Immer vorwärts!

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Immer vorwärts! Deine Stärke
liegt in deiner eignen Brust,
nur dass du sie erst durch Werke
unermüdlich wecken musst.

Tändelnd hüpft mit Liebestönen
wohl der Bach durch flaches Land,
doch er stürzt mit Donnerdröhnen
nieder von der Felsenwand.

Erst bei jenen Hindernissen
fühlt er, dass er Stärke barg,
Eichen hat er mitgerissen!
Das bedenke! – und sei stark!

Lass nie ungenützt ein Heute
rasch entfliehn bei Lust und Scherz,
manches gute Körnlein streute
dir dein Schicksal in das Herz.

Lass ein jedes sorgsam reifen,
denn für jedes kommt die Frist;
so erst lerne, zu begreifen
wie unendlich stark du bist.

Tief aus deinem Innern ranke
mählich sich zum Licht die Saat,
erst Empfindung, dann Gedanke,
Wort hierauf und endlich: Tat!

Rainer Maria Rilke

Gelesen im November 2016

Ja, ich bin etwas spät dran mit meinem Leserückblick auf den November. Ich weiß.  Und dann ist er auch sehr übersichtlich geworden und eines der Bücher ist (noch) geheim. – Das ist gemein, oder?
Merken solltet Ihr Euch den Titel des noch nicht erschienen Buches aber jetzt schon. Ich setze darauf, dass er im nächsten Jahr ein „ganz großes Ding“ wird. Ich ziehe Vergleiche zu Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“. Da wisste Ihr Bescheid, ne? (Wenn nicht, dann lest mein Gelesen im Oktober 2016)
Ich bin derzeit mal wieder als Vorableserin dabei, allerdings als sehr schlechte, weil das (Autoren-)Leben im Augenblick recht wenig Zeit und Luft zum Lesen lässt.

Ada Dorian: Betrunkene Bäume, Ullstein Fünf ET: 24.02.2017

noch geheim!

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Jens Andresen: Astrid Lindgren – Ihr Leben, DVA

Im letzten Jahr bereits erschienen, wartete diese neue Biografie über Astrid Lindgren recht lang auf mich auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher). Warum eigentlich?! Hätte ich vorher gewusst, WIE toll sie ist, hätte ich mich nämlich garantiert früher daran gemacht.
In dieser Biografie bekommt man als Leser deutlich mehr Einblicke als in all den anderen zuvor erschienen Biografien über Astrid Lindgren. Besonders spannend für mich als Teil des deutschen Literaturbetriebs ist die Blick hinter die Kulissen des schwedischen Verlags Rabén und Sjögren, den Astrid Lindgren während Ihrer Mitarbeit dort wesentlich mitgestaltete. Ich las in anderen Biografien immer nur pauschal „halbe Stelle als Lektorin im Verlag“. Wie weit ihre Arme aber reichten und wie sehr sie über das Programm bestimmte und wie wenig sie akzeptierte, dass jemand anders an ihren Texten arbeitete – das war mir nicht bekannt. Auch die Tatsache, wie viel Unterstützung von anderen Frauen im Kultur- und Literaturbetrieb erfuhr, wusste ich nicht. So gab es eine Förderin, die unter anderem offenbar maßgeblich für den Erfolg Pippi Langstrumpfs und dann auch den Erfolg Astrid Lindgrens als Autorin war: Elsa Olenius. Eine umtriebige Grand Dame in der schwedischen Kulturszene würde ich sie nennen.
Auch spannend: Die genauen Umstände der Geburt von Astrids Sohn Lasse und seinen ersten Lebensjahren in Dänemark. Auch dies ist in anderen Biografien kurz abgehandelt worden mit den Informationen, dass Astrids deutlich älterer Chef bei der Tageszeitung der Vater des Kindes war, das in Dänemark geboren und dort drei Jahre aufgezogen wurde. Wie schwer Astrids Weg in den Jahren war, und was sie als so junge Frau alles schaffte – bewundernswert! Diese beiden Themen sind nur Beispiele für die Fülle, die Jens Andersen in seinem Buch behandelt und mit Blicken hinter die Kulissen versieht.

Eine Biografie, wie man sie besser nicht schreiben kann: Gut recherchiert, spannend formuliert und mit tollen Einblicken in das Leben der bekanntesten Kinderbuchautorin der Welt. Und bei all dem trotzdem weder indiskret noch zu privat, aber sehr persönlich. Ich bin hin und weg und würde sie am liebsten jedem von Euch unter den Baum legen, der sich für Kinderliteratur interessiert!

