Gelesen im Juni

So, gerade ist mir aufgefallen, dass ich es tatsächlich schon ein Jahr lang durchziehe, monatlich alle Bücher aufzulisten, die ich gelesen habe. Wow! Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe.

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Daniel Schreiber: Susan Sontag. Geist und Glamour. -> Inspirierend! Ich hab für meine Verhältnisse ewig dafür gebraucht, weil der Text so dicht ist.

Ulf Nilsson/Gitte Spee: Kommissar Gordon – Der erste Fall. -> Für Kinder, die schon lesen können, aber noch bunte Bilder brauchen. Superlustige Geschichte mit viel Charme. Toll!

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung. -> Wunderschönes Cover, toll geschrieben

Christiane Rösinger: Liebe wird oft überbewertet. -> Ein Sachbuch der anderen Art, jenseits von Singlegejammer oder -glorifizierung. Leider nicht mehr lieferbar.

Jürgen Banscherus: Davids Versprechen. -> Krasses Thema, leider immer noch aktuell, sehr gut umgesetzt!

Jürgen Banscherus. Ein Fall für Kwiatkowski. Die Kaugummi-Verschwörung. -> Mein erster Kwiatkowski. Megawitzig. Hach, Jürgen! Könnt ich nur auch so schreiben …

Jürgen Banscherus: Valentin – Valentino. Spurensuche in Spanien. -> Spannender Roadtrip, Coming of Age

Thomas Montasser: Ein ganz besonderes Jahr. -> Sehr romantisch, lose Enden

Tanguy Viel: Das Verschwinden des Jim Sullivan. -> Genial. Habe ich so noch nicht gelesen. Der Verlag sagt treffend: „eine sehr unterhaltsame Parodie auf den amerikanischen Roman und zugleich eine große Hommage“, Filmbilder (und Klischees) im Kopf!!!

 

Und jetzt wird abgerechnet: 106 Bücher habe ich tatsächlich in den 52 Wochen gelesen. Ja, das sind ungefähr 2 pro Woche. Und wenn ich nicht so ein verflixtes Problem mit Zahlen hätte, hätte ich vermutlich auch die jeweiligen Umfänge notiert und könnte jetzt noch die durchschnittlichen Seitenzahlen pro Buch, Woche und Monat ausrechnen … habe ich aber nicht. Deshalb lass ich es einfach so stehen. :-)

Und wer sich jetzt fragt, warum ich so viel Jürgen Banscherus im Juni gelesen habe – das waren quasi Seminarvor- und nachbereitungen.

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Sommerabend

„Muy bien!“, rief der dunkelhaarige Junge, als Clara auf dem rutschigen Felsen landete. Die Locken flogen und das Kleid bauschte sich. Stolz sah sie sich nach ihren Eltern um. Doch die saßen ins Gespräch und ihren Nachtisch vertieft im Hafenrestaurant. Muy bien, heißt sehr gut, wusste Clara. Und ihr Sprung war auch wirklich gut gewesen.

Der Junge machte sich bereit für den nächsten Felsblock. Seine Hose war schon durchnässt vom spritzenden Meerwasser. Claras Blick fiel auf ihre Füße. Die steckten in silberglänzenden Sandalen. Die waren neu, genau wie das Kleid. Beides hatte sie sich erst heute Nachmittag in dem kleinen Laden auf der Strandpromenade ausgesucht. Sie weißen Punkte auf dem roten Stoff waren Clara sofort ins Auge gefallen. Sie passten zu diesem Urlaub. Jeder Punkt stand für einen schönen Augenblick. So ähnlich wie beim Sams, nur dass ihre Punkte nicht weniger wurden, sondern mehr.

Clara machte sich bereit für ihren nächsten Sprung. Der Stein war ziemlich weit weg, und er lag nur knapp über der Wasseroberfläche. Immer wieder spülten kleine Wellen über ihn.  Ob sie es schaffen würde?

Achtung, Cat-Content!

Es ist mal wieder Zeit, eine Lobeshymne bzw. ein Klagelied auf meine Mitbewohner – zu angemessener Zeit auch Arschkrampen genannt – zu schmettern.
Sie sind nicht nur die Wunderschönsten, sie sind auch die absolut Klügsten!  Und sie können so tolle Sachen!

