Gelesen im März 2016

Was für ein schön-abwechslungsreicher Lesemonat! Offenbar pendle ich mich im Moment auf fünf Bücher im Monat ein. Dabei gibt es so viele Schöne und Verführerische mehr … Aber man kann ja schließlich nicht alles schaffen. Und das Leben drumrum erfordert ja auch noch ein bisschen Aufmerksamkeit. Und schreiben will ich eigentlich auch viel mehr …

Aber genug gejammert. Hier meine Leseeindrücke vom März 2016:

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Tobi Katze: Morgen ist leider auch noch ein Tag

Gemopst vom Bücherstapel des Liebsten. Eigentlich wollte ich „was Nettes für zwischendurch“ – was sich komisch anhört bei einem Buch über Depression, ne?! Aber Tobi Katze ist ja bekanntermaßen einer, der was mit Humor und Literatur macht. Tatsächlich hat er in seinem Debüt seine eigene Depression verwurstet, wie auch schon in dem Blog, den er für den Stern geschrieben hat. Ich hab mich ehrlich gesagt mit dem Buch etwas schwer getan. Das lang vermutlich mehr an mir als dem Buch. Ich kam nicht so recht rein, war ungeduldig … Aber ich habe es zu Ende gelesen.

 

Miranda July: Zehn Wahrheiten

Als bekennender Fan von Erzählungen und (Kurz-)Geschichten war dieses Buch aus meinem Lieblingsverlag eine echte Entdeckung für mich! Sechzehn Stories unterschiedlichster Art, skurril,. verwirrend und inspirierend (obwohl dieses Wort ja seit einiger Zeit als Unwort gilt, muss ich es benutzen, weil es so wahr ist!), berührend und absolut toll. Da seht Ihr mich mal sprachlos. Das geschieht ja bekanntlich nicht allzu oft. Ich spreche eine absolute Leseempfehlung aus und bin neidisch (im besten Sinne) auf diese großartige Autorin, die so viel mehr kann als nur schreiben!

 

Ursula Poznanski: Fünf

Manchmal muss es einfach ein Thriller sein – und dann am besten einer von der köstlichsten, ähm spannendsten Sorte! Ein blutrünstiger „Road-Thriller“, der mit Geocaching spielt. Absolut unberechenbar! Ja, da tun sich meine Abgründe auf. Jahrelang habe ich immer einen großen Bogen um Krimis gemacht und bei Filmen an den aufregenden Stellen den Raum verlassen. Letzteres ist immer noch so, aber bei Büchern hat sich meine Einstellung irgendwie geändert. Hach ja, das darf doch mal passieren, oder?! Im eigenen Kopf passiert ja auch meist nur so viel, wie man selbst aushalten kann.

 

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Ein groß gehyptes Buch von Erfolgsautor Benedict Wells. Ich war sehr gespannt, und muss sagen, ich bin nicht ganz sooo begeistert wie viele andere. Es ist ein gutes Buch! Keine Frage. Sprachlich wie immer wunderbar mit einer guten Geschichte, die viel Lebensklugheit enthält. Da waren also meine Erwartungen zu hoch … Für mich kam der richtige Sog ins Buch erst nachdem ich ungefähr 2/3 gelesen hatte. An der Stelle, an der der Protagonist Jules endlich nach vielen, vielen Jahren eine Beziehung mit seiner großen Liebe Alva eingehen kann. Da weiß man irgendwie, es kann nicht gut gehen. Und die Geschichte, die zuvor eher vor sich hin trieb, nimmt Fahrt auf.
Drangeblieben bin ich vor allem, weil ich das Buch nur geliehen hatte und es innerhalb von 5 Tagen zurückgeben musste, ehrlich gesagt. Sonst hätte ich wahrscheinlich viel länger daran herumgelesen …

 

Hanns-Josef Ortheil: Der Stift und das Papier

„Roman einer Passion“ lautet der Untertitel dieses (mal wieder) sehr autobiografischen Buches des wunderbaren Hanns-Josef Ortheil, und genau das trifft es. Ortheil schreibt über seine Passion, seine Leidenschaft, seine Bestimmung – das Schreiben und wie alles begann. Ortheil-Fans kennen bestimmt schon andere autobiografische Bücher von ihm und wissen so einiges schon: dass der Autor in seiner Kindheit mehrere Jahre nicht sprach, Schwierigkeiten in der Schule hatte und Jahre später einen schreibenden Kurzurlaub mit seinem Vater an die Mosel unternahm. All diese Erlebnisse flossen auch hier mit ein.
Von der ersten Seite an begeistert die besondere Sprache Ortheils. Einfühlsam ohne viel Schnickschnack und dennoch nicht schlicht zu nennen. Diese Sprache hat mich damals, vor gefühlten hundert Jahren während meiner Buchhändlerausbildung schon bei der Lektüre von „Die große Liebe“ so unwahrscheinlich in den Bann gezogen. Hanns-Josef Ortheil ist und bleibt einfach einer der großartigsten deutschen Autoren! Was würde ich darum geben, an der Uni in Hildesheim von ihm zu lernen …

 

P.S. Abgesehen von den Leserückblicken ist es in den Monaten sehr ruhig geworden im Blog. Das liegt am echten Leben und dem, was darin im Moment passiert. Nicht alles ist schön. Vor einer Woche musste ich mich nach fast 12 Jahren leider schmerzvoll von Arschkrampe Jerry verabschieden. Viel zu früh. Und die Lücke, die er hinterlässt, ist unglaublich groß.

