Gelesen im Februar 2016

 

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Juli Zeh, Unterleuten // gelesen im Januar, jetzt pünktlich zum Erscheinungstermin mein Senf dazu:
So ein tolles Buch – wobei es nicht unbedingt als „schön“ zu bezeichnen ist, weil es die menschlichen Abgründe an die Oberfläche spült.
Die Handlung ist gar nicht so aufregend: Dorfleben in Brandenburg. Zugezogene Großstädter treffen auf Alteingesessene, die wiederum in ihrem ganz einen Sumpf leben. Plötzlich kommt von außen die Ansage, dass auf dem Gelände des Dorfes 10 Windräder gebaut werden sollen – das bedeutet Steuergelder für die Kasse und Kohle für denjenigen, auf dessen Land gebaut wird. Für alle anderen gibt es nur Nachteile: der Grundstückswert sinkt, die Aussicht wird hässlich, Lärm entsteht und Vogel, wie den unter Artenschutz stehenden Kampfläufer, geraten in Gefahr. Das alles löst ein Grummeln in den Eingeweiden der Dorfgemeinschaft aus. Jeder lotet seine Vor- und Nachteile aus, Allianzen werden gebildet und Feindschaften fokussiert.
Die Kapitel der über 600-seitigen Schwarte werden abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Dorfbewohner erzählt. Das macht das Ganze so spannend und aus dem Roman einen Gesellschaftsroman, wie Verlag und Autorin das Buch nennen. Ich bin durch das Buch nur so geflogen und war wie gebannt. Von den Titeln, die ich bisher für 2016 gelesen habe der beste!

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Ann Patchett: Aus Liebe zum Buch
Ein wunderhübsches kleines Bücherbuch aus dem Atlantik-Verlag. Allein in das Cover hatte ich mich auf Anhieb total verknallt! Den Inhalt muss man kleine Geschichte oder kurzen Bericht nennen. Für eine Erzählung ist er definitiv zu kurz. Die Autorin Ann Patchett berichtet darin, wie sie zu ihrer eigenen Buchhandlung kam. Ausgangssituation war die Schließung der letzten Buchhandlung in Nashville. Patchett wollte das nicht hinnehmen und stellte zusammen mit einer Partnerin aus der Buchbranche ein Konzept auf die Beine. Ein großes Plädoyer für unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen, eine spannende Gründungsgeschichte und der Beweis dafür, wie sehr Menschen Buchhandlungen lieben.

Sarah Kuttner: 180° Meer
Beeindruckender Lesestoff, wenn auch nicht als „schön“ zu bezeichnen. Jules Beziehung zerbricht an ihrer Untreue, sie wirft ihren lausigen Job als Nachtclub-Sängerin hin, flieht vor ihrer egozentrisch-nervigen Mutter und haut nach London ab zu ihrem Bruder. Jule will zu sich kommen, ihr Leben sortieren und gleichzeitig vor so vielem die Augen verschließen. Das, wonach sie sich sehnt, ist das Meer. Aber nicht das sonnig-fröhliche Wasser, sondern das graue, windumtoste Meer des Herbstes. Das findet sie in der Nähe von London, genau wie ihren krebskranken Vater Michael, der vor Jahren die Familie verlassen hat, und dem sie seitdem konsequent aus dem Weg geht. Auf Drängen ihres Bruders sucht sie Kontakt, will die Vergangenheit klären. Naja, wie das wohl funktioniert, kann sich der geneigte Leser denken … Zum Glück ist da immer wieder das Meer. Und der Hund Bruno, der Außenseiter, den Jule der desinteressierten Mitbewohnerin ihres Bruders abgenommen hat …

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Bov Bjerg: Auerhaus
Ein hübsches Cover hat das Blumenbar-Buch. Und noch mehr: Es liest sich gut, Es ließ sich buchstäblich so wegzischen. Aber ehrlich gesagt ist das auch „nur“ ein neuer, nicht schlecht geschriebener Coming of Age-Roman, der in den 80ern spielt, finde ich. Ich habe irgendwie das Gefühl, schon eine Menge in der Richtung gelesen zu haben. Vielleicht bin ich auch einfach zu alt … Also den Hype darum kann ich nicht recht nachvollziehen. Da hat der Zufall eine große Rolle gespielt – denn so einzigartig finde ich den Roman nicht. Gut ist er trotzdem!

Ellen Berg: Mach mir den Garten. Hörbuch
Als Begleiter für Hausarbeit und Arbeit an Exceltabellen war es ganz nett, das Hörbuch. Im Ganzen aber doch sehr seicht und berechenbar, aber das ist nun mal auch das Genre. Mir hat es jedenfalls ein paar amüsante Stunden beschert.

Lot Vekemans: Ein Brautkleid aus Warschau
Ein eindrücklicher Roman. Die niederländische Bühnenautorin Lot Vekemann hat ein Gespür für menschliche Sehnsüchte und Abgründe. Beides kam ihr zu Gute, als sie den Roman um die polnische junge Frau Marlena schrieb. Nach einer Sommerromanze verschwindet der polnischstämmige Journalist, in den sich Marlena verliebt hat, wieder in die USA. Er verspricht, zurückzukommen, sie zu holen … doch er kehrt nie wieder. Stattdessen ist Marlena schwanger. In ihrer Verzweiflung sucht sie sich über eine Vermittlungsagentur einen niederländischen Bauern. Sie zieht auf seinen Hof und heiratet ihn. Die Ehe bleibt platonisch. Bauer Michiel zieht Marlenas Sohn Stan wie seinen eigenen auf, obwohl beide wissen, wie unmöglich das ist. Eines Tages fährt Marlena mit Stan nach Polen, eigentlich für ein paar Tage. Daraus werden Wochen und Monate. Marlena kommt Geheimnissen auf die Spur und stellt sich ihrer Vergangenheit. Große Leseempfehlung von mir!

Ayelet Waldmann: Der Schlaf der Gerechten
Ja, das war irgendwie eine Instagram-Empfehlung. Dort hatte eine Frau einen kurzen Textauszug gepostet und ich wollte das Buch gleich lesen. Ein kleiner, feiner, gemütlicher Krimi rund um Juliet Applebaum, eine frischgebackene Mama und Privatermittlerin. Hat Spaß gemacht!

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