Gelesen September 2018

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Caroline Rosales: Single Mom. Was es wirklich heißt, alleinerziehend zu sein. Rowohlt 2018.

Mary Beard: Frauen uns Macht. S. Fischer 2018. (zwei kluge Vorträge mit unheimlich dichtem Inhalt sprachlich wahnsinnig schön. -> sehr empfehlenswert)

Maya Fiennes: Yoga for Real Life – für jeden! EchnAton Verlag 2016. (Kundalili-Yoga, Chakras und die Integration in den (Familien-)Alltag -> inspirierendes Buch)

Hans H. Rhyner: Ayurveda für Einsteiger. BLV 2007.

Doris Dörrie: Samsara. Erzählungen. Diogenes 1998. (Großartige, lebenssezierende Erzählungen. Doris Dörrie ist einfach wunderbar!)

Rachel Cusk: In Transit. Übersetzt von Eva Bonne. Suhrkamp 2018. (großartiger Roman über eine alleinerziehende Schriftstellerin, die ihr Leben (neu) ordnet, sich im Wandel befindet ähnlich ihrem heruntergekommenenHaus in London sowie über Sehnsüchte und die Vergangenheit)

Frank Gooesen: Förster, mein Förster. Kiepenheuer & Witsch, 2018.  (Hach, Frank Goosen … <3)

Gelesen im Juni 2018

Der Juni war ein Monat gefüllt mit Blaubeeren und Erdbeeren. Ein paar gute Bücher gab es auch dazu. – Auch dieses Mal nur eine Liste des Gelesenen. Für mehr fehlt leider die Zeit …

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Madhavi Guemoes: Stay True. Wie du deine Wahrheit lebst. Illustriert von Anna Wassmer, Innenwelt Verlag, 2018. (Spiritualität im Alltag) |

Sophia Hembeck: This Feeling of Emptiness Like Shopping For Groceries And Forgetting To Bring The Pfandflaschen. Illustriert von Julia Feller, Selbstverlag, 2018. (Graphic Novel rund um eine Trennung) |

Alice Munro: Zu viel Glück. S. Fischer Verlag, 2013. (Leseempfehlung! Die beeindruckende Autorin bekam den Nobelpreis für Literatur 2013.) |

Kris Carr: Crazy, sexy und gesund. Aurum Verlag, 2016. (Gesundheit, Ernährung, Bewusstsein) |

Guru Jagat: Unbesiegbar leben. Knaur, 2018. (Kundalini Yoga, Lebensgestaltung) |

Connie Palmen: Die Sünde der Frau. Diogenes, 2018. (vier fantastische Essays über vier Künstlerinnen) |

Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Storys. dtv, 2017. (Fantastisch, aber weder schön, noch schmerzfrei. Dreckig, dunkel, hoffnungslos und schonungslos – Lesempfehlung!) |

Gelesen im März 2018

  1. Julia Korbik: Oh, Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten. Rowohlt Verlag 2017.
  2. Volker Kutscher/Kat Menschik: Moabit. Galiani 2017.

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Neu gelesen mit dem Bücherprinzesschen

  1. Eilika Mühlenberg: Katzen mit Haus. Atlantis 2013.
  2. Rotraut Susanne Berner: Sommer-Wimmelbuch. Gerstenberg 2005.
  3. Rosemarie Künzler-Behncke/Regine Altegoer: Kleine Bildergeschichten von Nik. arsEdition 2009.
  4. Rotraut Susanne Berner: Neue Karlchen-Geschichten. Ein Vorlese-Bilder-Buch. Carl Hanser Verlag 2011.
  5. Michael Rosen/Helen Oxenbury: Wir gehen auf Bärenjagd. Sauerländer 2009.
  6. Rotraut Susanne Berner: Nacht-Wimmelbuch. Gerstenberg 2012.

Eilika Mühlenberg: Katzen mit Haus

Das Bilderbuch steht schon einige Jahre in meinem Regal. Ich hatte es mal aus einem Impuls – „Oh, ein Katzenbilderbuch, in dem es um die Bedürfnisse von Katzen geht! Das brauche ich.“ – gekauft. Vor ein paar Tagen entdeckte das Kind es und seitdem heißt es Tag für Tag: „Mehr Katzen!!!“ Also schauen wir uns immer wieder die schönen, ausdrucksstarken und auf das Wesentliche reduzierten Bilder an und ich lese die Geschichte vor.