Gelesen im Oktober

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Oktober war ein toller Lesemonat. Ich habe mal wieder viel gelesen und dabei wunderbare Bücher erwischt. Über sowas freu ich mich ja sehr! Und hier wie immer meine absolut subjektive Lesemeinung:

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Claudia Schreiber: Solo für Clara

Um es vorweg zu nehmen: Ein außergewöhnliches und musikalisches Jugendbuch ab 12! Schon beim ersten Durchblättern habe ich die QR-Codes im Buch entdeckt. Normalerweise halte ich von einer schönen Gestaltung mehr, als von solch technischem Schnickschnack, aber hier erfüllt er wirklich einen guten Zweck und unterstützt den Lesegenuss. Die QR-Codes verweisen nämlich auf Musikstücke … Aber lieber erstmal kurz zum Inhalt: Clara van Bergen heißt das Mädchen, das der Leser hier von seinem zwölften Lebensjahr an begleitet, bis es 16 ist. In einzelnen Rückblicken springt man immer wieder in das Leben der jüngeren Clara.
Clara ist musikalisch, willensstark und äußerst intelligent. Schon als Fünfjährige beginnt sie auf eigenen Wunsch, Klavier zu spielen. Schnell stellt sich heraus, wie talentiert sie ist. Sie bekommt mehr Unterricht bei besseren Lehrern. Es dauert nicht lang, da hat sie den Vater mit ihrer Spielkompetenz überholt. Die Schulen werden danach ausgesucht, ob sie mit Claras Musik vereinbar sind und Clara weiß: ich möchte Pianistin werden. Ihr Glück scheint vollkommen, als sie im Alter von elf bei einem Professor Klavier studieren darf.

Der erste Teil des Buches liest sich rasant. Clara gelingt einfach alles: In der Schule ein Überflieger, am Klavier sowieso. Die QR-Codes am Rand des Romans verweise immer auf die Stücke, die Clara gerade spielt, sodass der Leser – mag er auch noch so unmusikalisch sein wie ich – eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie anspruchsvoll Claras Spiel ist. Zu dieser perfekten Welt passt auch der Schreibstil: positiv, heimelig und alles ist perfekt und aalglatt. Ich fühle mich sprachlich an Kinder- und Jugendbücher aus den 1950er Jahren erinnert und deren heile Welt.
Und dann gibt es einen Bruch: Ging Clara bisher alles leicht von der Hand, werden mit Beginn des Studiums die Herausforderungen größer, der Druck stärker und sie unzufriedener. Plötzlich spielt die Konkurrenz zu anderen eine Rolle und Clara gelingt auch nicht mehr alles. Sie muss jetzt kämpfen. Auch der Sprachstil wechselt, wird kantiger, weniger gefällig. Was bleibt, sind die QR-Codes, die durch die Musik Claras inzwischen steinigen und anspruchsvollen Weg dokumentieren. „Ist die Musik denn alles?“, fragt Clara inzwischen erschöpft. Um sie herum geben viele Jugendliche, die denselben Weg gehen, auf. Und dann verliebt sich Clara auch noch.
Es hat nicht ganz einen Tag gedauert und ich musste mich schon wieder von Clara verabschieden, weil ich das Buch ausgelesen hatte – wie schade!

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben.

Wie lang wollte ich dieses Buch schon lesen?! Ich kann es gar nicht sagen, so lange jedenfalls, dass ich damit jetzt ziemlich spät dran war. Und es hat sich gelohnt. Jede einzelne der 185 Seiten habe ich genossen und mir langsam auf der Zunge zergehen lassen. So eine runde, schnörkellose Sprache, so authentische Bilder und so warmherzig ! Toll!
Erzählt wird über einen Zeitraum von etwa 80 Jahren das Leben von Andreas Egger, der Anfang des letzten Jahrhunderts in einem Dorf im Tal in den Alpen aufwächst, dort lebt und es nie großartig verlässt, wenn man die Zeit der russischen Gefangenschaft außer acht lässt. Der (Waisen-)Junge kommt als kleines Kind in das Dorf und kommt bei Bauern unter. Er arbeitet als Knecht, Holzhacker, Bergbahnarbeiter und als der Körper nach dem Krieg nicht mehr so mitmacht etwas unwillig als Fremdenführer. Der Roman zeigt das Leben in seiner ungeschönten Härte, mit schweren Verletzungen beim Baumfällen, dem frühen Tod von Eggers schwangerer Verlobter unter einer Lawine, mit Schlägen, Todesfällen … Nichts fehlt von der Palette der Möglichkeiten und nichts wird dramatisiert. Es wird angenommen, es ist Teil des Lebens. Gehadert wird nicht.
Egger lebt in kleinen Kammern, kurzzeitig in einem Haus am Berg und verbringt die längste Zeit in einem kleinen Zimmer, das an die Dorfschule geklebt wurde, und am Ende in einer Höhle am Berg. Zurückgezogen und in Ruhe. Am Ende? Ja, der Roman zeichnet das gesamte Leben von Andreas Ecker. Bis zum Ende. Falls nicht bereits geschehen: Bitte lesen.

