Gelesen im Juni 2015

Ich hab ’ne Krise. Ne echte Krise. Eine Lesekrise! Statt eine Seite nach der anderen umzublättern, schlafe ich momentan viel lieber. Sobald ich es mir mit einem Buch in der Hand gemütlich gemacht habe, fallen mir die Augen zu! Deshalb habe ich im Juni auch echt nicht viel gelesen. Dabei liegen auf meinem Stapel ungelesener Bücher doch noch sooo viele schöne Sachen … Jetzt aber erstmal der Leserückblick für Juni! Wie ich mich kenne, schaffe ich es heute nämlich nicht, auch nur eine einzige Seite zu lesen. IMG_20150512_112914 Bronnie: 5 Dinge, die Sterbende bereuen Puh! Bestellerlistenbuch mit tollem Titel. Drinnen. Sehr amerikanisch. Ich habs zwischendurch weglegen müssen, weils mir ZU begeistert und zu aalglatt vorkam. Schade, denn die 5 Thesen an sich sind gut! Fazit: Es genügt, das Inhaltsverzeichnis zu lesen und sich eigene Gedanken zu machen. Hätte ich auch tun sollen – hätte ich mich weniger geärgert.

Frank Berzbach: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen.
SO ein tolles Buch!!! Keine Anleitung, um kreativ zu sein und kreativ zu arbeiten, sondern eine Inspiration, ein achtsames Leben zu führen und nicht einfach immer weiter zu gehen, sondern darüber nachzudenken, wohin man seinen Fuß setzt. Ich hätte auf jeder Seite am liebsten gleich mehrere Sätze unterstrichen, weil ich mich so mit ihnen identifiziert habe. Auf den ersten Blick dachte ich: Ach, was für ein Hipster-Buch. Und es stimmt, das Design ist schon ziemlich hipstermäßig mit all den geometrischen Formen. Aber der Inhalt ist – zumindest für mich – ziemlich zeitlos. Eine Leseempfehlung von mir an alle empfindsamen Menschen.

Sabine Bode: Nachkriegskinder Was für ein schwergewichtiges, spannendes und wichtiges Buch. Puh! Ich gehe mit noch mehr Fragen heraus als ich in die Lektüre hineingegangen bin. Und ich werde weiterlesen … IMG_20150625_000439 Toni Bernhard: Das wird schon wieder? Einfühlsamer Ratgeber für chronisch Kranke mit buddhistischem Ansatz aus der Perspektive einer chronisch Kranken. Ein wohltuendes Buch, das Achtsamkeit propagiert und sehr lebbare und anpassungsfähige Ansätze vorschlägt. Mich inspiriert es, mich weiter mit dem Buddhismus und mit Meditation zu beschäftigen.

Verena Lueken: Alles zählt. Und noch mehr Krankheit. Ein berührend-reflektierter Roman über eine Frau, die zum dritten Mal an Lungenkrebs erkrankt. Der Leser schlüpft in ihre Innensicht und begleitet die Protagonistin nach New York, an Erinnerungsorte der Vergangenheit und in die Welt der (amerikanischen) Literatur. Dort kennt sich Verena Lueken besonders gut aus, das merkt man. Harter Tobak und nichts für jeden Tag.

Nora Gantenbrink: Verficktes Herz Ein kleines, feines Büchlein mit tollen Kurzgeschichten. I am in loooooooove! <3 Würde „frech“ nicht so nach Muddi klingen, würde ich sagen, die Geschichten sind es. Sie sind überraschend, treffend, mal bissig und lassen den Laser dann und wann im Regen stehen. Was für ein atmosphärischer Lesegenuss! Als ich die letzte Geschichte gelesen hatte, war ich stark dazu verführt, das Buch gleich wieder vorne aufzuschlagen … IMG_20150618_023408

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say yes to new adventures!

Genau das habe ich getan. Ja, bitte, ein neues Abenteuer! Aber zackig!

Keine Weltreise, kein neuer Risikosport und auch kein neues Haustier.
Ich habe stattdessen mal wieder an der Arbeitsschraube gedreht und mich dafür entschieden, vorerst die Buchhandelsschüppe in die Ecke zu stellen, mich mehr dem Schreiben zu widmen und – einer komplett anderen Aufgabe, die ich vor sechs Wochen noch nichtmal ganz hinten in meinem Kopp hatte. (Wenn ihr lieb seid, löse ich diese ominösen Andeutungen bald auf. Versprochen!)

So ein Ichändermalebenschnelleinenteilmeineslebens kann ganz schön anstrengend werden. Das merke ich gerade. Es gibt so viel zu tun und zu erledigen, alles am besten gestern. Viel ist neu und muss geübt darf gelernt werden. Ich bin oft unterwegs und sitze noch öfter am Schreibtisch. Das alles gehört dazu und ist gut so. Altes muss noch abgeschlossen und Neues schon begonnen werden. Und es ist so aufregend und großartig, dass ich das einfach so tun kann, nur weil ich es will!

Gerade dann, wenn sich die Aufgaben stapeln und türmen, und man nicht weiß, wo man anfangen und wie man fertig werden soll, braucht man eine Pause. Heute war die ganz besonders nötig und ich musste unbedingt ins Café am Markt. Denn da wird man geerdet und da wohnt der Ruhrpott. Die selbstgebackenen Kuchenstücke sind so groß wie XXL-Schnitzel und ein normaler Kaffee kostet weniger als 2 Euro.

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Vor der Tür schlürfen Reinhards und Dieters ihren Kaffee und paffen was das Zeug hält. Unter dem Plastiktisch liegt eine Promenadenmischung und lauscht den Gesprächen über Autogramme von Pele und all die anderen kleinen Dinge, die die Welt bewegen.
Im Café selber steht stilecht alles rum, was sich in den letzten Jahrzehnten so angesammelt hat. Von Plastikblumen und Pinnchen über Ommas Couch und verschiedene Küchenstühle bis hin zu den wundervollen Häkeldeckchen. Das, was die Hipster-Stylo-Cafés mit viel Mühe inszenieren, ist hier einfach so passiert.

Im Hintergrund dudelt das Radio und am Tisch hinter mir macht ein Rentnerpärchen Kassensturz. „Für Tällefon bezahln wa 20 Mark im Monat“, liest die Frau vor und fragt ihren brummigen Mann besorgt, ob er es sich im Auto mit der Bild gemütlich machen will, wenn sie den Termin wegen ihrer Schulter hat.
Eine Frau kommt hineingehuscht, überlässt ihr Fahrrad unangeschlossen der Aufsicht der Reinhards und Dieters und ordert ein kleines Frühstück und das Käseblatt.

Der Pflaumenstreuselkuchen ist noch warm und der Kaffee ist genau so wie er sein muss. Ich lehne mich zurück und schlage mein Buch auf. Ganz ohne Ooohm und Meditation bin ich plötzlich entspannt und der glücklichste Mensch in dieser Stadt.