Falls ich mich mal zu Hause aussperre, kann ich sicher sein, dass Jerry mir von innen die Wohnungstür öffnet. Das kann er nämlich ganz besonders gut! Leider tut er das nicht nur, wenn ich in großer Not bin, sondern auch, wenn ich unter der Dusche stehe …

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Seit Kurzem trinken alle drei ihr Wasser ganz sophisticated am allerallerliebsten aus dem Glas, aus MEINEM Glas. Das finde ich bei aller Liebe nicht ganz sooo doll und deshalb versuche ich einfach, sie auszutricksen: Ich nehme ein extragroßes Glas und fülle es nur zur Hälfte. Haha! Dann stecken sie nämlich vergeblich ihren Kopf hinein und kommen nicht dran, so sehr sie auch die Zunge rausstrecken. Ha!

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Arschkrampen sind die drei, wenn sie mich grundlos um halb fünf am morgen gemeinschaftlich wecken, indem sie über mich drüber galoppieren, mit ihren Pfoten in  meinem Gesicht rumtatschen oder – am allerschlimmsten – mich an den Füßen kitzeln! Wenn ich dann irgendwann mal aufstehe nach stundenlangem Terror, bin ich für die Bande nach fünf Minuten uninteressant und sie schlafen alle in der Küche … Klar! Dann mache ich mir einen Spaß draus und terrorisiere zurück. Das wird nicht unbedingt gerne gesehen.

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Die Kleine und der Hellgraue machen sehr gerne die Küchenschränke auf. Darin finden sie zwar immer dieselben uninteressanten Sachen, tun es aber immer wieder. Besonders gerne, wenn Besuch da ist. So schaffen sie es elegant und sehr dezent, alle Aufmerksamkeit auf sich zu richten. Klug, ne? Wenn der Hellgraue so richtig gut drauf ist, springt er auf die Arbeitsplatte, stellt sich auf die Hinterbeine und greift nach Gewürzen und Teebeuteln. Meine Aufmerksamkeit ist ihm gewiss!

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Und dann noch das: Immer wenn ich zur Wohnungstür rein komme – auch wenn ich nur eben Müll runtergebracht habe oder im Garten war – sind sie der Meinung, es müsse unbedingt JETZT was zu essen geben! Egal wie spät es ist. Seit knapp 10 Jahren gibt es um 18 Uhr Abendessen .. aber vielleicht hat sie es sich ja gerade heute anders überlegt! – Nein, hat sie nicht! Die Arschkrampen wollen es aber einfach nicht glauben!

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Der Handtaschenkoffer

Ich bin eigentlich immer mit einem Handtaschenkoffer unterwegs. Groß und voll und schwer. Alles drin, was man mal so brauchen könnte: Mindestens ein Buch, manchmal auch ein E-Reader, Teebeutel, sämtliche Schlüssel, Taschentücher, Papiere, Zettel, Notizbücher, Stifte, Flyer von irgendwas, Kaugummis, Visitenkarten (meine), ein Schirm … Zur Not dient der Handtaschenkoffer auch mal als Bett für arme obdachlose Katzen in meiner Wohnung.

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Da wurde ich mal gefragt: „Hast du zufällig Post-its dabei? Ich brauch grad dringend welche!“
Alle um mich herum schauten komisch, denn welcher normale Mensch trägt schon Klebezettel einfach so mit sich herum?! Warum auch?

Ich schaute verschämt, wühlte ein bisschen in den Tiefen der sommerlich Gelben – und zog ein Briefchen mit wunderschönen Post-its hervor: Eulen, Füchse, Blumen und Vögelchen sind drauf.
Kann man ja mal brauchen!

 

Erinnerungen an einen Fast-Verwandten

Seit mittlerweile über 20 Jahren begleitet mich diese Hautcreme-Dose gefüllt bis oben hin mit Knöpfen. Kleine Herrenhemdknöpfe und große dunkle Knöpfe sind darin die Hauptvertreter.

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Bei sämtlichen Umzügen (und das waren einige!) habe ich sie mitgeschleppt, dabei habe ich optimistisch gerechnet von den Knöpfen höchstens 5 gebraucht. Aber ich hänge an ihr, denn an ihr hängen Erinnerungen.

