Von bauschigen Wolkenkleidern und Dackeln

Letztens begab ich auf einem bekannten Videoportal mehr oder weniger zufällig auf eine Reise in die Vergangenheit. Die Uhr wurde um dreißig Jahre zurückgedreht, als ich ein Musikvideo mit schulterbepolsterten, kunstvoll auf der Blinketreppe arrangierten Künstlern mit beeindruckenden Frisuren und Zahnpastalächeln anschaute.

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Plötzlich spürte ich wieder den kratzigen Teppich im Wohnzimmer meiner Eltern unter meinen Knien. Meine Schwester und ich lagen im Nachthemd bäuchlings vor dem Fernseher, der kaum größer war als ein DIN-A4-Blatt. Hinter uns saß unsere Babysitterin Anke auf dem Sofa und beklebt sich die langen, bunt lackierten Fingernägel mit Strasssteinchen. Ihre Haare waren immer akkurat geschnitten und aufwendig mit Haarspray hochtoupiert. Sie war immer todchic angezogen und trug beeindruckende Ohrringe.
Unsere Augen waren gebannt auf die großen Samstagabend-Shows gerichtet: den Flitterabend, Wetten, dass … oder Verstehen Sie Spaß?
Wir mochten die Bräute in bauschigen Wolkenkleidern, liebten Bobby Flitter und warteten ungeduldig auf die großartig inszenierten Musik-Darbietungen mit Blinketreppe, Windmaschine, Lichtorgel und Trockeneisnebel. Die Bühnenbilder bei „Wetten, dass…“ waren immer die tollsten und hatten Special Effects.
Auch die Kinderwetten mochten wir. Fast so sehr wie die mit Tieren. Ich erinnere mich an einen Dackel, der Luftballons zum Platzen brachte. Anke ließ uns gucken, was wir wollten. Hauptsache wir waren im Bett, bevor sich der Schlüssel unserer Eltern in der Haustür drehte.
Ankes Abend begann dann erst so richtig. Mit dem Babysittergeld rauschte sie ab ins „Pink Palace“.

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Gelesen im August 2018

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Wanda Dammann: Was mir guttut, wenn’s mir schlecht geht. Impulse, Übungen und Tippts für den Alltag. Herder 2016.

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann. Dumont 2017.

Dr. Libby Weaver: Wunderbar weiblich. Gesundheit, Ernährung, Entspannung. Was jede Frau wirklich wissen sollte. Trias Verlag 2018. (Absolute Empfehlung für alle Frauen!)

Jane Gardam: Die Leute von Privilege Hill. Hanser 2017.

Sarah Knight: Not Sorry. Vergeuden Sie Ihr Leben nicht mit Leuten und Dingen, auf die Sie keine Lust haben. Übersetzt von Sybille Uplegger, Ullstein, 2017.

Meg Wolitzer: Das weibliche Prinzip. Übersetzt von Henning Ahrens. Dumont, 2018.

 

Gelesen im Juli 2018

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Tania Schlie: Schreibende Paare. Mit einem Vorwort von Nina George. Thiele-Verlag, 2016. (Spannende und kurzweilige Paarbiografien von Schreibenden. Mir macht das ja immer Lust auf Entdeckungen und aufs Weiterlesen!)

Heike Faller/Valerio Vidali: Hundert. Was du im Leben lernen wirst. Kein & Aber, 2018. (Tolles Lebensschritte-Bilderbuch für alle!)

Kulreet Chaudhary mit Eve Adamson: Wie neu geboren durch modernes Ayurveda. Riva, 2018. (-> Für mich die beste Ayurveda-Einführung. Die Autorin ist nicht nur Ayurveda-Ärztin, sondern auch Neurologin. So werden spannende Zusammenhänge deutlich.)

Leslie Jamison: Die Empathie-Tests. Über Einfühlung und das Leiden anderer. Suhrkamp, 2017. (-> Großartige Essays über ein wichtiges Thema.)