Jane Gardam: Letzte Freunde

Ich habe so sehr auf den dritten und letzten Teil der Anwalts-Trilogie von Jane Gardam gewartet. Anwalts-Trilogie klingt so gar nicht nach dem, was die Bücher tatsächlich sind. Sehr schnörkellose, englische Erzählungen über das Leben mit seinen Umwegen und mit seinen dunklen Seiten. Und doch: Die Protagonisten sind Anwälte. Die beiden Kronanwälte Terry Veneering und Edward Feathers, genannt Old Filth, die einander nicht grün sind. Überraschend erfährt der Leser zu Beginn des Romans, dass inzwischen beide Protagonisten verstorben sind. In Rückblicken werden dann in der gewohnt wunderbaren Sprache von Jane Gardam einige Lücken gefüllt, die die ersten Bände ließen. Erfuhr man im ersten Teil „Ein untadeliger Mann“ alles über die Kindheit von Old Filth in Asien, so ist Veneering bisher ein weißes Blatt für den Leser. Man geht davon aus, dass Veneering auch aus einem gut betuchten Elternhaus stammt und wie so üblich in Internaten aufwächst. Zweiteres ist gar nicht falsch, aber Ersteres absolut. Eine bizarre Kindheit liegt hinter ihm. Aber zu viel will ich hier gar nicht verraten. Toll war es mal wieder! Und ich habe große Lust, gleich nochmal mit dem ersten Band zu beginnen!

Connie Palmen: Du sagst es.

Sylvia Plath und Ted Hughes – zwei große und großartige Schriftsteller des letzten Jahrhunderts wurden ein Paar, waren sehr glücklich, bekamen zwei Kinder, trennten sich und Sylvia nahm sich das Leben. So könnte die Kurzfassung des Romans lauten. Connie Palmen hat aber viel mehr daraus gemacht. Bauend auf viel Recherche, vielen Briefen und Tagebüchern erzählt Palmen die Liebesgeschichte der Schriftsteller aus der Perspektive von Ted Hughes. Ich muss zugeben, ich hatte es mir anders gewünscht und habe die ersten 50 Seiten auch damit gehadert. Ich hätte mir Sylvias Perspektive gewünscht oder eine auktoriale. Aber dann habe ich mich angefreundet mit der Perspektive von Hughes. Das junge Paar hat den schriftstellerischen Durchbruch noch nicht geschafft, als es sich kennenlernt. Die beiden führen eine leidenschaftliche Beziehung, die von Beginn an schon von Plaths Depressionen und den Suizidversuchen der Vergangenheit gezeichnet ist. Die beiden reisen durch Europe, wechseln mehrmals den Wohnort und sind sehr glücklich. Als Sylvia schwanger wird, arbeitet sie besessen. Sie möchte unbedingt vor der Geburt Erfolg haben mit ihren Gedichten. Hughes ist zu dem Zeitpunkt schon angekommen in der literarischen Welt. Auch das schwingt immer mit: Eine Mischung aus Stolz und doch auch Neid auf den Erfolg des jeweils anderen. Eine intensive Beziehung, die nach zwei Kindern daran zerbricht, dass Hughes die Enge nicht mehr aushält und eine Affäre beginnt. Mit deren Auffliegen beginnt das Ende.
Ein intensiver biografischer Roman, der mich sehr begeistert und mitgenommen hat.

