Der Verdacht drängt sich auf: Sie sind nicht mehr alleine (über)lebensfähig

Was mag sich nur hinter dieser höchst dramatiös klingenden Überschrift verbergen? – Falls sich jemand Gedanken macht: Keine Sorge, es ist alles in Ordnung.
Trotzdem ist es wahr. Und worum gehts? – Um die Arschkrampen natürlich! Es gab ja auch schon lang keinen Catcontent mehr …

Während sich das Flummimädchen tapfer schlägt – oft genug im wahrsten Sinne des Wortes – sind die grauen Herren in letzter Zeit ziemlich verpeilt.

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Es fing damit an, dass Jerry vor lauter Freude über Besuch seinen Hintern in Brand setzte. Aus Versehen versteht sich. Plötzlich schaffte er das jahrelang geübte auf dem Esstisch im Slalom um die Kerzen herumwinden nicht mehr. Nur der beherzte Flammen erstickende Handgriff des Besuchs verhinderte Schlimmeres. Jerry hat nichtmal was gemerkt. Obwohl alle kreischten und es noch stundenlang nach verbrannten Haaren roch.

Drei Tage später. Murphy eierte über denselben Tisch und wollte mitfrühstücken. Plötzlich ein surrendes Geräusch und der Kater schaute entsetzt und äußerst beledigt zur Kerze, die die Haare an seinem linken Ohr versengt hatte. Böse Kerze! Klar. Für fünf Minuten merkte er sich das. Dann musste ich das andere Ohr in Sicherheit bringen.

Letzte Nacht. Ich erwachte um 4:30 Uhr von jämmerlichem Maunzen, stetig anschwellend. Jemand war hinter das Bett gefallen und wusste nicht mehr, was er tun soll. Jerry. Er hörte und hörte nicht auf, zu jammern, bis ich mich aus meinem Traum gekämpft hatte und ihn rettete.
Jerry, du wusstest doch mal wie man sich zwischen den Bücherkisten unterm Bett ins Freie rettet?! Und auch, wie du zurück ins Bett klettern kannst. Dir war auch schon mal klar, dass sich hinter der Wohnungstür nur der kalte Hausflur verbirgt und nicht etwa ein Katzenparadies. Es gab Zeiten, in denen hast du mit bösen Blicken und fauchend um dein Futter gekämpft und es nicht kampflos allen anderen überlassen …

Meine lieben, alten Kater werden tüddelig. Auch wenn ich es nicht so ganz wahrhaben will.

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Bücher, Bücher, Bücher!

Der Postbote hat soeben schwer geschleppt. Gleich vier Päckchen mit neuen Büchern hat er mir gebracht! Haaach, was für eine Freude.
Auf neue Bücher muss man anstoßen, das gehört sich so. Mit Minz-Ingwertee geht das ganz vortrefflich.

So, jetzt aber mal Butter bei die Fische und hergezeigt die neuen Bücher:

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Ganz links – und leider etwas überbelichtet – ein superschönes kleines Heftchen, das im Kaufmann Verlag erschienen ist: Jeder Tag ist einmalig von meinem Alter Ego Johanna Stange (mein Pseudonym, mit dem ich an meine Großmutter erinnere). Darin sind Zitate, Gedichte und alle möglichen klugen Aussprüche, die ich zusammengesammelt habe. Es geht um Glück und darum, das beste aus jedem Tag zu machen und das Leben zu genießen! – Klug, oder? Rilke ist natürlich auch drin …

Rechts daneben seht ihr einen Tag am Meer! – Schön, ne?  Das ist ein Film, der speziell für die Bedürfnisse von Demenzkranken gemacht wurde. Ich durfte dazu das Begleitheft schreiben. Dafür habe ich den Film ein paar Mal angeschaut und konnte mich an den schönen Bildern gar nicht satt sehen. Ich mag das Meer ja sehr … Haaach!
Letztes Jahr hat der Verlag an der Ruhr schon einen ähnlichen Film veröffentlicht: Eine Wanderung in den Bergen. Ich war eingeladen zur Premiere ins Essener Filmstudio Glückauf und konnte dort live sehen, wie gut der Film bei den Demenzkranken ankam.

Die beiden rechten Bücher sind auch aus dem Programm für Demenzkranke im Verlag an der Ruhr. Es sind 5-Minuten-Vorlesegeschichten. Den Band Leibgerichte hat meine liebe Kollegin und Freundin Birgit Ebbert geschrieben und ich war ihre Lektorin dabei. Das war ein witziger Zufall und wir hatten bei der Arbeit unseren Spaß.
Die Tiergeschichten daneben stammen aus meiner Feder. Das war vielleicht eine Freude, als mich der Verlag für dieses Thema angefragt hat! Mal wieder ein Herzensthema. Mir die Geschichten auszudenken und zu schreiben, fiel mir nicht schwer. Ich habe auch ein paar eigene Erfahrungen „verwurstet“, aber noch jede Menge dazugedichtet.
Die Geschichten hatten ja vor kurzem erst Premiere in einer Essener Alteneinrichtung und haben meine 50er-Jahre Geschichten, die im letzten Jahr erschienen sind, problemlos ausgestochen. Ich sags ja: Catcontent zieht immer. :-D

Montag ist Schontag!

