Gelesen September 2018

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Caroline Rosales: Single Mom. Was es wirklich heißt, alleinerziehend zu sein. Rowohlt 2018.

Mary Beard: Frauen uns Macht. S. Fischer 2018. (zwei kluge Vorträge mit unheimlich dichtem Inhalt sprachlich wahnsinnig schön. -> sehr empfehlenswert)

Maya Fiennes: Yoga for Real Life – für jeden! EchnAton Verlag 2016. (Kundalili-Yoga, Chakras und die Integration in den (Familien-)Alltag -> inspirierendes Buch)

Hans H. Rhyner: Ayurveda für Einsteiger. BLV 2007.

Doris Dörrie: Samsara. Erzählungen. Diogenes 1998. (Großartige, lebenssezierende Erzählungen. Doris Dörrie ist einfach wunderbar!)

Rachel Cusk: In Transit. Übersetzt von Eva Bonne. Suhrkamp 2018. (großartiger Roman über eine alleinerziehende Schriftstellerin, die ihr Leben (neu) ordnet, sich im Wandel befindet ähnlich ihrem heruntergekommenenHaus in London sowie über Sehnsüchte und die Vergangenheit)

Frank Gooesen: Förster, mein Förster. Kiepenheuer & Witsch, 2018.  (Hach, Frank Goosen … <3)

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Von bauschigen Wolkenkleidern und Dackeln

Letztens begab ich auf einem bekannten Videoportal mehr oder weniger zufällig auf eine Reise in die Vergangenheit. Die Uhr wurde um dreißig Jahre zurückgedreht, als ich ein Musikvideo mit schulterbepolsterten, kunstvoll auf der Blinketreppe arrangierten Künstlern mit beeindruckenden Frisuren und Zahnpastalächeln anschaute.

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Plötzlich spürte ich wieder den kratzigen Teppich im Wohnzimmer meiner Eltern unter meinen Knien. Meine Schwester und ich lagen im Nachthemd bäuchlings vor dem Fernseher, der kaum größer war als ein DIN-A4-Blatt. Hinter uns saß unsere Babysitterin Anke auf dem Sofa und beklebt sich die langen, bunt lackierten Fingernägel mit Strasssteinchen. Ihre Haare waren immer akkurat geschnitten und aufwendig mit Haarspray hochtoupiert. Sie war immer todchic angezogen und trug beeindruckende Ohrringe.
Unsere Augen waren gebannt auf die großen Samstagabend-Shows gerichtet: den Flitterabend, Wetten, dass … oder Verstehen Sie Spaß?
Wir mochten die Bräute in bauschigen Wolkenkleidern, liebten Bobby Flitter und warteten ungeduldig auf die großartig inszenierten Musik-Darbietungen mit Blinketreppe, Windmaschine, Lichtorgel und Trockeneisnebel. Die Bühnenbilder bei „Wetten, dass…“ waren immer die tollsten und hatten Special Effects.
Auch die Kinderwetten mochten wir. Fast so sehr wie die mit Tieren. Ich erinnere mich an einen Dackel, der Luftballons zum Platzen brachte. Anke ließ uns gucken, was wir wollten. Hauptsache wir waren im Bett, bevor sich der Schlüssel unserer Eltern in der Haustür drehte.
Ankes Abend begann dann erst so richtig. Mit dem Babysittergeld rauschte sie ab ins „Pink Palace“.