Gert Möbius: Halt dich an deiner Liebe Fest – Rio Reiser

Wie sehr hatte ich mich auf dieses Buch gefreut!? – Und war erstmal total gefrustet und bin ewig über die ersten Seiten nicht hinweggekommen. Ich war müde und Rio Reisers Bruder hat immer wieder den Faden verloren und sich in seinen Erinnerungen verwickelt. Dabei hatte mir doch die Idee einer Familienbiografie – die ist es nämlich eigentlich – so gut gefallen und ich mag es, wenn Biografien viel Fotomaterial enthalten so wie hier.
Und dann habe ich dem Buch während ein paar Tagen an der Nordsee mit mehr Zeit und weniger Müdigkeit nochmal eine Chance gegeben. Und schau an: Ich habe mich festgelesen und das Buch in weniger als 24 Stunden ausgelesen. Ja, Gert Möbius ist an einigen Stellen schwafelig, aber er ist auch ein spannender Erzähler und ein sehr interessanter Mensch. Gebannt habe ich die Seiten über das Aufwachsen der drei kreativen Geschwister gelesen. „Was die in jungen Jahren alles schon auf die Beine gestellt haben?!“ Musik gemacht, Theater gespielt, Lieder geschrieben, Bilder gemalt – viel davon mit den „Großen“ und auch außerhalb eines behüteten Elternradius‘ … Wie viel Mut dazugehört, Glauben an sich selbst und wie viel Unterstützung von Zuhause – und das alles Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre! Ich habe gestaunt. Der Radius wuchs weiter, die Projekte wurden größer … Die Biografie ist natürlich auch ein Abbild der deutschen Geschichte. Die Brüder zieht es immer wieder nach Berlin. Jugendarbeit. Projekte. Ideen … Viel Persönliches über Rio, aber nicht zu privat. Eine inspirierende und respektvolle Biografie, aus der ich viel mitgenommen habe.

Happy birthday, Arschkrampen!

Heute ist einer von vielen wichtigen Tagen der wichtigste Tag im Jahr, denn genau vor 12 Jahren, am frühen Abend des 14. Oktober 2004, erblickten die Arschkrampen das Licht der Welt. Happy, happy birthday! *TUSCH*

Quasi als Überraschungseier wart Ihr unerkannt im Bauch Eurer Mutter Lilly aus den Niederlanden nach Deutschland eingereist und in einem Pappkarton am Niederrhein geboren worden.

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Ganz rechts Jerry, daneben Murphy

Es ist kaum zu glauben, dass Du oller Schnarchkopp Murphy, der Du hinter mir auf dem Kissen so genüsslich vor sich hinbrummst, mal so ein unbedarftes, neugieriges kleines Fellknäuel gewesen bist.

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rechts im Bild – Murphy

Neugierig bist Du immer noch, wobei Du inzwischen eher an Else Kling als an einen Weltentdecker erinnerst, Geburtstagskater …

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Heute ist aber auch ein furchtbar trauriger Tag. Denn es ist der erste Geburtstag, den wir ohne Deinen Bruder Jerry erleben. Seit Ostersamstag in diesem Jahr lebt er nicht mehr. Er fehlt an jedem einzelnen Tag. Heute ganz besonders.

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Fast 12 Jahre lang wart Ihr ein Herz und eine Seele.

Statt unfassbar traurig zu sein (was ich natürlich trotzdem bin …), versuchen wir uns lieber an diese schönen Momente zu erinnern. Happy birthday, Smurphymurph!

 

 

Gelesen im September

Vor ein paar Tagen wachte ich auf und dachte: Du hast noch gar nichts gelesen in diesem Monat. Nicht ein einziges Buch! Das fühlte sich ganz komisch an, denn es ist in den letzten schätzungsweise zwanzig Jahren nie vorgekommen. (Damals hatte ich als Teenager mal eine lesefaule Zeit.) Seit über drei Jahren gibt es hier auf dem Blog die Kategorie „Gelesen im …“ Diesen Monat würde sie also das erste Man ungefüllt bleiben. Ein fremdes Gefühl. – Und dann habe ich gemerkt, dass es gar nicht stimmt! Es gab wohl schon Bücher in diesem Monat. Ich hatte nur vergessen, was ich Anfang des Monats gelesen hatte … Das ist echt wahr! Wie gut, dass ich das immer dokumentiere.

Es ist aber auch viel passiert in den letzten Wochen und Monaten. Vor fast genau fünf Monaten habe ich ein Baby bekommen, wie manche von Euch ja wissen. Und dann sind wir jetzt gerade mit (einer ganzen Menge) Sack und Pack auch noch umgezogen. Der Schreibtisch ist als Letzter leergemacht und als Erster wieder aufgebaut worden, denn „natürlich“ hatten gleich mehrere Projekte ihre heiße Phase. Wie das immer so ist. Und bei all dem kann man doch schonmal den Leseüberblick verlieren, oder?!