„Nein!“, höre ich euch schreien. „Montag ist 10 Gründe-Tag!“
„Jetzt nicht mehr“, antworte ich euch und füge hinzu: „auch kein Schontag, aber das hat sich grad eben so schön gereimt.“

Jemand, der einen so chaotischen und anstrengenden Tag (eigentlich noch nicht ganz) hinter sich hat, der darf auch mal ein bisschen dummes Zeuch schreiben, finde und entscheide ich. So!

Ab jetzt ist Montag Überraschungstag. Sage ich. Zumindest für euch. Für mich war gestern schon Überraschungstag, denn ich bekam ganz ohne Grund, ganz einfach so, ein ganz famoses Geschenk. Wer hier fleißig mitliest, ahnt, was es ist … Der Sonntag war ein guter Tag. Das war auch nicht schwer, denn die davor waren Arschkrampen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte …

Der Überraschungstag. Ja, was gibts es denn da? – Für euch gibt es heute ein Geschichtchen von mir. Viel Spaß!

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Oliver schwitzte, als er die Glastür zum Geschäft aufstieß. Die schwere Tüte drohte aus seinen feuchten Fingern zu gleiten. Wie sollte er das jetzt nur hinbekommen? Zaghaft ging er drei Schritte über den weichen Teppich und blieb dann stehen.

Vor erst zwei Stunden hatte er genau an derselben Stelle gestanden. Aus einer spontanen Laune heraus hatte er den Laden betreten. Das tat er sonst nie alleine, ohne Antje. Warum eigentlich nicht, hatte er sich aber gedacht, als er die Sonderangebote in den frischen Farben im Schaufenster im Vorbeigehen entdeckt hatte.
Die attraktive Verkäuferin hatte ihm geschmeichelt, als er ein Jackett nach dem anderen probierte und ihm zu seiner Kaufentscheidung gratuliert. Beschwingt hatte er den Laden mit der großen Tüte in der Hand verlassen.

Doch dann war er nach Haus gekommen und hatte Antje seinen Schnäppcheneinkauf präsentiert. Die hatte ihn entsetzt angesehen, bevor sie lospolterte: „Was soll das denn sein? Ein KARIERTES Sakko?? Also wirklich, Oliver! Das ist ja lächerlich.“ Er fühlte sich jetzt noch ganz klein, wenn er daran dachte.
Antje hatte ihn wie einen Schuljungen zurückgeschickt in das Geschäft, um das Jackett zurückzubringen. Dabei hatte er genau gewusst, dass er es nicht würde umtauschen können. Aber sie hatte ja – wie so oft – einfach nicht zuhören wollen.
Er traute sich nicht, mit der Tüte wieder zurück nach Hause zu kommen. Kurz hatte er überlegt, sie einfach in einen Mülleimer zu stopfen oder einem Obdachlosen in die Hand zu drücken, aber Antje wollte das Geld sehen. Also blieb ihm nicht anderes übrig, als es zumindest zu versuchen.

Er sah die nette Verkäuferin von vorhin. Sie klebte Etiketten auf Oberhemden, die sie nacheinander aus einem großen Karton zog und in ein Regal einsortierte. Oliver stellte sich neben sie, doch sie bemerkte ihn nicht. Er trat von einem Fuß auf den anderen und räusperte sich. „Entschuldigung!“, flüsterte er. Da drehte sie sich um.

P.S. Die 10 Gründe sind nicht abgeschafft, aber sie brauchen eine kleine Pause, ihr ja vielleicht auch von ihnen …

10 Gründe …

… aufgeregt zu sein!

Es gibt viele Gründe, mal nervös zu sein. Ein erstes Date, die wichtige Prüfung oder eine große Reise …
Für mich gab es in der letzten Woche einen großartigen Moment, der es richtig wert war, dass meine Knie geschlottert haben.

1. Mein neues Buch ist erschienen! Das ist immerimmerimmer aufregend, aber diesmal …

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2. … gab es zwei Tage vor dem offiziellen Erscheinen eine Buchpräsentation …

3. … und eine Lesung.tiere

4. Und zwar an einem besonderen Ort: im Essener Seniorenheim Martineum, …

5. … vor rund 45 demenzkranken Senioren, ihren Angehörigen und Mitarbeitern der Einrichtung.

6. Meine erste Lesung aus meinen Vorlesegeschichten für Demenzkranke! *schlotterschlotter* Würden ihnen die Geschichten gefallen? Würden sie mir zuhören? Mich ausbuhen?

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7. Und dann kamen ja auch noch zwei Mitarbeiterinnen vom Verlag an der Ruhr …

8. … meine Stimme hatte sich schon zwei Tage zuvor in ein Reibeisen verwandelt! Ohje, ohje … Das konnte ja was werden!

9. Ich bin – selbstverständlich – erst auf den letzten Drücker am Martineum vorgefahren, … ging irgendwie nicht anders ..