Tanja Paar: Die Unversehrten. Haymon-Verlag, 2018. (-> große Empfehlung! Eine Geschichte, die unter die Haut geht, eine Sprache wie Samt und Seide)

Adrea Hejlskov: Wir hier draußen. Eine Familie zieht in den Wald. mairisch verlag, 2017. (-> Ich habe mehr als begeistert den autobiografischen Roman über den Ausstieg einer Familie gelesen und lege ihn sehr ans Herz)

Sommergefühle

Hochsommer Poesie

Hochsommer im Dachgeschoss. Seit mehreren Tagen sind es über 30 Grad in der Stadt. Die Luft steht.

Am frühen Morgen versuche ich, einen Lufthauch durch die Räume zu schicken. Ich reiße alle Fenster auf, werfe alle Bedenken über Bord, irgendwer könnte rausfallen. Es sind sowieso alle zu matt, sich zu bewegen. Ich wedle mit nass-kalten Tüchern, ich schmeichle, ich bitte, ich bettle, ich schimpfe. Die Badewanne, gefüllt mit eiskaltem Wasser, ist der Lieblingsplatz.

Es regt sich kein Lüftchen. Ähnlich fühlte ich mich nur im Sommer ’96 in einem Reisebus in Berlin. Ehemalige Mitschüler könnten sich erinnern.

Gelesen im Juni 2018

Der Juni war ein Monat gefüllt mit Blaubeeren und Erdbeeren. Ein paar gute Bücher gab es auch dazu. – Auch dieses Mal nur eine Liste des Gelesenen. Für mehr fehlt leider die Zeit …

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Madhavi Guemoes: Stay True. Wie du deine Wahrheit lebst. Illustriert von Anna Wassmer, Innenwelt Verlag, 2018. (Spiritualität im Alltag) |

Sophia Hembeck: This Feeling of Emptiness Like Shopping For Groceries And Forgetting To Bring The Pfandflaschen. Illustriert von Julia Feller, Selbstverlag, 2018. (Graphic Novel rund um eine Trennung) |

Alice Munro: Zu viel Glück. S. Fischer Verlag, 2013. (Leseempfehlung! Die beeindruckende Autorin bekam den Nobelpreis für Literatur 2013.) |

Kris Carr: Crazy, sexy und gesund. Aurum Verlag, 2016. (Gesundheit, Ernährung, Bewusstsein) |

Guru Jagat: Unbesiegbar leben. Knaur, 2018. (Kundalini Yoga, Lebensgestaltung) |

Connie Palmen: Die Sünde der Frau. Diogenes, 2018. (vier fantastische Essays über vier Künstlerinnen) |

Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Storys. dtv, 2017. (Fantastisch, aber weder schön, noch schmerzfrei. Dreckig, dunkel, hoffnungslos und schonungslos – Lesempfehlung!) |

Aus der Zeit gefallen

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Das kleine Schwimmbad um die Ecke ist genau nach meinem Geschmack. Es hat seine besten Tage längst hinter sich gelassen.

Die ältere Dame im Eingangsbereich ist Kassiererin, Wegweiserin und Barista für den Kaffeevollautomaten in Personalunion. Sie drückt mir einen Schlüssel in die Hand. „Warste schomma hia?“ Ich schüttle den Kopf. Sie rennt los und kichert. „Glück haste, krichsst eine vonne Kabinen füa die Versehrten.“ Hier braucht man keinen Euro für den Spind. Hier fällt man quasi vom Klappsitz in der Kabine ins Becken, in dem zwei ältere Damen mit Blumenbadekappen im Kreis schwimmen und zwei ältere Herren plaudernd am Beckenrand dümpeln. Aus den Lautsprechern plärrt „I was made for loving you“.

Ich habe 27 Minuten Zeit und schwimme 36 kurze Bahnen. Dann ist Generationenwechsel: Babyschwimmen.

Gelesen im Mai 2018

Mein Lesefazit für den Mai: Sehr positiv! Und was mit Potential als neues Lieblingsbuch war auch dabei. „Dunkelgrün fast schwarz“ kann ich sehr empfehlen!

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Charlotte Roche: Mädchen für alles. Piper, 2015. |

Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz. Frankfurter Verlagsanstalt, 2018. |

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore II. Eine Metapher wandelt sich. Dumont, 2018.