Immer vorwärts!

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Immer vorwärts! Deine Stärke
liegt in deiner eignen Brust,
nur dass du sie erst durch Werke
unermüdlich wecken musst.

Tändelnd hüpft mit Liebestönen
wohl der Bach durch flaches Land,
doch er stürzt mit Donnerdröhnen
nieder von der Felsenwand.

Erst bei jenen Hindernissen
fühlt er, dass er Stärke barg,
Eichen hat er mitgerissen!
Das bedenke! – und sei stark!

Lass nie ungenützt ein Heute
rasch entfliehn bei Lust und Scherz,
manches gute Körnlein streute
dir dein Schicksal in das Herz.

Lass ein jedes sorgsam reifen,
denn für jedes kommt die Frist;
so erst lerne, zu begreifen
wie unendlich stark du bist.

Tief aus deinem Innern ranke
mählich sich zum Licht die Saat,
erst Empfindung, dann Gedanke,
Wort hierauf und endlich: Tat!

Rainer Maria Rilke

Gelesen im November 2016

Ja, ich bin etwas spät dran mit meinem Leserückblick auf den November. Ich weiß.  Und dann ist er auch sehr übersichtlich geworden und eines der Bücher ist (noch) geheim. – Das ist gemein, oder?
Merken solltet Ihr Euch den Titel des noch nicht erschienen Buches aber jetzt schon. Ich setze darauf, dass er im nächsten Jahr ein „ganz großes Ding“ wird. Ich ziehe Vergleiche zu Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“. Da wisste Ihr Bescheid, ne? (Wenn nicht, dann lest mein Gelesen im Oktober 2016)
Ich bin derzeit mal wieder als Vorableserin dabei, allerdings als sehr schlechte, weil das (Autoren-)Leben im Augenblick recht wenig Zeit und Luft zum Lesen lässt.

Ada Dorian: Betrunkene Bäume, Ullstein Fünf ET: 24.02.2017

noch geheim!

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Jens Andresen: Astrid Lindgren – Ihr Leben, DVA

Im letzten Jahr bereits erschienen, wartete diese neue Biografie über Astrid Lindgren recht lang auf mich auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher). Warum eigentlich?! Hätte ich vorher gewusst, WIE toll sie ist, hätte ich mich nämlich garantiert früher daran gemacht.
In dieser Biografie bekommt man als Leser deutlich mehr Einblicke als in all den anderen zuvor erschienen Biografien über Astrid Lindgren. Besonders spannend für mich als Teil des deutschen Literaturbetriebs ist die Blick hinter die Kulissen des schwedischen Verlags Rabén und Sjögren, den Astrid Lindgren während Ihrer Mitarbeit dort wesentlich mitgestaltete. Ich las in anderen Biografien immer nur pauschal „halbe Stelle als Lektorin im Verlag“. Wie weit ihre Arme aber reichten und wie sehr sie über das Programm bestimmte und wie wenig sie akzeptierte, dass jemand anders an ihren Texten arbeitete – das war mir nicht bekannt. Auch die Tatsache, wie viel Unterstützung von anderen Frauen im Kultur- und Literaturbetrieb erfuhr, wusste ich nicht. So gab es eine Förderin, die unter anderem offenbar maßgeblich für den Erfolg Pippi Langstrumpfs und dann auch den Erfolg Astrid Lindgrens als Autorin war: Elsa Olenius. Eine umtriebige Grand Dame in der schwedischen Kulturszene würde ich sie nennen.
Auch spannend: Die genauen Umstände der Geburt von Astrids Sohn Lasse und seinen ersten Lebensjahren in Dänemark. Auch dies ist in anderen Biografien kurz abgehandelt worden mit den Informationen, dass Astrids deutlich älterer Chef bei der Tageszeitung der Vater des Kindes war, das in Dänemark geboren und dort drei Jahre aufgezogen wurde. Wie schwer Astrids Weg in den Jahren war, und was sie als so junge Frau alles schaffte – bewundernswert! Diese beiden Themen sind nur Beispiele für die Fülle, die Jens Andersen in seinem Buch behandelt und mit Blicken hinter die Kulissen versieht.

Eine Biografie, wie man sie besser nicht schreiben kann: Gut recherchiert, spannend formuliert und mit tollen Einblicken in das Leben der bekanntesten Kinderbuchautorin der Welt. Und bei all dem trotzdem weder indiskret noch zu privat, aber sehr persönlich. Ich bin hin und weg und würde sie am liebsten jedem von Euch unter den Baum legen, der sich für Kinderliteratur interessiert!