Zack – Pläne geändert!

Eigentlich sollte es gestern einen Ausflug in die Grüffelo- bzw. Axel Scheffler-Ausstellung ins LWL-Museum in Münster geben.
Eigentlich, ja eigentlich. Denn morgens erinnerte ein soziales Netzwerk daran, dass bei meinem Tätowierer ein Walk Inn stattfindet. Das bedeutet, dass man ohne Termin kommen kann, und sich spontan ein kleines Motiv stechen lassen kann – sofern die Schlange nicht zu lang ist. Jaaa, und dann wurden – ZACK! – die Pläne geändert und wir wollten über Wesel nach Münster fahren. „Nua ma kucken!“

Bei Norman war die Schlange dann auch glatt nicht allzu lang und nach 1,5 Stunden Wartezeit konnte ich mir eine neue kleine Freundin auf die Haut bannen lassen, bevors wieder zurück in den Pott ging. Von wegen: „Nua ma kucken!“ …

Schaut mal, Mary Poppins wie sie leibt und fliegt:

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Die Vorlage auf dem Arm.

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Und heute, einen Tag nach dem Stechen.

Aaaaber, obwohl es so spontan war, war es das eigentlich doch nicht: Das Motiv und die Körperstelle standen nämlich schon lange fest. Ich hatte nur noch keinen Termin gemacht. (Nicht, dass jetzt irgendjemand denkt, ich sei unüberlegt und spontan … ;-) )

P.S. Nach Münster zum Grüffelo gings dann heute. Superschöne Ausstellung mit vielen tollen Originalillustrationen, die einfach eine ganz andere Wirkung haben als die reproduzierten in den Bilderbüchern. Wusstet Ihr schon, dass Rotraut Susanne Berner eine enge Freundin von Axel Scheffler ist? In der Ausstellung gibt es zahlreiche illustrierte Briefumschläge zu sehen, die die beiden einander geschickt haben. Der Weg nach Münster lohnt sich!

Eine Geburtstagstorte für ….

… nein, nicht für die Katze, sondern für den Liebsten. Obwohl das gleichnamige Buch von Sven Nordqvist schon irgendwie der Grund für die Torte war. Denn seit über 20 Jahren träume ich davon,  eine Pfannkuchentorte zu essen.

Hach ja … Pettersson und Findus … wie sehr ich diese Bücher liebe – nicht nur wegen der Pfannkuchentorte. Vermutlich waren sie auch unterbewusst Grund für die Anschaffung eines Katzenbabys, das dem Baby-Findus quasi aus dem Gesicht geschnitten ist. Hier der Beweis:

Baby-Flummi:

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Baby-Findus:

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Und das Flummi-Mädchen hat mindestens so viel Unsinn im Kopf wie Findus. Wenn nicht noch mehr!

Aber von der Katze zurück zur Torte. Vor ein paar Tagen war es also soweit und ich habe den Geburtstag des Liebsten als Alibi für meine erste Pfannkuchentorte genutzt:

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Und ja:  Sie war mindestens genau so lecker wie sie aussieht!
Die Rezepte im Netz haben mich alle nicht so angesprochen (Füllung nur aus Sahne und Marmelade … bäh!), so habe ich kurzerhand überlegt, was ich mir in so einer Torte wünsche und losgemischt, -gerührt und -gewerkelt. Sahne, Frischkäse, Quark, Puderzucker, Zitronensaft, Blaubeeren, Waldbeeren, Blaubeermarmelade …- Keine Sorge, das wird hier kein Koch- und Backpost! Meine Küchengeheimnisse verrate ich ja nicht jedem!  Nur so viel: obendrauf ist was anderes, als innendrin.
Und nochwas: Im Kopf habe ich auch schon ein Rezept für eine vegane Variante. Wird bei nächster Gelegenheit mal ausgetestet. Wer hat denn so eine Torte verdient? Na? Vielleicht lass ich mich ja bestechen … ;-)

Kunst aus der Küche – malen mit Merlot

Für das Luciafest im Dezember habe ich so großzügig eingekauft, dass tatsächlich noch ein paar Fläschchen vom Merlot übriggeblieben sind, die für den Gløgg gedacht waren. Und was macht man damit?