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Und hier jetzt wie gewohnt der Leseüberblick des letzten Monats gewürzt mit meiner ganz subjektiven Lesermeinung:

Anne Donath: Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann, Piper

Ein etwas wilder Mix aus autobiografischem Bericht und lyrisch inspiriertem Reisebericht.
Anne Donath hatte alles: Eine Familie, ein großes Haus, mehrmals im Jahr ein großer Familienurlaub. – Dann kam es zur Trennung vom Mann, die Kinder wurden flügge, und Anne wollte sich kleiner setzen. Sie trennte sich vom „Krempel“, kaufte eine Wiese und ließ eine Blockhütte bauen, die sie rasch abbezahlte. Anschließend arbeitete sie noch einen Tag in der Woche. Das reicht zum Leben und zum Reisen.
Achtsam, liebevoll und sehr reflektiert schreibt sie über genau das und über die Begegnungen, die sie hat. Ein schönes Büchlein, nicht nur für Menschen, die vom Aussteigen träumen.

Alain Grée: Mein erstes Buch Tiere, Ravensburger

Dieses Pappbilderbuch ist eine Art erstes Tierlexikon für Kleine. Die Kategorien sind die klassischen: Auf dem Bauernhof entdecken wir die Kuh, das Schwein und Co. Es folgen Haustiere, Waldtiere, Vögel, Insekten, Meeres- und Zootiere. Das Besondere an diesem Buch – und auch der Grund, aus dem ich auf es aufmerksam wurde – sind die wunderschönen, unverwechselbaren und charmanten Illustrationen des französischen Kinderbuchautors und -illustrators Alain Grée im Stil der 60er-Jahre. Ich glaubte zuerst, dass die ganze Reihe einfach neu aufgelegt wurde, aber tatsächlich sind die Bände 2012 zum ersten Mal erschienen.
Grée hat die Tiere charmant eingefangen und gibt ihnen ein Gesicht, ohne die arttypischen Merkmale dadurch zu verwässern. Klare Farben und Formen lassen die Kleinsten schon eindeutig erkennen, welches Tier sie gerade betrachten und manche Tiere, wie das Pferd oder der Hund bekommen sogar eine eigene kleine Szene, zu der man spontan eine kleine Geschichte erfinden kann. Einen kleinen Wehmutstropfen gibt es jedoch: Die Kategorie Zootiere gefällt mir persönlich gar nicht, denn sie passt so gar nicht zu den anderen, die den natürlichen Lebensraum der Tiere zeigen. Die Tiere sind alle hinter Gittern dargestellt und vermitteln den Kindern den Eindruck, das Löwen, Tiger, Giraffen und Co. den Zoo als natürlichen Lebensraum hätten. Das hätte man besser lösen können.
Der Verlag empfiehlt das Buch ab 2, aber auch Kleinere haben schon Freude daran.

Komako Sakai/Nakawaki Hatsue: Warte, warte – wo wollst du hin?, Moritz-Verlag

Ich bin ein Freund japanischer Kinderbücher. Einfühlsam, mit dem Blick für das Kleine und ganz besondere Illustrationen sind hier häufig anzutreffen. Bei diesem Pappbilderbuch auch. Die Geschichte ist schnell erzählt. Das kleine Kind – es ist vielleicht 1 oder 2 Jahre alt – entdeckt draußen kleine Tierchen, wie den Schmetterling, den Salamander oder die Taube, und stellt fest, dass sie alle weglaufen oder –fliegen, wenn man ihnen zu nahe kommt. „Wo willst du hin?“, fragt das Kind jedes Mal. Auf der letzten Seite ist das Kind dasjenige, das gefragt wird: „Wo willst du hin.“ Die Arme des Vaters greifen nach ihm und heben es auf die Schultern. Eine innige Szene.
Die zarten Illustrationen in dezenten Farben zeigen die Geschehnisse auf Augenhöhe eines etwa 1 oder 2 Jahre alten Kindes. Das ist toll. Körperhaltung und Mimik des Kindes stehen im Mittelpunkt und das jeweilige Tier. Nichts lenkt von diesem Wesentlichen ab. Obwohl wenig zu sehen ist, gibt es viel zu entdecken. Das Buch ist ab einem Jahr empfehlenswert.

