Gelesen im Juli 2019

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Öffentliche Bibliothek in Amsterdam

Chimanda Ngozi Adichie: Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories. S. Fischer Verlag 2016. – Ein dünnes Bändchen mit schwergewichtigem Inhalt. Oberflächlich sind es autobiografische Alltagsbeschreibungen und -begegnungen mit Frauen – Müttern, Tanten, Kindern … , die bei genauerem Hinsehen von zutiefst menschlichen Gefühlen durchdrungen und oft schockierend sind.

Maria Sveland: Immer noch Bitterfotze. Kiepenheuer & Witsch 2019. – Die Fortsetzung von Bitterfotze. Es ist etwa zehn Jahre später und inzwischen sind Sara und Johan geschieden. Die inzwischen drei Kinder leben im Wechselmodell und wechseln wochenweise zwischen den elterlichen Wohnungen hin und her. Sara hat ein sicheres Netz aus Freundinnen – jungen, alten, Singles, Verheirateten, Müttern, Nicht-Müttern, Heteros, Homos … -, das sie hält. Und sir ordnet ihr Leben neu: zwischen dem obligatorischen schlechten Gewissen, das Müttern gesellschaftlich aufgedrückt wird, wenn sie sich und ihre Bedürfnisse priorisieren, der Sehnsucht nach einer heilen Familie und einer Konstruktion aus verschiedenen Liebhabern, der Arbeit als freiberufliche Journalistin und dem sommerlichen Leben in Stockholm. Mir hat es ausgesprochen gut gefallen.

Sabine Rennefanz: Mutter to go. Zwischen Baby und Beruf. btb Verlag 2019. – Eine Bestandsaufnahme der frischgebackenen Mütter in der heutigen Zeit.

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Gelesen im Juni 2019

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Alexa Hennig von Lange & Marcus Jauer: Stresst ihr noch oder liebt ihr schon. Gütersloher Verlagshaus, 2016. – Ein liebevoll ehrlicher Blick auf die Beziehung und die gelingende Patchwork-Familie der Autorin Alexa Hennig von Lange und des Journalisten Marcus Jauer. Kurzweilig geschrieben und sehr inspirierend.

Kein Monat mit Zeit zum Lesen. Stattdessen gab es viele durchgearbeitete Nächte.

Gelesen im Mai 2019

Women in battle - Rebellische Frauen

Gunda Windmüller: Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht. Eine Streitschrift. Rowohlt 2019.

Ich bin so unfassbar begeistert von diesem klugen, sprachlich herausragenden und einfach nur großartigen Buch der fabelhaften Gunda Windmüller, dass ich es nur schwer ausdrücken kann! – Und es passt auch prima zu meinem Kopfkissen. – Aber ganz im Ernst: Gunda benennt und beleuchtet die Strukturen, Rollen, Klischees und Lebensrealitäten, in denen wir alle (Frauen wie Männer!) feststecken und an denen wir Frauen uns messen. Ihr Blick ist dabei klar – sezierend, möchte ich fast sagen -, aufschlüsselnd soziologisch-historisch-psychologisch-literarisch … gleichzeitig sehr lebensnah und sprachlich so lebendig und fließend, dass ich möchte, dass das Buch niemals zu Ende ist.
Mit der Titelformulierung und dem Klappentext hingegen kann ich mich nicht anfreunden (oder ich versteh den Humor nicht): Er schreit nach Ratgeberregal und nach Bridget Jones (gegen die ich bekanntlich nichts habe, und die Gunda auch als Klischee mehrfach zitiert), aber hat für mich mit dem tatsächlichen Inhalt des Buches nur sehr marginal zu tun und wird ihm auch nicht gerecht.

Marta Breen (Text), Jenny Jordahl (Illustration): Women In Battle – Rebellische Frauen. 150 Jahre Kampf für Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit. Elisabeth Sandmann Verlag 2019.

Eine kraftvolle Graphic Novel, die den Wandel der Rechte der Frau vom 19. Jahrhundert bis heute zeigt – und den gab es nur, weil sich mutige und unerschrockene Frauen zusammentaten und für die Rechte der Frauen kämpften und immer noch kämpfen. Aus einer Situation der materiellen und sozialen Abhängigkeit und der politischen Unmündigkeit in ein selbstbestimmtes Leben mit politischer Stimme, mit der Freiheit, das eigene Leben selbst zu gestalten und zu lieben, wen man möchte. All das, was (uns) jungen Frauen heute so selbstverständlich ist, sind im Grunde noch ganz junge Errungenschaften. Das Buch halte ich für Frauen wie Männer, Alte wie (ganz) Junge für eine sehr gute Sache!

Louisa Dellert: Mein Herz schlägt grün. Weltverbessern für Anfänger. Komplettmedia 2018.