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Außer den Wein zu trinken natürlich …

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Inspiriert vom Gløgg, der am Luziaabend unerklärlicherweise lustige Flecken auf meinem Book Nerd-Beutel hinterlassen hat, und von meiner Nachgeburtstagsparty, bei der auf ebenso unerklärliche Weise mein Birkenbild um rote Weinakzente ergänzt wurde, habe ich zwei Keilrahmen genommen und ein bisschen gepanscht …

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… und zwischendurch ein, zwei Schlückchen getrunken …

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Dann habe ich die Ergebnisse ganz ungeduldig auf die Heizung gelegt und bin ausgegangen.

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Am nächsten Morgen erkannte ich dann, was so in Monsieur Merlot steckt.
Ein spuckender Alien …

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… und ein kleines Nashorn-Dino-Kind.

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Und da sag noch einer, man soll nicht mit Lebensmitteln spielen …

Kunst aus der Küche

Meine Kunst aus Büchern ist ja mittlerweile fast schon ein alter Hut. Deshalb gibt es heute mal was anderes: Kunst gelöffelt. Und so kam das.
Ich bin ja bekanntermaßen eine alte Flohmarkt- und Trödeltante, die ihren Wein am liebsten aus Kristallgläsern schlürft und den Käsekuchen von Goldrandtellern nascht. Eine besondere Vorliebe habe ich für altmodische (und alte) Teelöffel und Kuchengabeln. Und Schnäppchen mach ich auch gerne.

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So kam es, dass ich eines Tages wunderschöne und megamäßige Schnäppchen-Billo-Teelöffel erstand. Dass es da irgendwo einen Pferdefuß geben muss, wäre vermutlich jedem klar gewesen, nur mir nicht … Nunja …
Die Löffelchen haben nämlich blöderweise ein Gedächtnis. Sie merken sich ziemlich gut, was man mit ihnen getan hat – auch trotz Spülens.
So hatte ich dann köstliches Knoblaucharoma auf der Zunge, als ich meinen Vanillequark mit Joghurt löffelte oder verpasste meiner Salatsauce eine kräftige Zimtnote … So geht’s ja nicht! Und die Löffel wurden deshalb mit Dabastelichmawasdraus-Gemurmel als unbrauchbar beiseite gelegt.

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Was für ein groooßes Glück, dass das Schwesterchen das hörte und sich gut merkte und mir Heiligabend deshalb ein sehr damenhaftes Präsent unters Bäumchen legte: Eine Heißklebepistole Einen Gluepen! Klar, dass ich den heute gleich mal ausprobieren musste …. Hach, die drei Löffelchen waren viel zu schnell fertiggeklebt, sodass ich jetzt auf der Suche bin nach weiteren Gluepen-Projekten. Ma gucken, was sich so in meiner Butze findet, dass man gut irgendwo festkleben kann.
Ich gehe schon mit diversen Ideen schwanger und bin ziemlich froh, dass der ganze Krempel hier meiner ist, und ich mit ihm tun kann, was ich will … :-DIMAG1325

Und für die Feierlichkeit heute am 2.- Weihnachtsfeiertag noch ein Poem:

Herr Löffel und Frau Gabel,
die stritten sich einmal.
Der Löffel sprach zur Gabel:
„Frau Gabel, halt den Schnabel,
du bist ja bloß aus Stahl!“

Frau Gabel sprach: „Herr Löffel,
Ihr seid ein großer Töffel
mit Eurem Gesicht aus Zinn,
und wenn ich Euch zerkratze
mit meiner Katzentatze,
so ist Eure Schönheit hin!“

Das Messer lag daneben
und lachte: „Gut gegeben!“
Der Löffel aber fand:
mit Herr’n und Frau’n aus Eisen
ist nicht gut Kirschen speisen,
und küsste Frau Gabel galant –
die Hand.

Christian Morgenstern

Mehr Kunst aus Büchern – oder: Zeit für neues Altes

Manchmal ist es einfach an der Zeit, neue Sa[e]iten aufzuziehen!

Dann muss das Alte weichen, um Platz zu machen für das Neue, das Wind in Dein Leben bringt und Dir um die Nase weht.

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Aber das Neue muss nicht immer brandneues Neues sein … manchmal sind es auch die alten, gel(i)ebten und bewährten Gegenstände, Rituale oder Gewohnheiten, die Dein Leben aufs Neue bereichern können und Dir die Freude schenken, die Du vielleicht so lange schon vermisst hast.

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Nimm Dir Zeit, um einfach nur so dazusitzen, zu schauen und zu denken.

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Was ist das Stück, das in Deinem Leben fehlt?

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Wonach ruft Dein Herz?

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Was ist Deine Sehnsucht?

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Was weißt Du vielleicht erst jetzt – mit Abstand – wirklich zu schätzen?

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Gib Dir die Zeit, auch mal schwach zu sein. Um Hilfe zu bitten oder zuzugeben, dass auch Du Fehler gemacht hast.

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Lass neue, alte Sa[e]iten in Dein Leben!

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P.S. Ich habe meinen Flur mit einer alten Reclamausgabe von Gottrfied Kellers „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, Iris Murdochs „Metaphysics as a Guide to Morals“ und Ella Griffins „An und für Dich“ tapeziert. Das war gar nicht schwer!