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10. … und meine aufwändige Flechtfrisur löste sich natürlich bereits im Auto auf. Den Thermobecher mit Salbeitee hatte ich in meiner Küche stehengelassen. Was sollte das nur geben?!

Und? – Jaaa, es gab einen ganz wunderbaren Nachmittag mit entspanntem und aufmerksam lauschendem Publikum, das gerne mit mir über Eissorten und Tiere plauderte. Dass ich meine Kuhgeschichte (eine meiner liebsten!!!) nicht vorlesen durfte – O-Ton: „Ich mag keine Kühe!“ – hat dem Spaß keinen Abbruch getan.

Zum Schluss bekam ich tolle Komplimente für meine Geschichten und mein Wissen über die 50er-Jahre – „Dafür sind Sie ja so RICHTIG zu jung!“ -, meine Vorlesestimme (Ha! Die sollten mal meine Nicht-Krächze-Stimme hören! DIE ist ne richtige Bombe!) und: für mein Kleid!!!

Haaach, ja! Aufgeregt sein ist anstrengend, aber meistens passieren dann doch die richtig schönen Dinge, oder?

P.S. Eigentlich wollte ich ja 10 Gründe, aus denen ich dringend eine neue Handtasche (und zwar die da) brauche, schreiben. Aber jemand meinte, das wirke so, als habe ich nix zu sagen …. *grummelgrummel* Dann nicht! Die Tasche will ich trotzdem, alleine schon, weil gaaanz bald eine Reise in eine große, tolle Stadt ansteht. So, das war n Teaser!

Gelesen im Januar 2015

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André Herzberg: Alle Nähe fern. ET 2015

Rocko Schamoni: Tag der geschlossenen Tür. Kaum zu glauben, aber mein erster Schamoni. Hat mir sehr gut gefallen. Kurzweilig, spannend-verrückte Ideen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass ich mehrere dieser Bücher nacheinander als anstrengend empfinde.

Sonia Laredo: Das Glück der Worte. Poetischer Roman über Bücher, die Liebe und das Leben. Zeitweise aber schon ein bisschen sehr kitschig …

Ian McEwan: Kindeswohl. Toller Roman! – Ich habe ihn in einer bzw. in zwei Lesesitzungen durchgelesen und war begeistert. Wie immer ist McEwan nah an den Menschen und nimmt sich nicht gerade einfacher Themen an. Chapeau und Leseempfehlung!

Nick Hornby: Miss Blackpool. Netter Roman. Aber sagt man das über jemanden, der schon wirklich Tolles geschrieben hat!? Das Szenario der 60er Jahre in London ist spannend und interessant. Seine Hauptfigur aber verliert Hornby im Trab. Ist vielleicht gar nicht sooo übel, weil Hornby aus männlicher (oder wechselnder) Perspektive einfach besser ist. Trotzdem fehlte mir was. Nice to have – würde sich sagen. In spätestens 2 Monaten werde ich mich an Details des Inhalts nicht mehr erinnern können …

Martin Suter: Montecristo. Erscheint am 25. 02.2015 Es juckt mich schon in den Fingern, meinen Senf dazuzugeben …

Rocko Schamoni: Fünf Löcher. Ein trauriger Schamoni. Zwar mit humorigen Momenten, aber zurück bleibt ein schales Gefühl von ruiniertem Leben. Klug angelegt und entfaltet: das Leben von Paul, einem alten, verkommenen, alkoholabhängigem Pleitier, – einmal im hier und jetzt und einmal in Form seiner Tagebücher als 17-Jähriger. Am Schluss fügt sich alles zusammen und hinterlässt den Leser – und Paul mit den Scherben des Möglichen. Was hätte sein können?! Paul zieht daraus nur einen möglichen Schluss. Kein schlechter Roman, aber auch nicht der beste Schamoni.

Rainbow Rewell, Eleanor und Park. Ein Jugendbuch, das schon in der Originalausgabe viel Furore gemacht hat und mir mehrfach ans Herz gelegt wurde. Irgendwie eine klassische Außenseiterliebesgeschichte und dann wieder doch nicht. Zart und behutsam nähert sich der Roman verschiedenen zentralen Themen der Adoleszenz ohne peinlich zu wirken. Vereint wird so einiges: Patchworkfamilien, Alkoholimus, Missbrauch, Herkunftsunterschiede, Migration … und natürlich die Liebe. Wie sie sich sanft und fast unbemerkt anbahnt und dann zu einer großen Kraft wird.
Aber: Auch in diesem Buch ist mir ein Happy End nicht vergönnt. Die Realität schiebt sich dazwischen. Andereseits hätte ich Rainbow Rewell ein Happy End auch nicht verziehen.

Stefan Bachmann: Die Wedernoch. Der zweite (und letzte) Teil der Steampunk-Reihe (ist es das überhaupt?) Ich hatte Schwierigkeiten, reinzukommen. Obwohl das Buch gut angelegt und geschrieben ist, ist es nicht so meins … Ich habs immerhin versucht!