine Pubertät in einer Sozialsiedlung in Wolverhampton verbringt. Johanna Morrigans Familie lebt von Sozialhilfe und die übergewichtige Johanna teilt sich ein Zimmer mit ihren Brüdern. Sie hat Träume, möchte sich selbst erfinden und raus aus dem Ghetto. Lebensnah! Echt und fesselnd! Ich bin hin und weg!

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Emma Hooper: Etta und Otto und Russell und James. (ET 9/2015)
Was für ein Buch, in das man einfach so hineinstolpert. Der Sprachstil ist ungewöhnlich, mir fällt niemand ein, der ähnlich formuliert. Ist es naiv, kindlich? Oder was ganz anderes? Überraschendes Buch auf zwei Zeitebenen, sehr unterhaltsam und unvorhersehbar. Erinnert grob an den Hundertjährigen und an Harold Fry und ist doch ganz anders. Mir gefällt das Buch sehr gut. Die Frage ist, ob der Markt sich über noch ein alte-Männer-Reisebuch freut… auch wenn hier eine Frau reist. Aber die alten Männer gibt es dennoch. Im Gegensatz zu Harold Fry ist der Titel nicht so massentauglich, denke ich, wegen der reduzierten und poetischen Sprache und dem fehlenden Happy End.

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Lorenzo Marone: Der erste Tag vom Rest meines Lebens (ET 14. September 2015)
Ein alter Mann zieht Lebensbilanz. Er war nicht besonders nett (verstorbene Frau betrogen mehrfach, in deren Schwester verliebt, grummelig, grantig …). Nun entdeckt er seine Nächstenliebe und will eine geprügelte Ehefrau vor deren Mann retten. Doch vorher wird sie zu Tode geprügelt. Er bekommt einen Herzinfarkt und söhnt sich mit seinen Kindern aus. (Sohn ist schwul)
Es hat mir nicht gefallen und ich verstehe nicht, warum, der Verlag so einen Riesenhype um den Titel macht.

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Tecia Werbowski: Etwas fehlt. (ET 14. September 2015)
Ein kleines Büchlein über das Leben und die Liebe in verschiedenem Alter und mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Am Anfang war ich skeptisch und dann hingerissen von so viel Klugheit!

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Caleb Krisp: Little Miss Ivy. (ET 28.09.2015)
Netter, fluffiger Kinder-/Jugend-/Mädchenroman mit einer Prise englischem Humor und Fantastik. Ich finde ihn sprachlich nicht ganz konsequent und auch den Plot nicht ganz stimmig. Die Idee an sich aber gut. Schade. Man hätte mehr draus machen können.

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Katherine Heiny: Glücklich vielleicht. (ET 15. August 2015)
Bis vor zwei Jahren wusste ich nicht, wie sehr ich Erzählungen und Kurzgeschichten mag. Aber sowas von! Dieses Buch hat mir das wieder einmal bewiesen. Kluge, lebensnahe und dabei gleichzeitig so (meines) lebensferne Geschichten. Manche nimmt man mit und kaut noch ein Weilchen darauf herum. Eindrücklich und unaufgeregt. Chapeau! Ich habe ein aktuelles Lieblingsbuch!

Gelesen im Semptember 2015

Hui! Heute ist schon der 2. Oktober und ich habe noch nicht verlauten lassen, was im letzten Monat so alles auf dem Lese-Speiseplan stand. Also hole ich das mal  rasch nach.

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Im September war das echte Leben intensiv und in großer Fülle, sodass ich seltener in die Welt der Bücher abgetaucht bin. Aber das muss ja auch mal sein.

Benedict Wells: Fast genial.
Auch hier bin ich gefühlt die letzte, die das Buch gelesen hat. Oder?
Sehr kurzweiliger Roadmovie eines sehr jungen Autors. Der 17-jährige Protagonist reist mit zwei Freunden auf der Suche nach seiner Identität quer durch die USA. Seine depressive Mutter verrät ihm in einem Abschiedsbrief, dass er mit Hilfe einer Samenbank für Genies gezeugt wurde. Francis, genannt Frank, macht sich auf den Weg, das Geheimnis dahinter zu ergründen. Auf der Oberfläche. Darunter geht es um viel mehr. Um Selbstwert, Selbstbewusstsein und Akzeptanz zum Beispiel. Lesenswert!

Paul Maar: Ein Sams zu viel.
Hach, und hach und hach! Ein Sams-Rückblick-Buch. Zum einen in meine eigene Kindheit – was habe ich das Sams geliebt! – und zum anderen in die gemeinsame Vergangenheit von Herrn Taschenbier und dem Sams. Damals war Herr Taschenbier noch Junggeselle und Frau Rotkohl ebenfalls Single. Da tauchte plötzlich ein zweites Sams auf. Das hatte sich Herr Taschenbier versehentlich mit dem allerallerallerletzten Wunschpunkt gewünscht. Und dieses neue Sams ist lieb und nett und schüchtern – und mag keine Wurst. Alles in allem also das absolute Gegenteil vom „richtigen“ Sams. Deshalb wohnt es auch bei Frau Rotkohl und nicht bei Herrn Taschenbier. Dass es da zu allerlei witzigen Verwicklungen kommen muss, kann man sich ja denken …

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Bettina Baltschev: Ein Jahr in Amsterdam.
Amsterdam ist ja eine meiner liebsten Städte und ich war schon viel zu lang nicht mehr dort. Ein guter Grund, um zumindest in Buchform mal wieder dorthin zu gelangen. Die Reihe „Ein Jahr in …“ ist dafür ja immer ziemlich gut geeignet. Und jetzt habe ich leider wieder Fernweh …
Auf meinem Lesestapel liegen aus der Reihe akut noch Stockholm und Istanbul. Wie gut, dass beide Städte noch in diesem Jahr auf meiner Reiseliste stehen.

Veronika Beer: Ein Jahr in Stockholm.
Dieses Jahr steht ja noch eine Reise nach Stockholm an – Ein guter Grund also auch aus der Reihe diesen Band zu lesen. Leider hat mir der Stil von Frau Beer, die ja u.a. für die Süddeutsche und ZEIT online schreibt, so gar nicht zugesagt. Ich habe zwischendurch immer wieder den Faden verloren und empfand den Text durchgängig als anstrengend zu lesen. Schade! Ein gutes Beispiel dafür, dass eine gute Reihe allein noch kein gutes Buch macht. – Nach Stockholm fliege ich natürlich trotzdem.

Unda Hörner: Auf nach Hiddensee! Die Bohème macht Urlaub
Ich liebe das Meer und ich interessiere mich für Künstlerleben. Da war klar, dass das kleine, hübsche Bändchen der Edition Ebersbach was für mich ist. Kurzweilig, spannend und kenntnisreich schließt die Autorin einen Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute, schreibt über Gerhart Hauptmann und Thomas Mann, die sich nicht so grün waren, über den Stummfilmstar Asta Nielsen, Käthe Kruse, die Malweiber und viele mehr. Ein spannender Rundumblick, der gleich Lust darauf macht, den Koffer zu packen und loszuziehen.

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