Schön gestalteter Ratgeber mit vielen praktisch schnell umsetzbaren Tipps und Rezepten sowie Hintergrundinformationen. Bei vielem kratzt er natürlich an der Oberfläche, aber animiert zum Weiterlesen Mich hat am meisten „beeindruckt“ (im negativen Sinne), dass einen SUV zu fahren noch umweltschädlicher ist als für dieselbe Strecke ein Flugzeug zu benutzen.

Barbara Berckhan: Genug geschuftet! Wie Sie weniger tun und mehr erreichen. Scorpio Verlag 2016.

Alexa von Heyden: Meine Sonne. Mein Mond. Meine Sterne. Das Leben nach der großen Liebe. Eden Books 2014.

Patti Smith: Hingabe. Kiepenheuer & Witsch 2019.

Eine kleine feine Sammlung von typischen Patti-Smith-Texten. Essayistisch, lyrisch, autobiografisch, beschreibend, die Einblick in ihre Welt und ihre kreative Arbeit geben.  Leider ist das Büchlein für den Preis sehr dünn geraten. Man merkt, dass hier „Seiten geschunden“ wurden (sehr viele Fotos von handschriftlichen Notizen, Kapiteleinstiegsseiten, drei einseitig bedruckte Werbeseiten usw.)

 

Gelesen im April 2019

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Sarah Kuttner: Kurt. S. Fischer, 2019. – Ich bin in dieses Buch, in diese unglaubliche Sprache eines Nachts um 1:30 Uhr hineingefallen und konnte kaum wieder auftauchen. Ich habe es ganz wie in alten Zeiten innerhalb von knapp 24 Stunden durchgesuchtet – im Alltag mit Kleinkind ist das wirklich eine Kunst! Ich gebe zu, dass ich erst unsicher war, ob ich das Thema aushalte. Als Mutter ist man ja plötzlich um ein Vielfaches dünnhäutiger und kämpft schon mit den Tränen bei rührseligen Werbespots usw. Schließlich geht es in „Kurt“ darum, dass ein Kind stirbt. Ja, es geht um den Tod des kleinen Kurt. Zurück bleiben der große Kurt, dessen Freundin und Ich-Erzählerin Lena sowie Kurts Mutter Jana und eine große dunkle Wolke aus Schmerz, Hilflosigkeit, Einsamkeit und Leere. Was tun mit diesem Leben, das in der brandenburgischen Pampa extra auf die Wechselmodell-Patchworkfamilie ausgerichtet wurde?! Wie können die Erwachsenen diese Lücke aushalten? Was macht der Tod des Protagonisten mit denen, die ihr Leben um ihn gestrickt haben? Einfühlsam, klug, berührend und mit vielen Sätzen, die man einfach nur anstreichen und sich eintätowieren lassen möchte, ist Sarah Kuttner hier ein Buch gelungen, dass ich einfach nur weiterempfehlen kann! Mehr gibt es nicht zu sagen.

Isabelle Lehn: Frühlingserwachen. S. Fischer, 2019. – Ein dramaturgisch geschickt gestrickter Roman der Schriftstellerin Isabelle Lehn über die Schriftstellerin Isabelle Lehn. Darüber, dass ihr Leben gut ist, solange sie es nicht daran misst, wie sie es sich vorgestellt hat. – sagt der Klappentext. Nur eine von vielen Passagen, wo Fiktion und Realität nicht zu unterscheiden sind. Isabelle Lehn schreibt über Erwartungen, über einen Kinderwunsch, der noch nicht weiß, welches Gewicht er hat, über Liebe, Sehnsucht, Verlust, Hoffnung und immer wieder über das Scheitern – an sich selbst, am Leben und dem großen Warum. Selten habe ich mich von einem Buch so verstanden und umarmt, darin so Zuhause gefühlt.

 

Gelesen im März 2019

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Paulo Coelho: Hippie. Diogenes, 2018.

Jane Gardam: Weit weg von Verona. Übersetzt von Isabel Bogdan, Hanser, 2018. – Was für ein wundervolles Buch. Unaufgeregt, sprachlich wohltuend und eingängig mit einer zauberhaft-inspirierenden Protagonistin: einem jungen Mädchen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Ich mochte es sehr.

Sophie Passmann: Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch. Kiepenheuer & Witsch, 2019.

John Strelecky: Das Café am Rande der Welt. Eine Erzählung über den Sinn des Lebens. dtv, 2007. – Ein netter kleiner Lesesnack, der dazu inspiriert, ein bisschen zu reflektieren. Ein prima Einstieg, seiner Lebensunzufriedenheit auf die Spur zu kommen, um dann weiterzugehen.