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Der Plot ist schnell erzählt: Zwei Katzen leben mit einem alten Ehepaar in dem Haus mit Garten und  bleiben dort wohnen, als das Paar wegzieht und eine Familie mit zwei Kindern einzieht. Katzen mit Haus eben! Am Anfang holpert es ziemlich im gemeinsamen Zusammenleben und vor allem die Mutter hat ihre Schwierigkeiten mit den Katzen, die plötzlich überall auftauchen und alte Gewohnheiten – auf dem Küchenschrank sitzen, im Obergeschoss schlafen – beibehalten möchten. Die Kinder werben um Verständnis für die Micki und Mau („Mama, du hast ihnen Angst gemacht.“) und auch der Vater bemüht sich, Lösungen zu finden, die für alle – Menschen und Katzen – passen.

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Leider kommt die Mutter im Buch nicht so gut weg. Sie ist genervt von den Katzen, während sich die anderen Familienmitglieder von Anfang an einlassen auf das Zusammenleben. Aber so ist das eben: Jeder ist anders.

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Was das Buch für mich so zauberhaft und liebenswert macht: Jeder ist wichtig – Menschen wie Tiere. Und zusammen findet die Familie gute Lösungen und einem schönen, gemeinsamen Leben steht nichts mehr im Weg: Teppichreste vor der Katzenklappe sorgen für saubere Katzenfüße und ein sauberes Sofa, Kissen auf den Fensterbänken schaffen neue Lieblingsplätze für Micki und Mau und die Mutter öffnet ihr Herz für die beiden.

Auf der letzten Seite im Buch liegen alle gemeinsam im großen Familienbett und kuscheln sich aneinander. „Schnurren ist besser als Schnarchen“, sagt die Mutter. Diese Seite mag das Kind besonders, wahrscheinlich weil sie sehr an unser Zuhause erinnert.

Eilika Mühlenberg: Katzen mit Haus. Atlantis 2013.

Gelesen im Januar 2018

Der einzig gute Vorsatz, den ich für 2018 gefasst habe, ist, wieder viel mehr zu lesen und das auch wieder konsequent zu dokumentieren – und in einzelnen Fällen auch zu kommentieren. Das will ich nicht mehr so dogmatisch tun wie in den letzten Jahren. Aber meinen Senf gebe ich immer noch gern dazu. Im Januar leider nur bei einem Buch. Dabei waren alle wirklich sehr lesens- und empfehlenswert!

  1. Der schönste Ort der Welt. Von Menschen in Buchhandlungen. Ausgewählt von Martha Schoknecht, Diogenes, 2018.
  2. Maria Sveland: Bitterfotze. Kiepenheuer & Witsch, 2009.
  3. Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger. Kiepenheuer & Witsch, 2017.
  4. Markus Orths: Max. Hanser, 2017.
  5. Bernhard Schlink: Olga. Diogenes, 2018.

Maria Sveland: Bitterfotze

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Wir spazierten mit unseren beiden Kleinkindern durch die stillen Straßen des jungen Jahres und sprachen über Vereinbarkeit von Arbeit und Kind mit dem eigenen Leben. Für mich als Alleinerziehende ist das ein ewiger Spagat, bei dem gefühlt jeder und alles immer zu kurz kommt. Allem voran ich selbst.
Meine Freundin zog kurz darauf Bitterfotze von Maria Sveland (Kiepenheuer & Witsch, 2009) aus ihrem Bücherregal und drückte es mir in die Hand. „Lies das mal“, sagte sie.

Ein Roman mit vielen Gedanken und wenig Handlung erwartete mich: Die Protagonistin Sara reist allein für eine Woche in eine Touristenburg nach Teneriffa. Ihren zweijährigen Sohn lässt sie beim Vater. Sie braucht eine Auszeit, fühlt sich ausgebrannt und bitterfotzig. Ein Begriff, den ich noch nie gehört hatte und dennoch erfasste ich sofort das Gefühl, das damit gemeint ist.

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Am Pool und im Restaurant beobachtet Sara einige Paare und deren Umgang miteinander, reflektiert ihr eigenes Leben, ihre Rolle(n) und betrachtet ihre eigene(n) Liebesbeziehung(en) – auch die vergangenen – und die Strukturen und Sehnsüchte dahinter.