Peggy Rathmann: Gute Nacht Gorilla, Moritz-Verlag

Eine Gute-Nacht-Geschichte mit viel Witz und wenig Text und vielen, vielen Tieren. Der Zoowärter wünscht dem Gorilla Gute Nacht und bemerkt nicht, wie dieser ihm den Schlüssel klaut und sich selbst befreit. Der Gorilla lässt nach und nach alle Zootiere frei, die in einer langen Karawane den Zoowärter bis in sein Schlafzimmer verfolgen. Seine Frau bringt dann alle Tiere wieder zurück und wünscht ihnen eine gute Nacht. Doch zwei schaffen es doch, sich wieder unter die Zoowärter-Bettdecke zu schleichen. Eine witzige Geschichte mit vielen Tieren für Kinder ab ca. einem Jahr.

Austin Kleon: SHOW YOUR WORK!, Mosaik

Im Juli habe ich das erste Buch von Austin Kleon gelesen: “Alles nur geklaut”. Darin geht es um kreative Arbeit und wie man seine eigene Kreativität ans Fließen bringt. Das Folgebuch handelt nun davon, wie man seine Arbeit zeigt. Der Untertitel verspricht: „10 Wege, auf sich aufmerksam zu machen“. Den finde ich allerdings absolut nicht passend und total irritierend. Kleon geht es darum, sich wirklich zu vernetzen, und nicht nur Networking zu betreiben. Echte Kontakte zu knüpfen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen, statt sie vollzuspammen, indem man ohne Punkt und Komma über sich selbst und über seine Arbeit spricht. Insbesondere in den sozialen Medien kann man es ja so oder so handhaben. Kleon scheint ein wahnsinnig sympathischer und kreativer Mensch zu sein. Ich mag das Buch! Und ich werde es wieder lesen, weil es sehr inspirierend ist.

Nix los hier!

Ja, hier wirkt es in der Tat seit einiger Zeit ziemlich eingeschlafen und die Rate der gelesenen Bücher sinkt auch kontinuierlich. Aber das bleibt nicht so. Versprochen.

Dafür gibt es heute mal ein Foto von den Arschkrampen im neuen Wohnzimmer. Ja, wir sind tatsächlich umgezogen und haben jetzt endlich alle genug Platz. Das ist so schön!

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Gelesen im August 2016

Dieser August war ein aufregender Monat und der September wird nicht minder spannend. Ich tippe diese Worte in Umzugskartonsschluchten sitzend. Die aufgetürmten Kisten beinhalten vor allem Bücher – und ich habe noch nicht fertig gepackt. In wenigen Tagen ziehen wir ein paar Kilometer weiter  in den übernächsten Stadtteil. Dort erwartet uns eine große Altbauwohnung mit doppelt so vielen Zimmern wie bisher und mit gleich zwei Balkonen. Endlich genug Platz für alles!

Deshalb ist die aktuelle Leseausbeute auch echt mau.

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Rose Tremain: Und damit fing es an

Ganz frisch erschienen Anfang August ist dieser wunderbare Roman von Rose Tremain. Wie auch die anderen Romane, die ich von ihr gelesen habe – ich kann gerade nicht nachschauen, welche es sind, weil ein Großteil meiner Bücherregal-Inhalte schon in Kisten verpackt um mich herum aufgetürmt steht – ist es hier auch gar keine laute und Aufsehen erregende Geschichte. Man wird hineingeworfen in die Schweiz der 1940er-Jahre, landet im Leben des Jungen Gustav Perle, der bei seiner alleinerziehenden, gefühlsarmen Mutter in auch finanziell ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Das Leben ist nicht leicht. Gustav hat von allem zu wenig: Zu wenig Geld, zu wenig Liebe und zu wenige Freunde. Gustav ist leise und fleißig. Dann kommt Anton in seine Vorschulklasse, ein Junge aus einer reichen Familie, der seine Gefühle laut herausweint. Gegensätzlicher könnten die beiden Jungen nicht sein. Und trotzdem sind sie vom ersten Moment an befreundet und über Jahre engstens verbunden.

Frau Perle gefällt die enge Verbindung zu der jüdischstämmigen Familie gar nicht, die Gründe dafür enthält sie Gustav aber vor, genau wie alles, was mit seinem verstorbenen Vater in Verbindung steht. Gustav muss erst erwachsen werden, bevor er sich selbst auf die Suche macht.
Ein richtig toll durchkomponierter Roman und wunderbar übersetzt!

Julia Claiborne Johnson: Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning. Aufbau TB, erscheint am 17. Oktober 2016

Mein Senf dazu folgt im Oktober.