Gelesen Februar 2019

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Takis Würger: Stella. Hanser, 2019. – Ich habe vor Kurzem das erste Buch von Takis Würger (Der Club) gelesen und war von der ersten Seite an fasziniert. Auch Stella hat mich gekriegt. Die Story beruht auf einer wahren Geschichte und genau das verursacht gerade Aufruhr und rechtliche Konsequenzen stehen im Raum. Das Buch ist auch so  vielfach kritisiert worden. Ich persönlich fand es als Leserin gut. Ein „schönes Buch“ ist es nicht. Schmerzhaft und dreckig. Sprachlich sehr wohltuend. – Inhaltlich geht es nicht zu sehr in die Tiefe. Das empfand ich in diesem Rahmen aber auch nicht als störend.

Yavi Hameister: Bis es weh tut. mvg Verlag, 2018.

María Hesse: Frida Kahlo. Eine Biografie. Übersetzt von Svenja Becker. Insel, 2018. – María Hesse hat viele der wunderbaren Bilder von Frida Kahlo auf beeindruckende Weise neu interpretiert illustriert und zusammen mit kurzen, aber sehr dichten Texten zu einer ganz fantastischen Biografie zusammengefügt. Ich kenne einen der Filme über Frida und habe mehrere Bücher gelesen – aber hier habe ich dennoch einiges Neues erfahren. Diese Bilder haben es wirklich in sich. Mich haben sie sehr berührt und auch betroffen gemacht.

Christine Finke: Allein, alleiner, alleinerziehend. Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt. Lübbe, 2016. – Ein umfassender Überblick über die Lebenssituation und die größten Herausforderungen und Hürden im Alltag von Alleinerziehenden – mitten aus dem Leben. Lesenswert für alle, die genau das nicht einschätzen können oder sich damit bisher nicht beschäftigt haben. Vieles ist natürlich sehr subjektiv in Wahrnehmung und Umgang mit den jeweiligen Situationen. Aber es wird doch sehr deutlich klar, was wir Alleinerziehenden da stemmen müssen und was oft so deutlich von außen nicht gesehen wird.

Chimamanda Ngozi Adichie: Liebe Ijeawele … Wie unsere Töchterselbstbestimmte Frauenwerden. Fischerverlage, 2017. – Ein knappes, schmales, aber dichtes Büchlein. Es ist eigentlich ein Brief, den die feministische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie an ihre Freundin Ijeawele formuliert. Diese hatte nach Tipps und Ratschlägen gefragt für die Erziehung ihrer Tochter. Die 15 Vorschläge sind von dem Gedanken und der Absicht geprägt, eine gerechtere Welt für alle Männer und Frauen zu schaffen, für eine Welt voller Vielfalt, eigener Stärke und Toleranz. Ich empfand die Lektüre sehr inspirierend.

Frank Goosen: Kein Wunder. Kiepenheuer & Witsch, 2019. – Für alle Frank-Goosen- und Sven-Regener-Fans! Die Zeit kurz vor der Wende in Berlin und Bochum. Schräge Typen, die man schon in „Förster, mein Förster“ liebgewonnen haben kann.

Katja Frixe: Der zauberhafte Wunschbuchladen. Band 3 Schokotörtchen für alle. Illustriert von Florentine Prechtel. Dressler Verlag, 2017. – Auch der dritte Band ist so zauberhaft und gemütlich wie der erste, über den ich hier schon mal geschrieben habe.

 

 

Gelesen Januar 2019

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Mary McCarthy: Die Clique. Mit einem Vorwort von Candace Bushnell. Übersetzt von Ursula von Zedlitz. btb Verlag, 2017. – Ein spannendes und trotz seines Alters (es ist 1963 erstmals erschienen) im Grunde aktuelles Buch, das auf der Folie des gesellschaftlichen Lebens im New York der 1930er-Jahre Vereinbarkeit zum Thema hat. „Das Problem, das keinen Namen hat“, wie Candace Bushnell (oh, wie liebe ich Bridget Jones 💕) in ihrem tollen Vorwort die Feministin Betty Friedan zitiert.

Michelle Obama: Becoming. Meine Geschichte. Übersetzt von Herriet Fricke, Tanja Handels, Elke Link, Andrea O’Brien, Jan Schönherr, Henriette Zeltner. Goldmann, 2018. – Die spannende Biografie einer klugen, empathischen und starken Frau. Mir hat insbesondere die erste Häfte richtig gut gefallen, in der man in Michelle Obamas Kindheit hineinschnuppert und ihren Weg von der Chicagoer South Side in eine große Anwaltskanzlei in der City verfolgen kann. Interessant im zweiten und dritten Teil fand ich insbesondere die Einblicke in das politische System der USA. Ich hatte mich theoretisch damit in meinem Studium mal befasst. Einen Einblick von „der anderen Seite“ und aus dem echten Leben zu lesen, fühlt sich dann aber noch mal ganz anders an, als der Blick auf die Theorie. Eine ermutigende Biografie einer starken Frau!

Mely Kuyak: Haltung. Ein Essay gegen das Lautsein. Duden, 2018. – Ein kluger dichter Text über den Umgang mit Antidemokraten und die Frage, was es eigentlich bedeutet, Haltung zu zeigen. Augenöffnend.