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Sara stellt Fragen: Was macht für die Gesellschaft eine gute Mutter aus? Eine, die sich selbst, ihre Bedürfnisse und ihr eigenes Leben für die Familie aufopfert? Oder wird das gar als Selbstverständlichkeit betrachtet? Und wann gilt ein Vater als guter Vater? Wenn er die zwei Mindestmonate Elternzeit nimmt? Wenn er Hausmann ist? Wird dann applaudiert? – Wie können Eltern gemeinsam Eltern sein und sich dennoch auch als Paar nicht verlieren? Wie können sie der kräftezehrenden Spirale des Alltags entkommen? Wo ist die Kreuzung, an der man einen Weg einschlagen kann, der die Bedürfnisse aller berücksichtigt? Und wie kann die Umsetzung gelingen? … und immer wieder: „Darf“ eine Frau und Mutter sich ihren eigenen Raum nehmen? Wie wird sie die verdammten Schuldgefühle los, die sich sofort aufdrängen, wenn sie etwas ohne das Kind unternimmt? Der Vater arbeitet unmittelbar nach der Geburt wochen- und monatelang weit weg und gilt dennoch als Held und liebevoller Vater, während die Mutter angesichts einer Auszeit von fünf Tagen abfällig betrachtet und kritisiert wird. Warum diese unterschiedlichen Bewertungen? Kann man sich von dieser eingeimpften Betrachtungsweise lösen?

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Wut und Zorn der Protagonistin stehen am Anfang, mischen sich mit Mutlosigkeit, Verzweiflung sowie Trauer, und werden im Romanverlauf immer mehr auch zu Klarheit und konstruktiven Gedanken geformt.

Eine Lektüre, die den*die Leser*in mit neuen Gedanken entlässt. Eine Leseempfehlung für alle, die sich mit der Struktur von (Klein-)Familien auseinandersetzen möchten, und für alle, die Feminismus als Bewegung verstehen (wollen), die die Welt für alle ein bisschen besser machen möchte.

Sarah Meyer-Dietrich: Ruhrpottkind

Als ich das Buch „Ruhrpottkind“ von Sarah Meyer-Dietrich in der kleinen Buchhandlung liegen sah, zog es mich gleich magisch an.

Zum einen bin ich ja selbst ein Ruhrpottkind und zum anderen weckte der Verlag Henselowsky Boschmann gleich Erinnerungen an meine Ausbildungszeit im Buchhandel (bald unfassbare zwanzig Jahre her!). Damals gab es regelmäßig Lesungen mit Autoren des Verlags in meinem Ausbildungsbetrieb. Und natürlich musste ich auch an die Autorin Inge Meyer-Dietrich denken, die Mutter von Sarah Meyer-Dietrich. Über eines ihrer Bücher habe ich damals meine Zwischenprüfung im Studium geschrieben …

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Aber hier geht es nun um das „Ruhrpottkind“ von Sarah Meyer-Dietrich. Schon der erste kleine Absatz nahm mich gefangen: „Ich hab eigentlich gedacht, dass mein Vater Horst heißt. Weil Oma der Vollhorst sagt, wenn sie über ihn redet. Hoffentlich kommen die Mädchen nicht nach dem Vollhorst, sagt sie. Oder: Sei froh, dass du den Vollhorst los bist, Geli.“

Und damit ist schon alles klar, oder? Jennifer und ihre Schwester Jana leben mit ihrer alleinerziehenden Mutter Geli und der Oma zusamme mitten im Ruhrpott. Jennifer ist (wie die Autorin und auch ich) 1980 geboren. Das Geld ist immer knapp, Geli ist meistens unglücklich und raucht eine Stuyvesant nach der anderen. Am liebsten mit ihrer besten Freundin Vera. Die hat sogar ein Auto.
Jennifer mag Wortspiele und die Micky Maus. Jana liebt Alf und beide hören gern Kassetten mit ihrem 80er-typischen Kinderkassettenrekorder. Die Mutter Geli kocht am besten Ravioli und Fischstäbchen und zu trinken gibt es Kindercola – manchmal sogar richtige …
Unglaublich lebendig und plastisch hat mich Sarah Meyer-Dietrich in die Ära meiner Kindheit entführt. Eine kleine Zeitreise. Das Geschwisterpaar Jennifer und Jana erinnert mich sehr an zwei Mädchen, die damals in unserer Nachbarschaft unter ähnlichen Bedingungen lebten. Meine eigene Kindheit war dann doch ein bisschen anders.

Das Buch ist für alle, die in den 80ern im Ruhrpott großgeworden sind, ein Muss! Und auch allen anderen, die sich für die Zeit interessieren, kann ich es ans Herz legen. Meines hat es berührt.