Mit ungefähr 12 Jahren habe ich die Dose geerbt von einem quasi Fast-Verwandten – ja, genau von einem Mann! Er hieß für mich und meine Schwester einfach nur Onkel Herrmann. Und war immer schon da.

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Onkel Herrmann, der in Wirklichkeit Alois hieß, war ein Mann der alten Generation, der tatsächlich genäht hat. Er hatte selbstverständlich eine Nähmaschine und diversen Kram, den man dafür so braucht. Und nein, er hat nicht etwa Vorhänge, Kleider oder Täschchen genäht, sondern seine eigene Garderobe geändert.

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Legendär diese farblich  (fast) passenden Stoffkeile, die er hinten in seine Buxen eingenäht hat, damit sie weiterhin passten! Onkel Herrmann hatte nämlich einen beachtlichen Bauch. Einen riesengroßen, enormen Trommelbauch! Damit die selbst gekürzten und durch diese Stoffkeile erweiterten Buxen nicht rutschten, trug er immer Hosenträger. Die haben mich als Kind wahnsinnig beeindruckt. Die hatte nämlich keiner außer ihm.

Wenn Onkel Herrman durch seine Wohnung lief, bebte der Boden, so kam es mir zumindest vor. Er war herzlich, er war lustig und er war laut. Sein Lachen dröhnte wie seine Schritte.

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Onkel Herrmann mochte rohe Zwiebeln und Gurkensalat mit gaaaaanz viel Dill. Denn kochen konnte er auch.
Beim Entrümpeln seiner Wohnung fanden wir bergeweise Dosen mit Brechbohnen, auf denen er das Einkaufsdatum vermerkt hatte. Onkel Herrmann hatte ja den Krieg erlebt. Das hat ihn geprägt.
Er hat nichts verkommen lassen. Aus alten Spülhandschuhen zum Beispiel hat er Haushaltsgummis gemacht, indem er sie in Scheiben schnitt. Die Träger von Leinenbeuteln hat er verstärkt, damit sie mehr Gewicht tragen konnten. Er war schon ziemlich patent!

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Wasser ließ er sich vom Aquella-Mann bringen. Mich faszinierten diese Glasflaschen, die so anders waren als die Gerolsteiner-Flaschen, die es bei uns zu Hause gab.
Wenn wir zu Besuch waren, tranken wir das Aquella-Wasser aus Gläsern, auf denen buntes Obst abgebildet war. Dabei saßen wir im Wohnzimmer auf einem Trumm von Eckbank. Und in der Ecke, da wo die Bank einen Knick machte, da lag immer griffbereit eine neue Flasche Aquella.

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Auf dem Regal hinter der Bank standen seine Trophäen. Aus Metall geformte Männer mit einer Kugel in der Hand, denn Onkel Herrmann war mal Kegler. Ich weiß noch genau, wie sich diese Kegelpokale anfühlten, denn ich hatte sie oft in der Hand – und schwer waren sie.

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Im Flur von Onkel Herrmann stand ein Schirmständer mit Wanderstöcken, Dabei habe ich ihn nie woanders gesehen als in seiner Wohnung. Und erst recht nicht wandernd erlebt. Aber diese Stöcke … Manche hatten unten so Gumminuppsis dran (auch irgendwie selbstgemacht), andere hatten Metallspitzen. Die machten auf dem Parkettboden fast so Geräusche wie High Heels. Deshalb fand ich sie besser. Auf die Stöcke hatte er kleine Metallbildchen von den Orten genagelt, an denen er seine Ferien verbracht hatte. Von manchen Orten hatte er sogar verschiedene Plaketten.

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Ich weiß eigentlich nichts über sein Leben, nichts darüber, was er erlebt hat. Aber ich habe diesen Umschlag geerbt mit Fotos drin, die ein bisschen was erzählen. Von feuchtfröhlichen Betriebsfeiern, von Ausflügen, vom Urlaub mit der Liebsten an der Ostsee und auch ein kleines Mädchen ist zu sehen.

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Ich bin sicher, Onkel Herrmann hatte kein leichtes Leben. Trotzdem kann ich mich an ihn nur gut gelaunt erinnern. Wir waren seine Ersatzenkel, sein Sternchen und sein Sonnenschein.